Warmer November: Ein Frühling mitten im Herbst

Landwirte und Gärtner stöhnen über das Wetter, auch Ärzte warnen.

Sonja Pohl Erstellt am 13. November 2018 | 03:36
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Blühende Rosen in den Weingärten im November.
Foto: Sonja Pohl

Aufgrund der milden Herbsttage sind Wespen, Gelsen und auch Zecken noch immer aktiv. Viele Pflanzen treiben wieder aus. Auswirkungen hat die warme Witterung auch auf den Organismus. Allgemeinmediziner und Facharzt für Inneres, Alexander Deimel sieht vor allem bei Menschen mit weniger Reserven, also vor allem bei Älteren und Kindern, erhöhte Gefährdung für Kreislaufprobleme. „Auch die Infektanfälligkeit steigt. Zu warme Kleidung fördert das Schwitzen, bei Abkühlung – etwa im Freien – steigt die Gefahr sich zu verkühlen“, so Deimel.

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Tierärztin Sylvia Kragnolini sieht als Folge des warmen Spätherbstes erhöhte Zecken und Parasitenpopulation, die wiederum für steigende Borreliose- und Wurmerkrankungsfälle verantwortlich sind. „Ein echtes Problem ist die Witterung aber aktuell für die Igel“, weiß die Tierärtzin.

„Die hohen Temperaturen im Herbst trugen dazu bei, dass die Igel einen Wurf Spätlinge zu Welt brachten. Der Igelnachwuchs sollte im November regulär rund 600 Gramm wiegen. Erst vorgestern hatte ich einen kleinen Igel in der Praxis, mit knapp 150 Gramm. Diese Winzlinge haben alleine keine Chance durch den Winter zu kommen – sie müssen einfangen und gefüttert werden“, appelliert Kragnolini. Auffällig war für die Tierärztin auch der heuer früh einsetzende Abflug der Zugvögel, „die, bedingt durch die Trockenheit, keine Nahrung mehr fanden“.

„Der Borkenkäfer feiert derzeit Happy Hour!“

Die warmen Temperaturen in Natur und Umwelt hinterlassen auch ihre Spuren in der Landwirtschaft. Für Bezirksbauernkammer-Obmann Johann Krammel ist der zu geringe Niederschlag das Problem. „Der Regen fehlt einerseits für das Saatgut, das ohne Regen nicht aufgehen kann, anderseits braucht die Rübenernte dringend Regen“, weiß Krammel. „Andere Kulturen entwickeln sich wiederum viel zu schnell und sollten der Jahreszeit entsprechend eigentlich in die vegetative Ruhephase gehen“, nennt der Landwirt den etwas zu hohen Raps als Beispiel. Ein echtes Problem gibt es aber in unseren Wäldern: „Der Borkenkäfer feiert derzeit Happy Hour“, so Krammel.

Auf die Klimaveränderung reagiert man längst auch in Badens Stadtgärten. Andreas Kastinger: „Die regionalen Leitbäume Kastanie, Esche, Linde und Ahorn sterben zunehmen aus, da sich die Bedingungen für die Pflanzen rasant ändern. Baden hat mit resistenten Neupflanzungen reagiert. Auch Wassersäcke tragen zum Erhalt des Baumbestandes bei“.

Eislaufplatz Traiskirchen freut sich über Betrieb

Thema sind die veränderten Witterungsbedingungen freilich auch für Biologen und Landschaftsplaner. „Der Regen, der derzeit nicht fällt, fehlt den Pflanzen im April, denn eigentlich sollte der Boden aktuell Wasser für das Frühjahr speichern“, stellt Kastinger fest. Dafür blühen in Baden derzeit die Rosen, die Yucca-Palmen im Kurpark und so manches Gänseblümchen auf der Wiese.

Seit 26. Oktober ist der überdachte Eislaufplatz in Traiskirchen geöffnet. „Viele Gemeinden rundherum haben ihre Plätze nicht fertig, bei uns wird die längste Zeit munter am Eis gelaufen“, freut sich Betriebsleiter Christian Bauer. Dank der Überdachung hatte man am Eislaufplatz Traiskirchen auch bei 20 Grad Plus geöffnet – „die Oberfläche war zwar nass, das Eis aber perfekt“, ist sich Bauer sicher, dass sich die rund 2.000 – 4.000 Euro Mehrkosten auch amortisieren. „Ebenso wie sich die Überdachung rechnet“.