Hitlers Brücke in Heiligenkreuz kam nicht

Erstellt am 12. März 2022 | 05:32
Lesezeit: 3 Min
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Chronist Werner Richter, Abt Maximilian Heim, Christoph Hödlmoser und Franz Winter beim Schaukasten mit dem Modell der Trasse in der Siftsaula.
Foto: Elisabeth Fürst
Der Einsatz aller Beteiligten führte 1976 dazu, dass keine Autobahnbrücke über das Stift Heiligenkreuz gebaut wurde.
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Als in Österreich begonnen wurde, die Reichsautobahnen zu bauen, hatten die Planer vor, bei der Autobahnumfahrung von Alland und Heiligenkreuz eine Autobahnbrücke über das Klosterareal des Stiftes Heiligenkreuz zu errichten.

Die Planungsarbeiten reichen bis 1939 zurück. Bauingenieur Fritz Todt betrieb das Projekt als Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen. Das 350 Meter lange und 70 Meter hohe Bauwerk wäre in Höhe des Kirchturmes über das Stift gegangen.

Adolf Hitler habe sich persönlich für die Trassenvariante mit der Überbrückung des Stifts entschieden und Todt den Auftrag gegeben: „Die Brücke muss über das Stift geführt werden!“ Das hätte Hitler dreimal eindringlich verlangt. 1940 wurden zwei Arbeitslager angelegt, eines beim Schächerkreuz für 380 Kriegsgefangene hauptsächlich Franzosen und eines in der Nähe der Roten Brücke Richtung Sattelbach, die Gefangenen sollten für den Autobahnbau arbeiten. Nach dem Endsieg sollte das Stift aufgelöst und stattdessen in eine „Reichs-Musik-Akademie“ umgewandelt. werden. Doch als sich der Kriegsverlauf an der Ostfront zu ungunsten von Hitler entwickelten, wurden am 15. März 1943 die Arbeiten an der Autobahn eingestellt.

Nach dem Krieg fielen die bereits eingetauschten oder abgelösten Grundstücke als Deutsches Eigentum in sowjetische Hände und gelangten erst nach dem Staatsvertrag im Jahr 1955, wieder in den Besitz der Republik Österreich.

Aber 1964 lebten die Pläne wieder auf, der Bau der heutigen A21 sollte auf der Trasse der geplanten Reichsautobahn fortgeführt werden. Im November 1968 titelte die Tageszeitung Express: „Zisterziensermönche unterliegen im Kampf gegen die Technik. Autobahn-Südring gefährdet nun das Stift.“ Der damalige Landeshauptmann Andreas Maurer, ÖVP, hatte zuvor den Bescheid überbracht, dass die Autobahnbrücke – wie geplant – 1975 über den Klostergarten gebaut werde. Die für das Kloster aussichtslos scheinende Situation spitzte sich in den 1970er Jahren kurz vor Baubeginn zu. Abt Franz Gaumannmüller und Verwaltungsdirektor Friedrich Hödlmoser befassten sich intensiv mit der Verlegung der Trasse.

Enteignungsverhandlungen schon begonnen

Nachdem die Änderungsvorschläge nicht angenommen worden waren, kam es zur Enteignungsverhandlung, doch der Abt verweigerte seine Unterschrift.

Es kam aber auch Hilfe für das Kloster. Von Personen des öffentlichen Lebens. Der ehemalige Bürgermeister von Baden, Landtagsabgeordneter Viktor Wallner, ÖVP, und der Architekt Roland Rainer erstellten 1974 ein Gutachten. In diesem erörterte der Architekt die „historische, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung des Stifts und die drohenden Auswirkungen einer Autobahnbrücke“ darüber.

Nach zahllosen Telefonaten sowie direkten Gesprächen mit den Behörden brachte schließlich der 7. Juli 1976 die Wende: Die Brücke wird nicht gebaut!

„Ich bin meinem Vorgänger und allen Beteiligten sehr dankbar, dass sie alle Hebel in Bewegung gesetzt und diese Autobahnbrücke verhindert haben“, freut sich Abt Maximilian Heim. Bürgermeister Franz Winter, ÖVP, merkt an: „Vielen ist nicht bewusst, dass diese Variante noch so lange in Planung war. Wie das Beispiel zeigt, können engagierte Bürger eklatante Bausünden verhindern.“

 

Quellen: Sancta Crux, August 1968, 1970 und 1976 sowie Gedächtnisprotokoll von Christoph Hödlmoser (Sohn des Verhandlers Friedrich Hödlmoser) und die Chronik von Heiligenkreuz, Verfasser Professor Werner Richter.

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