Edith Richter im Haus der Kunst Baden: „Hab mich zerstückelt“

Erstellt am 10. März 2022 | 05:56
Lesezeit: 3 Min
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Edith Richter in ihrem Atelier mit einer Auswahl von Zeichnungen, wo sie sich Männer einer Kontaktplattform zur Vorlage nahm.
Foto: Sagmeister
Edith Richter zeigt ab 11. März im Haus der Kunst umfassende Werkschau.
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Sie ist eine Künstlerin vom Scheitel bis zur Sohle, nein eigentlich muss man sagen, vom Keller bis zum Dachboden. Edith Richter studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und hat sich in ihrem zuhause in Leesdorf ein wunderbares Künstlerreich geschaffen: Im unteren Bereich steht ihr Brennofen und unter dem Dach hat sie ihr Atelier eingerichtet, wo sie malt.

Dazwischen ist der Wohnbereich, wo ein kleiner Auszug ihrer Werke hängt. Jeden Tag ist sie kreativ, hat sich im Atelier sogar ein Bett aufgestellt, damit sie vom Zeichentisch direkt ins Bett fallen kann. Sie produziert Keramiken, fotografiert, malt und manchmal verbindet sie alles in einem Werk. In den letzten Wochen hat sie intensiv für ihre Einzelausstellung im Haus der Kunst gearbeitet.

Inspirationen findet sie im naheliegenden Alltag

Gut, dass ihr die Themen nie ausgehen, sie schöpft aus dem Naheliegenden, die Themen findet sie in ihrem persönlichen Alltag und transferiert sie in ihre spezielle Bilder- und Formensprache: „Zentrales Thema meiner Arbeiten ist, den verborgenen Rhythmus meines Lebens darzustellen, es ist eine Suche nach Identität und die verbundene Aufdeckung unbewusster Regungen und Fantasien, die teils biografischen Ursprungs sind“, erklärt Richter.

Hat ihr Hund etwa eine Krankheit an der Pfote, entsteht schon eine Bilderserie mit Hundebeinen. Tiere sind immer wieder eine wichtige Inspiration für sie, so kaufte sie im Supermarkt verschiedene abgepackte Tierteile und eine Fotoserie entstand, „wo ich die Tierteile aus der Plastikverpackung genommen, sie in weißes Leinen gewickelt und sie einer neuen Wertigkeit zugeführt habe.“ Aus einem Konsumgut wurde Kunst. Auch die Tierurnen mit Rehbeinen sind aussagekräftig.

So alltäglich die Themen sein mögen, so überraschend ist ihre Umsetzung. Der Titel ihrer Einzelschau „In Motion“ soll die Unsichtbarkeit des Seins sichtbar machen. Richter zeigt Bilder die in die Tiefe blicken lassen, es gehe ihr um die Fruchtbarkeit und die Üppigkeit des Lebens und sie fördert Ansichten zutage, die mikroskopische Ansichten zeigen, nur eben gemalt.

Richter nimmt sich auch selbst zum Objekt, „da habe ich mich portraitiert und zerstückelt“, so ihr Kommentar zu einer anderen Bilderserie und es klingt schlimmer, als es ist. Sie geht zeichnerisch in die Tiefe des Lebens, sucht und findet Fantasieformen, die Rätsel aufgeben. Auch wenn die Bilder abstrakt wirken, sind sie gegenständlich, „ich bin immer auf die Form interessiert.“

Die Ausstellung wird am 11. März, 19 Uhr eröffnet und läuft bis 27. März.

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