Die Möllersdorfer Au lebt wieder. Die Schwechat darf wieder frei fließen. Steine zur Begradigung entfernt, neues Leben ist schon entstanden.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 03. Juli 2020 (05:12)
Stadtchef Andreas Babler mit Stadtökologen Gerald Wolfauer auf einem Kiesbett, das der Fluss bereits selbst geschaffen hat.
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Am Mittwoch machten sich Bürgermeister Andreas Babler, SPÖ, und Stadtökologe Gerald Wolfauer auf in die Möllersdorfer Au, um zu sehen, was sich seit Abschluss der baulichen Renaturierungsmaßnahmen Ende März in puncto Flora und Fauna alles getan hat.

Sowohl der Stadtchef als auch Wolfauer waren begeistert. „Das übersteigt unsere Erwartungen. Das Hochwasser der vergangenen Woche hat auch dazu beigetragen, dass sich der Fluss wieder ganz natürlich seinen Weg sucht“, sagt der Stadtökologe.

Die wichtigste Maßnahme war wohl, die Steine zu entfernen, die seit den 1960er Jahren die Schwechat in ein starres Flussbett gezwungen haben. Wolfauer präzisiert: „Die großen Flussbausteine sind bereits entfernt worden, wir haben Buhnen eingebaut, um der Schwechat einen ersten Stupser zur Entwicklung in einen naturnahen Flusslauf zu geben“, sagt Wolfauer.

Während Wolfauer das Projekt noch erklärt, macht Babler eine Entdeckung: Ein Eisvogel fliegt unvermutet auf einen Baum, er ist einer jener Vögel, die ganz besonders von der Flussrevitalisierung profitieren sollen. Er braucht zum Nisten Erdhöhlen, die auf der Uferböschung bereits klar zu erkennen sind. „Es ist wirklich unglaublich, wie schnell das geht“, sagt Babler. Unterstützt wurde das Projekt durch Fördertöpfe der EU (INTERREG) und den Nationalpark Donauauen.

Hier ist Christoph Litschauer Projektleiter für den Alpen-Karpaten-Flusskorridor. Er lobt die Bemühungen in Möllersdorf: „Die Möllersdorfer Au ist ein gutes Beispiel für ein gelungenes Pilotprojekt. Ich bin überrascht, wie gut die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Grundeigentümern funktioniert hat“, sagt Litschauer. Damit schließt sich wieder ein Teilstück, in dem Tiere auf ursprünglichen alten Pfaden wandeln können. Das Ziel des Projekts, einen durchgängigen Flusskorridor von den Karpaten bis in urbanes Gebiet zu schaffen ist hier im Süden von Wien besonders schwierig. Fließt doch die Schwechat durch das ganze Wiener Becken, ein landwirtschaftlich extensiv genutztes Gebiet, in dem sich nur mehr wenige ursprüngliche Flusslandschaften finden. Tiere wie die Würfelnatter oder im Fluss die Nase müssen wandern können, „deshalb ist es so wichtig, diese Kernlebensräume zu erhalten“, sagt Babler.

Wolfauer wünscht sich, dass auch der noch nicht revitalisierte Teil der Schwechat in Möllersdorf wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückgeführt wird.