Die Traiskirchner Jugend gibt Gas

Die Corona-Pandemie hat bestimmte Seite der Jugendkultur befeuert: illegale Autorennen, vorzugsweise auf der B17.

Erstellt am 14. Juli 2021 | 04:06
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Quietschende Reifen, laut aufheulende Motoren: Das sorgt bei den Anrainern auf der B 17 für keine große Freude. Dmitry Dven
Foto: Symbolfoto Shutterstock/, Symbolfoto Shutterstock/

Treffpunkte waren für Jugendliche in den diversen Lockdowns rar. Denn eigentlich war es verboten, seine Freunde zu treffen, schon gar nicht in einem Gebäudeinneren. Was liegt also näher, mit dem Auto zu einem bestimmten Treffpunkt zu fahren und dort Gas zu geben?

Im Bezirk Baden hat sich die Shell-Tankstelle in Traiskirchen als einer der Hotspots etabliert. Das weiß auch Bezirkspolizeikommandant Oberstleutnant Hannes Jantschy, und er weiß auch, dass sich die Anrainer vor allem vom Lärm und den sichtbaren Müllspuren nach diesen Treffen belästigt fühlen.

Dieses Phänomen ist auf die Corona-Pandemie zurückzuführen.“ Oberstleutnant Hannes Jantschy, Bezirkspolizeikommandant

Der Bezirkspolizeikommandant erklärt: „Dieses Phänomen ist auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Die Jugendlichen haben sich an leicht zugänglichen Plätzen an viel befahrenen Straßen getroffen. Das waren und sind in der Regel Tankstellen, in Leobersdorf war es die Autobahntankstelle Bubbles, in Wien der Kahlenberg. Das ist kein Problem, das nur den Bezirk Baden betrifft, sondern zieht sich von Wien bis nach Wiener Neustadt.“

Was damit begann, dass sich Jugendliche an Autobahntankstellen oder eben wie in Traiskirchen auf der B17 getroffen haben, habe sich „zu kleinen GTI-Treffen“ weiter entwickelt. Erst hätten sich nur die Jugendlichen getroffen, „dann kamen Leute mit aufgemotzten Autos“, weiß der Kommandant.

Die Jugendlichen verständigen sich über die Sozialen Medien oder WhatsApp, tauchen blitzschnell an einem bestimmten Ort auf und verschwinden wieder, sobald sie merken, dass eine Polizeikontrolle unterwegs ist. „Darum ist die Shell-Tankstelle auf der B17 auch so ein beliebter Treffpunkt, weil man von hier auch schnell auf der Südautobahn ist“, weiß Jantschy.

Mittlerweile geht es also darum, wie die filmischen Vorbilder illegale Beschleunigungsfahrten zu unternehmen, sich mit den Autos zu produzieren, Fehlzündungen zu bewerkstelligen und sich ein Katz- und Maus-Spiel mit der Exekutive zu liefern. Letztere kontrolliert die Fahrer sehr genau, „es wurden auch schon etliche Nummerntafeln abgenommen, wenn die Fahrzeuge nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen“, betont Jantschy.

Der Bezirkspolizeikommandant hofft, dass mit der Öffnung von Clubs und Diskotheken Beruhigung in die Szene kommt und die Jugendlichen verstärkt die Lokale der Nachtgastronomie besuchen und weniger öffentliche Plätze an Schnellstraßen und Autobahnen.