Badens Schuster sagt Adieu. Schuhmachermeister Karl Ivants schloss am Freitag sein Geschäft für immer. Zahlreiche Kunden kamen zum Abschied.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 08. Mai 2021 (05:23)
Heidi und Karl Ivants an ihrem letzten Arbeitstag am 30. April im Geschäft in der Antonsgasse 11, wo sie seit 1987 tätig waren. Das Schuhmachergeschäft seiner Eltern war viele Jahre zuvor gegenüber im Palais Erzherzog Anton.
Fussi, Fussi

Badens beliebter Schuhmachermeister Karl Ivants hatte am Freitag mit seiner Ehefrau Heidi den letzten Arbeitstag in seinem Geschäft in der Antonsgasse, das er 1987 von seinen Eltern in dritter Generation übernommen hat. Ivants trat den wohlverdienten Ruhestand an. Soweit, so geplant. Was aber nicht so absehbar war, „war die Welle von Wertschätzung, die meine Kunden mir entgegengebracht haben“, zeigt er sich am Montag im NÖN-Gespräch erstaunt.

Zeitweise gab es Warteschlangen, viele Stammgäste kamen, um sich persönlich zu verabschieden und zu bedanken. „Da merkt man, wie nahe man den Kunden ist“, merkt Ivants an. Unter den Gratulanten waren auch welche, die schon bei seinen Eltern Kunden waren.

Generell ist er stolz, über einen großen Kundenkreis zu verfügen, der bis in die Ostschweiz reicht. Ein Kunde aus St. Gallen, der bei seiner Arbeit früher in Wien auf Ivants als Maßschuhmacher aufmerksam wurde, lässt sich seit 20 Jahren das immer gleiche schwarze Schuhmodell anfertigen. Mit ihm verbinden ihn auch viele intensive Gespräche.

Gerne erinnert sich Ivants auch ans Jahr 2008 zurück, als die italienische Fußballnationalmannschaft in Baden weilte, und ihr Betreuer Michi Hatz ein Korrektiv für einen Sportschuh für den Kapitän benötigte. In kurzer Zeit lieferte Ivants, „wer schnell hilft, hilft doppelt“, lautete seine Devise.

Auch Lehrlinge hat Schuster Ivants ausgebildet. Aber ein geeigneter Nachfolger hat sich nicht gefunden, sodass er nun seinen Betrieb wegen der Pensionierung schließt. Er freut sich, nun Dinge zu tun, die er zuletzt immer aufgeschoben hat, lange Spaziergänge etwa oder Reisen. Beim Rotary Club wird er weiterhin tätig sein. „Es gefällt mir, Leuten zu helfen, denen es nicht so gut geht“, sagt Ivants.