Flüchtlings-Transport in Horrorkisten: "Das Ziel war Ebreichsdorf"

Erstellt am 10. Februar 2022 | 11:07
Lesezeit: 3 Min
Dem Landeskriminalamt NÖ gelang ein entscheidender Schlag gegen eine türkische Schlepperorganisation, die Flüchtlinge in Lkw versteckt von Rumänien über Ungarn nach Österreich brachte.
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"Das Ziel war Ebreichsdorf", sagte Chefinspektor Johann Baumschlager vom Landeskriminalamt NÖ auf NÖN-Nachfrage. Dort wurden die Migranten bei den Fahrten im Auftrag einer türkischen Schlepperorganisation nämlich abgesetzt, um abgeholt "und nach Deutschland weitertransportiert zu werden", berichtet Baumschlager. Die günstige verkehrstechnische Lage Ebreichsdorfs gab den Ausschlag dazu.

Beim letzten Transport des Menschenhändlerrings Ende Jänner kam es aber nicht mehr dazu. Die deutsche Bundespolizei in Berchtesgaden gab den Niederösterreichischen Ermittlern einen Tipp, aufgrund dessen die Kriminalbeamten Ermittlungen gegen eine türkische Schlepperorganisation aufnahmen.

Gemeinsam mit den Kollegen der deutschen Bundespolizei war es möglich, die Lkw zu observieren, die für dien Menschenhandel verwendet wurden.  Bei einer Überwachung einer Schlepperfahrt vom 21. auf den 22. Jänner von Rumänien über Ungarn nach Österreich hielten Einsatzkräfte der Autobahnpolizeiinspektion Schwechat in Rannersdorf auf der S1 bei der Autobahnraststätte den fraglichen Lkw auf.

In der Palettenkiste, die unter dem Sattelaufleger angebracht und die zu Schleppungszwecken umgebaut worden war, wurden acht türkische Staatsbürger aufgefunden .Diese Box war eigens für den Transport von Flüchtlingen umgebaut worden. Der LKW führte offiziell Leerfahrten durch, hatte also keine Ladung. Diese Vorgangsweise barg jedoch auch das Risiko einer für die geschleppten Personen ernstzunehmenden und lebensbedrohenden Situation.

Die geschleppten Personen klagten über Atemnot, Unterkühlung und Bewusstlosigkeit und bezeichneten die beschriebene Paletten-Box als „Horrorkiste“.

Der Fahrer des Lkw wurde wegen des Verdachtes der Schlepperei vorläufig festgenommen. Die Amtshandlung wurde während der Fahndung durch das Landeskriminalamt Niederösterreich, Ermittlungsbereich Menschenhandel, koordiniert und nachdem der Lkw angehalten worden war, übernommen. Zum Sachverhalt wurden mehrere Migranten befragt, die übereinstimmend angaben, vom Schlepper und vom Lenker des Lkw in Rumänien in der "Paletten-Box" untergebracht und nach Österreich transportiert worden zu sein.

Der Lenker des Lkw, ein 39-jähriger türkischer Staatsbürger, zeigte sich zum Sachverhalt geständig und gab in weiterer Folge acht gleichartige Fahrten zu. Der Sachverhalt wurde der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt angezeigt, welche die Festnahme des Lkw-Lenkers und die Einlieferung in die Justizanstalt Wiener Neustadt anordnete. Die geschleppten Personen wurden allesamt festgenommen und stellten einen Asylantrag in Österreich.

Derzeit werden weitere Ermittlungen gegen Mittäter, insbesondere gegen den namentlich bekannten Auftraggeber der Schleppungen, der in Österreich aufhältig ist, geführt.

Durch die bisherigen Ermittlungen konnten den beiden Beschuldigten zumindest acht Schleppungen von 35-40 Personen, türkischer Staatsangehörigkeit, zugerechnet werden. Der Schlepperlohn pro Person belief sich zwischen 15.000 und 16.000 Euro.

Sämtliche Schleppungen fanden in einem eigens dafür verwendeten Lkw-Sattelzug statt und nahmen ihren Ausgang in Arad/Rumänien. 

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