Die Rückkehr der Schafe in Traiskirchen. Schäfer Petru Pop betreut vier Schaf- und Ziegenherden im gesamten Ortsgebiet, die an unterschiedlichen Stellen regelmäßig Grünflächen beweiden.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 21. Februar 2021 (03:35)
Die „Damen“, eine rein weibliche Herde, bestehend aus Schafen einer Milchrasse, weiden aktuell gegenüber vom Erstaufnahmezentrum.
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Am vergangenen sonnigen, aber kalten Freitag hat Schäfer Petru Pop alle Hände voll zu tun. Denn jetzt ist Setzzeit, das heißt, die weiblichen Schafe und Ziegen bringen ihre Jungen zur Welt.

Ein wenig aufgeregt ist Petru, denn gerade heute ist eine Anzeige bei einem Amtstierarzt eingegangen. Petru Pop ärgert das sehr, denn für ihn ist das ein Beweis, „dass die Menschen den Bezug zur Natur völlig verloren haben. Schafe und Ziegen sind keine Haustiere, sondern Nutztiere. Wir haben einen Unterstand bei jeder Herde. Wenn ich die neugeborenen Tiere ins Warme bringen würde, dann würden sie sterben, die würden diesen abrupten Klimawechsel nicht verkraften.“

Petru Pop ist in Rumänien gemeinsam mit Schafen aufgewachsen, als kleiner Bub habe er einmal bei über Minus 30 Grad im Freien mit den Schafen übernachtet. In Traiskirchen hat er seine Schafe, die er im Auftrag der Stadt an rund vier verschiedenen Stellen im Stadtgebiet weiden lässt, in seinem Stall in Oeynhausen untergebracht. Eine Herde umfasst 10 bis 15 Tiere, zwischen 50 und 60 Schafe besitzt Landwirt Pop, mit denen er durch Traiskirchen zieht.

Stadtökologe Gerald Wolfauer hat wegen der Anzeige bereits mit dem Amtstierarzt gesprochen. „Es ist alles in Ordnung“, versichert Wolfauer, der seinen Hund diesmal nicht zu den Schafen mitgebracht hat.

„Der ist schon ein richtiger Hütehund geworden“, schmunzelt Wolfauer. Denn damit die Schafe nicht ausbüxen, verwendet man in Traiskirchen keine elektrischen Weidezäune, sondern Baustahlgitter, die sich in der Praxis als sehr effektiv erweisen. Entlang des Wiener Neustädter Kanals weiden Kamerunschafe. Hier hat ein weibliches Schaf vor wenigen Stunden einen kleinen Bock zur Welt gebracht. Petru entfernt die Reste der Nabelschnur, das Mutterschaf mäht aufgeregt, als Petru das Kleine dafür kurz an sich nimmt. Nach wenigen Minuten ist der Kleine wieder bei seiner Mutter im Gehege.

„Diese Rasse kann man nicht melken und nicht scheren, sie sind eine reine Fleischrasse und perfekte Rasenmäher“, erläutert Pop. Die Schafe verhelfen durch ihre schonende Art, die Gräser von Wiesen und brach liegender Flächen zu fressen, den im Erdreich schlummernden Wildblumen wieder zum Durchbruch. Aus einem toten Stück Grün wird eine lebendige, ökologisch wertvolle Wiese.

Schafe weiden sanft und lassen nichts liegen

Wolfauer fügt hinzu: „Das Schlechteste ist, wenn eine Wiese einfach abgemäht und gehäckselt wird und das klein geschnittene Gras bleibt dann liegen. Dann haben Wildblumen keine Chance, durchzukommen.“ Die Pflege der Schafe sei im Sommer aufgrund der Hitze oft herausfordernder als im Winter. Pop erklärt: „Da müssen wir schauen, dass die Schafe in den Schatten kommen. Jetzt im Winter versorge ich die Tiere mit warmen Wasser und füttere noch zusätzlich mit Heu, Getreide, Mais und Zuckerrüben.“

Apropos Füttern: Immer wieder geraten die Schafe in Lebensgefahr, weil in ihr Gehege Brotstücke geworfen werden. „Doch das sind völlig falsche Kohlenhydrate und verursachen Blähungen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen“, sagt Petru, der aus diesem Grund schon einmal ein Schaf verloren hat.