Hausbesetzung auf 1.036 Metern Höhe

Der Pächter der Schutzhütte am Hocheck richtete sich häuslich ein, statt die Hütte zu verlassen. Räumungsklage beantragt.

Erstellt am 08. Dezember 2021 | 05:32
Lesezeit: 3 Min
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Dass es im Schutzhaus warm und gemütlich ist, dafür sorgt dieser Bullerjan-Ofen.
Foto: privat

Plante man eine Gipfeltour auf das Hocheck und stöberte dazu auf der Homepage des Österreichischen Touristenklubs (ÖTK), fand man den Eintrag, dass das Schutzhaus am Hocheck wegen ‚Hausbesetzung‘ geschlossen wäre.

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ÖTK-Geschäftsführer Michael Platzter gefällt die Situation nicht.
Foto: privat

Vor einigen Tagen wurde diese Beschreibung auf „Wintersperre“ geändert mit der Zusatzinformation, dass ab der Sommersaison 2022 ein neuer Pächter gesucht wird.

Zur selben Zeit trugen sich auf einigen anderen Internetplattformen erstaunlich viele zufriedene Besucher des Schutzhauses ein, und das, obwohl das Haus offiziell geschlossen ist. Tatsache ist, der Pachtvertrag mit Pächter Malte Hadwiger wurde mit 1. Oktober aufgelöst.

Nachdem in sozialen Netzwerken Fotos von Ravepartys am Hocheck auftauchten, vermutete man seitens des ÖTK eine Hausbesetzung und informierte die Besucher auf der Hüttenwebseite. Als der ÖTK einen Lokalaugenschein durchführte, stellte sich heraus, dass der gekündigte Pächter Malte Hadwiger die Frist zur Räumung hatte verstreichen lassen. Stattdessen hat er es sich offenbar in der Hütte gemeinsam mit anderen Personen gemütlich gemacht.

Der Geschäftsführer des ÖTK Michael Platzer erzählt: „Malte zog gleich mit seiner riesengroßen Schallplattensammlung und einer Musikanlage ein, funktionierte den Gastraum zur Diskothek um und verlegte die Küche kurzerhand auf die Terrasse. Die Gäste staunten nicht schlecht, als sie zwischen Baustelle und Outdoorküche von einem sichtlich bemühten Pächter mit Arbeitshandschuhen die Suppe serviert bekamen.“

Meinungen der Gäste gingen stark auseinander

Anfangs tolerierten die Gäste das noch. Doch die Beschwerden nahmen mit der Zeit zu und erreichten schließlich Ende September ihren Höhepunkt. Immer mehr Wanderer sprachen von untragbaren Zuständen, hygienischen Mängeln und Hühnern in der Schutzhütte. Nachdem der Pächter noch dazu ohne Gewerbeanmeldung tätig war, sah der ÖTK sich gezwungen, das Pachtverhältnis mit 1. Oktober aufzulösen.

Der Pächter verpflichtete sich, das Haus winterfest zu machen und es bis 31. Oktober zu räumen. Doch Hadwiger verlor zwischenzeitlich seine Wohnung und erklärte das Hocheck fortan zu seinem ständigen Landsitz. Neben seiner Lebenspartnerin zogen auch Hühner und Hunde ein und mit ihnen auch Freunde des Pächters, die den Hausberg der Further zu ihrem „Kraftplatz“ erklärten. Mittlerweile brachte der ÖTK beim Bezirksgericht Baden eine Räumungsklage ein. Bei der Zufahrt aufs Hocheck weist eine große Informationstafel Besucher darauf hin, dass die Hütte geschlossen und die Straße im Winter gesperrt ist.

Platzer erläutert: „Hardwiger ignoriert das Fahrverbot auf der steilen und bei Glatteis gefährlichen Forststraße und entfernte die Hinweisschilder. Zwischenzeitig wurde auch Strafanzeige gegen den ehemaligen Pächter eingebracht.“

Hardwiger sieht das alles ganz anders und erklärt die Situation dahingehend: „Mir wurde versprochen, dass meine Arbeitszeit für die Renovierung der Küche und dergleichen praktisch entgolten wird, davon will derzeit niemand etwas wissen. Ich habe mich mit meiner Lebensgefährtin wirklich bemüht, das Beste aus dem desolaten Zustand der Schutzhütte zu machen. Außerdem hat man uns das Stromaggregat entfernt und wir sitzen bei Minusgraden im Kalten ohne Strom und somit auch ohne Wasser. Wir halten auch Hühner, um unseren Gästen Bio-Eier anbieten zu können. Bei diesen Temperaturen haben wir unserem Federvieh immer eine Heizlampe eingeschaltet, das können wir jetzt nicht mehr, weil das Stromaggregat entfernt wurde.“ Das kleinste Huhn sei bereits erfroren, mit weiteren Opfern in der Hühnerschar sei zu rechnen. Man wolle keinen Streit, sondern in Ruhe arbeiten und die Chance haben, „uns zu beweisen und weiter arbeiten zu dürfen“.

Den Vorwurf des Pächters, im Kalten zu sitzen, entkräftet allerdings Platzer dahingehend, dass es neben einer Zentralheizung sogar noch mehrere Bullerjan Öfen im Schutzhaus gibt, die mit Brennholz geheizt werden können.

„Das entfernte Stromaggregat war ein Leihgerät, das während der Baumaßnahmen benutzt wurde und wieder retourniert werden musste. Der Pächter soll sich sogar über die hohen Kosten beschwert haben.“