Traiskirchen: Leben in der Erinnerung - Mit Demenz umgehen

Erstellt am 17. Mai 2022 | 05:42
Lesezeit: 3 Min
SeneCura beschreitet neue Wege in der Betreuung dementer Personen.
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Mitten im Leben bleiben – das ist das Ziel des Teams von SeneCura, was die Bewohnerinnen und Bewohner betrifft. Klare Strukturen in der Architektur ermöglichen es auch Demenzpatienten, sich auf ihrem Stockwerk zu orientieren und zur Ruhe zu kommen. Der Frisör gleich in Eingangsnähe ist nicht nur bei den Damen im Haus heiß begehrt.

Pflegedienstleiterin Petra Juracek erläutert: „Der Frisör ist das beste Beispiel, wie zur Außenwelt Kontakt gehalten wird. Viele Damen und Herren die nicht bei uns im Haus wohnen, besuchen dieses Frisörgeschäft.“ Auch ein öffentlicher Kindergarten befindet sich im Haus, wo vor Beginn der Corona-Pandemie ein reger Austausch zwischen Bewohnern und Kindern stattfand. Und das, obwohl „einige Eltern doch zuvor Bedenken hatten, wie ihre Kinder auf ältere Menschen reagieren. Das hat sich bald ganz wunderbar eingespielt“. Doch wie ist es eigentlich, nicht mehr genau zu wissen, in welcher Zeit man sich befindet, den Weg abends auf die Toilette nicht mehr bewältigen zu können, plötzlich desorientiert zu sein?

Per Virtual Reality Brille in Demenzrealität eintauchen

Mit einer eigenen Virtual Reality Brille ist es möglich, in die Position eines demenzkranken Menschen einzutauchen. Und man lernt, warum lange Gänge und unruhige Tapetenmuster für Demenzpatienten ein Albtraum sind. „Bei uns im Haus ist alles kreisförmig angeordnet. Das erleichtert es den Patienten, immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurückzukehren“, erläutert Juracek. Für die Pflegedienstleiterin ist die Betreuung von Demenzkranken in den eigenen vier Wänden eine kaum zu bewältigende Herausforderung. „Oft kommen die Menschen erst zu uns, wenn sie in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand sind, was sehr schade ist. Die Erinnerung kann man nicht mehr zurückholen. Aber man kann lernen, in die Welt oder in die Epoche einzutauchen, in der sich die Patienten gerade befinden“, merkt Juracek an. Wie das funktioniert?

„Möglichst einfühlsam in die Person hineinhorchen, von der Familie möglichst viele Vorinformationen einholen, die dann sehr weiterhelfen. Wo hat die Patientin überall gewohnt? War sie einmal oder mehrmals verheiratet? Hat sie Kinder oder sind eines bzw. mehrere bereits verstorben? Eine ältere Dame im Haus beschäftigt sich intensiv mit einer Babypuppe. Ihre Pflegebezugspersonen haben herausgefunden, dass die Frau eine Totgeburt erlitten hat. Dieses Trauma hat sie offenbar nie wirklich verwunden, mit der Puppe am Arm aber schon, „denn das ist jetzt ihr Kind, um das sie sich kümmern kann“, sagt Juracek.

Dass das Thema Demenz immer noch tabubehaftet ist, verstehen auch Markus Schwarz, Geschäftsführer der SeneCura Gruppe und Michael Pinz, Regionaldirektor Wiener Alpen und Burgenland, nicht. „Der Bedarf an Demenzbetreuungsplätzen wächst ständig, wir haben auch vor, das Haus in Traiskirchen auszubauen“, sagt Schwarz.

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