3.000 Jahre alter Goldschatz in Ebreichsdorf entdeckt

Im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der Pottendorfer Linie von Wien-Meidling bis Wiener Neustadt sind in Ebreichsdorf im Bezirk Baden umfangreiche archäologische Funde freigelegt worden, die mit etwa 1.000 vor Christi Geburt datiert werden.

Aktualisiert am 30. September 2021 | 16:16

Als Highlight gilt ein vor rund 3.000 Jahren verborgener Goldschatz. Dieser wurde aufgrund der "europaweiten Bedeutung" durch das Bundesdenkmalamt unter Schutz gestellt, teilten die ÖBB am Donnerstag im Festzelt bei der ÖBB-Infobox in Ebreichsdorf mit, wo die archäologischen Funde an der Pottendorfer Linie erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Christoph Bazil, der Präsident des Bundesdenkmalamts, bezeichnete dabei die Entdeckung des Goldschatzes als "spektakulär". Die archäologischen Grabungen in Ebreichsdorf gingen dadurch "in die Geschichte ein". Konkret gefunden wurden eine Goldschale, Goldspiralen und Reste eines golddurchwirkten Textils.

Grabungen im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben 

Bei den seit 2019 durch den archäologischen Dienstleister Novetus GmbH laufenden Grabungen wurde auch eine Siedlung aus der späten Bronzezeit (1.300 bis 800 v. Chr.) beinahe in ihrer gesamten Ausdehnung freigelegt. In Summe wurde eine Fläche von 70.000 Quadratmetern untersucht, 5.000 Fundnummern wurden vergeben. Die Entdeckungen - unter anderem Reste von Wohn-, Arbeits- und Speicherbauten - geben Einblicke in die Lebensbedingungen und die damaligen Wohnverhältnisse. Geplant ist, die Funde nach Abschluss der wissenschaftlichen Arbeiten im Naturhistorischen Museum in Wien der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Franz Bauer, Vorstandsdirektor der ÖBB-Infrastruktur AG, hielt bei der Präsentation fest, dass archäologische Grabungsarbeiten im Rahmen "eines solchen Großprojekts" nicht zuletzt auch als Teil der Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben sind. "Neues zu bauen und Altes zu bewahren ist eine unserer Prämissen bei der Umsetzung von Bauprojekten", sagte er.

Carmen Jeitler-Cincelli, ÖVP-Abgeordnete zum Nationalrat und Badener Wirtschaftsstadträtin outete sich als großer Bahn-Fan und betonte die Bedeutung des Schienen-Ausbaus, "um noch mehr Menschen zum Zug zu bringen und um einen schnellen Transport von Wirtschaftsgütern zu ermöglichen." Projekte wie dieses hätten neben dem Klimaschutz vielerlei Vorteile – "und wenn dabei auch noch ein Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Vergangenheit einer Stadt geleistet werden kann, dann kann man hier nur zu einem gelungenen Gesamtprojekt gratulieren“, würdigte Jeitler-Cincelli.

„Dass der Ausbau der Pottendorfer Linie eine Reihe an Verbesserungen für Ebreichsdorf bringt, haben wir gewusst. Dass die Arbeiten hier aber derart bemerkenswerte Entdeckungen ans Tageslicht fördern, war nicht zu erwarten, freut uns als Stadtgemeinde aber umso mehr. Wir sind natürlich sehr daran interessiert, zu erfahren, wie jene Menschen, die dieses Gebiet vor tausenden Jahren besiedelt haben, gelebt haben”, freute sich auch Ebreichsdorfs SPÖ-Bürgermeister Wolfgang Kocevar.

Für die ÖBB stellt der Ausbau der rund 50 Kilometer langen Pottendorfer Linie "eine wichtige Maßnahme zur Kapazitätserweiterung auf der Südstrecke dar". Bis Ende 2023 ist laut Plan die durchgehende Zweigleisigkeit hergestellt.