Corona im Bezirk Baden: „Gibt keinen Grund zur Panik“. Die Exekutive im Bezirk trägt ebenso wie die Freiwilligen Feuerwehren zur Deeskalation der Situation bei.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 16. März 2020 (09:27)
Beobachten auch die Situation in der Betreuungsstelle Ost genau: Traiskirchens Chefinspektor Kurt Wagner und Bezirkspolizeikommandant Hannes Jantschy.
Jandrinitsch

Wo die Behörden Maßnahmen setzten, hätten sich Betroffene sehr verantwortungsbewusst und kooperativ verhalten, betonte Bezirkshauptfrau Verena Sonnleitner.

„Gemeinsam werden wir diese Herausforderung meistern. Wir sollten uns gegenseitig das Vertrauen schenken, dass wir alle zusammen den bestmöglichen Beitrag zur Minimierung der Übertragung des Virus gewährleisten“, erklärte Sonnleitner.

„Das ist eigentlich ein Wunder und zeigt, dass der Bezirk bis jetzt großes Glück gehabt hat.“Bezirkspolizeikommandant Hannes Jantschy zur Statistik bis Sonntag

Bis zum Redaktionsschluss gab es zwei bestätigte Corona-Fälle im Bezirk, eine Ärztin und eine Spitalsmitarbeiterin wurden positiv auf das Virus getestet, wir hatten berichtet:

Dabei sah es Freitag zu Mittag noch so aus, als würde der Bezirk vom Virus verschont bleiben.

Bezirkspolizeikommandant Hannes Jantschy erklärte dazu: „Das ist eigentlich ein Wunder und zeigt, dass der Bezirk bis jetzt großes Glück gehabt hat. Immerhin haben wir einige Hot-Spots hier lokalisiert, wo es nicht sehr angenehm wäre, wenn jemand am Coronavirus erkrankt.“

Mit Hot-Spots gemeint sind Einrichtungen wie Strafanstalten, Verkehrsknotenpunkte wie Bahnhof und Badner Bahn oder die Betreuungsstelle Ost in Traiskirchen. Warum es dort besonders unangenehm sein würde, falls ein Fall auftritt, erklärt Jantschy so: „Die Menschen in der Betreuungsstelle verstehen unsere Sprache nicht, alle Maßnahmen zu erklären und kommunizieren kann unter Umständen mühsam werden.“ Grund zur Panik bestehe jedenfalls keine.

Jeder Neuankömmling wird durchgecheckt

Der Bezirkspolizeikommandant betont: „Jeder, der in der Betreuungsstelle ankommt, wird einer medizinischen Untersuchung unterzogen, jetzt natürlich mit Schwerpunkt auf das Coronavirus. Es gäbe die Möglichkeit, im Fall des Falles die Betroffenen separiert in eigenen Objekten unterzubringen, bei jedem Neuzugang wird darauf besonders geachtet, woher der Mann oder die Frau stammt, welche Route gewählt wurde, durch welche Länder er oder sie gereist ist. Auf all das wird speziell geachtet.“

Noch könnten sich die Insassen aber frei bewegen. Dass alle Vorsichtsmaßnahmen in der Betreuungsstelle Ost eingehalten werden, erklärt auf NÖN-Nachfrage auch ein Sprecher des Innenministeriums. „Bei den medizinischen Checks wird besonders auf eine mögliche Corona-Infektion geachtet“, hält Oberst Markus Haindl fest.

Auch im Einkaufsverhalten zeichnete sich ab Freitagnachmittag ab, dass die Corona-Krise auch im Bezirk Baden angekommen ist. Die Parkplätze der großen Supermarktketten waren alle voll, auch im Marktinneren ging es zu „wie vor Weihnachten“, wie es ein Kunde in Baden bezeichnete. Obwohl der Ansturm auf die Geschäfte groß war, lief alles diszipliniert ab.

Das bestätigte auch Hannes Jantschy. „Die Menschen haben zwar eingekauft, als gäbe es kein Morgen, es hat aber noch keine Zwischenfälle gegeben. Unsere Polizeistreifen schauen regelmäßig bei den Lebensmittelgeschäften vorbei. Ich war selbst am Donnerstagabend einkaufen und bin davon überzeugt, dass die Versorgung sichergestellt ist“, betont der Bezirkspolizeikommandant.

Erhöhte Aufmerksamkeit vonseiten der Polizei werde es aber auch dann bei Supermärkten geben, wenn in den frühen Morgenstunden die Lebensmittel angeliefert werden. Auch Polizisten in Zivil würden jetzt verstärkt darauf achten, „dass aus den Geschäften keine Hygieneartikel gestohlen werden“. Doch Jantschy verspricht auch: „Wir hören auch angesichts der aktuellen Ereignisse nicht auf mit der Geschwindigkeitsmessung und der Parkraumüberwachung.“

Bezirksfeuerwehrkommandant Anton Kerschbaumer.
privat

Nicht in Panik zu verfallen, das ist auch die Botschaft von Bezirksfeuerwehrkommandant Anton Kerschbaumer. Er stehe im permanenten Austausch mit der Landeszentrale der Feuerwehr und den Verantwortlichen des Sanitätsstabes.

Kerschbaumer ist überzeugt: „Es sind alle Sicherheitsmaßnahmen, die im Moment möglich sind, hochgefahren. Jetzt muss man schauen, ob diese auch greifen und wenn nicht, muss man sie entsprechend anpassen.“

Feuerwehr weiß, was sie in Krisensituation tut

Er habe erst mit den sechs Abschnittsfeuerwehrkommandanten des Bezirks eine Besprechung gehabt, bei der er die Anordnungen des Landeskommandos und des Landessanitätsstabes weitergegeben hat. „Wenn es einen bestätigten Corona-Fall oder einen Verdachtsfall in einer Gemeinde gibt, dann wird die jeweilige Freiwillige Feuerwehr darüber informiert. Sollte es bei der betroffenen Person zu einem Einsatz welcher Art auch immer kommen, dann wissen die Feuerwehrleute, wie sie mit dieser Situation richtig umgehen“, erklärt Kerschbaumer.

Sein Appell lautet: „Es gibt keinen Grund zur Panik. Das ist auch meine persönliche Meinung. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren sind es gewohnt, fachlich richtig mit Krisensituationen umzugehen. Wir haben es nicht mit einem Weltkrieg zu tun, wo morgen alle sterben könnten, es sind auch nicht die Luft oder das Wasser verseucht. Wir haben es mit einer Pandemie zu tun, die wir in den Griff bekommen werden.“

Er selbst gehe „mittlerweile mit dem Handy“ schlafen und kommuniziere laufend mit Rotem Kreuz, Samariterbund und der Polizei.