Sofia - Rückführung nach Italien ausgesetzt

Erstellt am 15. August 2013 | 10:19
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sofia
Foto: NOEN, DIETMAR HOLZINGER
Im grenzüberschreitenden Sorgerechtsstreit um die kleine Sofia ist eine für das Mädchen und seine Mutter positive Entscheidung gefallen.
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Das aufgrund des Wohnortes zuständige Bezirksgericht Wiener Neustadt habe am Mittwoch die Rückführung der Sechsjährigen zu ihrem Vater nach Italien ausgesetzt. Zudem werde die Obsorge-Entscheidung im zuständigen Gericht in Venedig neu geprüft.

Die Rechtsanwältin der Frau, Astrid Wagner, hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um zu erreichen, dass das Kind, das seinen Vater seit vier Jahren nicht gesehen hat und nicht italienisch spricht, bei seiner Mutter, dem Stiefvater und kleinen Bruder in Österreich bleiben darf.

Am 24. Juli stand die Polizei vor der Tür

"Wir sind sehr froh über die Lösung. Das war auch der Weg, den unsere Experten vorgezeichnet haben", zitierte die Tageszeitung Sven Pöllauer, Sprecher von Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP). Solange die Eingabe nun in Italien geprüft werde, werde das Kind nicht zum Vater gebracht. Das österreichische Gericht warte nun erst einmal die Entscheidung der italienischen Amtskollegen ab.

Das Sorgerecht war in allen Instanzen, auch auf europäischer Ebene, dem Vater zuerkannt worden. Am 24. Juli hätte Sofia von zu Hause abgeholt werden sollen, um zu dem Italiener gebracht zu werden. Der gerichtliche Vollzug war jedoch nicht möglich, weil Mutter und Tochter untergetaucht waren.

Am 7. August fand am Ballhausplatz in Wien eine Demonstration gegen die "Abschiebung" des Mädchens, das im September in die Schule kommt, statt.

Antrag auf Neu-Überprüfung des Falles

Die Mutter hatte beim Jugendgericht Venedig einen Antrag gestellt, dass der Fall neu zu prüfen sei, da sich die Faktenlage seit 2009 geändert habe. Sofia hat ihren Vater seit vier Jahren nicht gesehen, spricht kein Italienisch und würde aus seiner Familie - es gibt auch einen zweijährigen Bruder - herausgerissen werden, was laut einem kinderpsychologischen Gutachten zu einer schweren Traumatisierung führen würde.

Vorläufig ausgesetzt wurde nun "der Vollzug der Übergabe, weil in Kürze nicht zu recherchieren war, wie das italienische Prozessrecht mit dem Antrag umgeht", sagte Barwitzius, Sprecher des Landesgerichts Wiener Neustadt.

Mutter: Sofia war "sehr tapfer"

Sofia sei den Sommer hindurch "sehr tapfer" gewesen, meinte ihre Mutter. Sie habe ihrer Tochter "immer die Sicherheit gegeben, dass wir das schaffen". Sie selbst war in den vergangenen Wochen emotional "zerstört".

Auch finanzielle Sorgen seien da, die Frau sprach von rund 100.000 Euro Anwaltskosten seit dem Gang durch sämtliche Gerichtshöfe, bei dem letztlich vom OGH entschieden worden ist, dass das Kind dem Vater zu übergeben sei. Der Vater war am Freitag vorerst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Sofias Mutter will nun auch den Kindesvater persönlich kontaktieren, um eine Lösung in dem jahrelangen Streit "hinzukriegen": "Ich glaube nicht, dass er seinem Kind das antun möchte", erklärte die Frau, die den Mann verlassen hatte, weshalb die Obsorge in Italien dem Expartner zugesprochen wurde.

2008 nach Österreich zurückkehrt hat Sofia ihren Vater seit vier Jahren nicht gesehen, für die Kleine, die im September in die Volksschule kommt, ist der Stiefvater der "Papa". Astrid Wagner meinte, sie sei mit dem Anwalt des Italieners in gutem Einvernehmen. Obwohl auch der Kindesvater noch darauf poche, dass die Tochter zu ihm solle, so hoffe sie, dass dieser auch die Strafanzeige gegen ihre Mandantin nach dem gescheiterten Rückholversuch im Juli zurückziehen werde.

Angesichts ihrer eigenen Erfahrungen und mit dem dadurch angesammelten juristischen Wissen trägt sich Sofias Mutter mit dem Gedanken, einen Verein zu gründen. Dieser sollte Anlaufstelle für Eltern beiderlei Geschlechts sein, die sich in ähnlichen Situationen befinden, meinte sie.

Das Problem in der Pflegschaftssache war die - vom OGH und europäischen Gerichtshöfen bestätigte - Zuständigkeit Italiens, verbunden mit der Langsamkeit der italienischen Justiz, erläuterte Astrid Wagner. "Gott sei Dank" habe sich ihre Rechtsmeinung durchgesetzt, wonach es für eine Entscheidung in Österreich ausreiche, in Italien Anträge einzubringen. Auch das Justizministerium sehe das so. In der kommenden Woche soll es in der Causa ein Gespräch im Justizministerium geben.

Nach ihrem Antrag auf Änderung der Obsorge zugunsten der Mutter lässt sich das italienische Verfahren nicht beschleunigen, meinte die Anwältin. Sie habe aber Vertrauen in die italienische Justiz. Sollte gegen ihre Mandantin entschieden werden, kündigte sie an, beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen Italien vorgehen zu wollen.
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