Rettungswagen für Bihać kommt aus Traiskirchen

Bürgermeister Andreas Babler macht sich selbst ein Bild in der bosnischen Stadt, die zum „Moria des Festlandes“ wurde.

Erstellt am 14. Januar 2022 | 05:32
Lesezeit: 2 Min
440_0008_8264731_bad02jj_babler_in_bihac.jpg
Bei der Übergabe des Rettungsfahrzeuges für die Stadt Bihać zeigten Bürgermeister Andreas Babler, der Grazer Gemeinderat Horst Alic und die Aktivisten von SOS Balkanroute das Transparent: „Schau ned weg“.
Foto: Hasan Ulukisa (SOS Balkanroute)

Nur ein paar Stunden und 515 Kilometer von Österreich entfernt, liegt im äußersten Nordwesten von Bosnien am Fluss Una die Stadt Bihać . Nicht weit davon befindet sich die kroatische Grenze, über die Flüchtlinge versuchen, in die EU zu gelangen. Das scheitert meist an den brutalen „Push-Backs“ der kroatischen Grenzpolizei.

Die Gescheiterten sammeln sich in Lagern wie in Vucjak, irgendwo hinter der Stadt und warten weiter auf die Chance, wenn es sein muss auch ohne Schuhe und adäquate Kleidung, nach Mitteleuropa zu kommen. Seine Solidarität mit diesen Menschen zeigt jetzt Traiskirchens Bürgermeister Andreas Babler, SPÖ, der eigenhändig einen Rettungswagen des Samariterbundes Traiskirchen/Trumau nach Bihać fuhr und sich dort auch mit Bürgermeister Šuhret Fazlić traf.

Nur ein Rettungswagen für 56.000 Einwohner

Babler betont: „Die Stadt hat für 56.000 Einwohnerinnen und Einwohner gerade mal einen einzigen Rettungswagen. Gleichzeitig kommen viele Leute geschlagen und verletzt von der kroatischen Grenzpolizei, wovon es ja mittlerweile unzählige Berichte und auch konkrete Videobeweise gibt. Das kann es doch nicht sein.“ Für ihn hat die Europäische Union diese Situation mit der sogenannten „Balkanroutenschließung“ produziert.

„Der Bürgermeister der Stadt, die eine von der EU produzierte Krise auf ihren Schultern trägt, fühlt sich alleingelassen und der Staat Bosnien-Herzegowina ist in einer Krise. Es ist eine Schande, dass man durch illegale Push-Backs aus Kroatien diese Menschen immer wieder in den Krisenstaat Bosnien-Herzegowina abschiebt“, sagt Babler. Mit Babler in Bihać war der Grazer Gemeinderat Horst Alic, KPÖ.

„Das Einzige, was hier vor Ort klar sichtbar ist, ist die Hilfe der österreichischen Zivilgesellschaft und all das, was die Initiative SOS Balkanroute hier aufgebaut hat. Wir wollen, darauf aufbauend, auch als Stadt Graz unseren Beitrag leisten. Wir dürfen weder die Menschen, noch die bosnische Gesellschaft mit dieser Situation alleine lassen“, sagt Alic.

Bürgermeister werden aktiv und helfen

Die Initiative der humanitären Städtepartnerschaften, die mit der NGO SOS Balkanroute an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister herangetreten ist, soll in Zukunft noch mehrere österreichische Gemeinden erfassen. Positiv reagiert hat darauf laut Petar Rosandić, Obmann von SOS Balkanroute, bereits Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi. Er will im Frühjahr nach Bihać kommen. Das bestätigt auch Babler: „Willi hat mir seine Unterstützung schon im vorigen Jahr zugesichert.“ Die Gründe für Babler zu helfen, sind für ihn in den Erfahrungen der Stadt Traiskirchen in der Flüchtlingskrise 2015 begründet.

„Man darf nicht wegschauen“

Auch damals hätten offizielle Stellen lieber weggeschaut als zu helfen. Das lag in den Händen der Stadt und der Zivilgesellschaft. Was sind für ihn jetzt die wichtigsten Erfahrungen aus Bosnien? „Man darf nicht wegschauen“, sagt Babler, der 22 Stunden Non-Stop unterwegs war und am Montagvormittag schon wieder bei einer Besprechung des Corona-Krisenstabes in Traiskirchen saß.

„Man darf nicht auf die Schwächsten vergessen, viele Gemeinden wollen auf direkter Ebene helfen, auch die Bürgermeister. Es ist wichtig, konkrete Hilfe anzubieten, von der Flüchtende als auch die Städte profitieren, so wie von einem Rettungswagen. Es ist Wahnsinn, wenn man sich vorstellt, dass eine Stadt mit 56.000 Einwohner nur einen einzigen Rettungswagen hat.“