Schloss Seibersdorf: Aus Schloss wird Treffpunkt

Erstellt am 07. Mai 2022 | 05:21
Lesezeit: 4 Min
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Bernd Lanner freut sich über die originalgetreue Sanierung von Schloss Seibersdorf.
 
Foto: JJ
Große Pläne für Schloss Seibersdorf hat Besitzer & Unternehmer Bernd Lanner.
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Friedlich grasen die Zackelschafe und Ziegen im ehemaligen Wassergraben rund um Schloss Seibersdorf. Die Schafe gehören zu einer alten Hausschafrasse, die typisch für den Osten Österreichs gewesen ist. Denn was viele nicht mehr bedenken: Die Grenze zu Ungarn war mit dem Leitha-Fluss sehr nahe.

Deutsch-Brodersdorf befand sich jahrhundertelang noch auf österreichischem Staatsgebiet, Leithaprodersdorf war bereits in Ungarn. In dieser geopolitisch strategisch wichtigen Lage war Schloss Seibersdorf ein Zufluchtsort, wenn Gefahr drohte – sei es von Osmanen, Kuruzzen oder anderen Heerscharen. Sich dieser historischen Tatsachen bewusst, ist sich der neue Besitzer von Schloss Seibersdorf, Bernd Lanner. Der Unternehmer, der sich auf Kunst- und Kulturveranstaltungen spezialisiert hat, war ehemals Profimusiker und wirkte bei den Wiener Philharmonikern, dem Wiener Staatsopernorchester, dem ORF-Radiosymphonieorchester und vielen Klangkörpern mehr.

Nach dem Erwerb des Schlosses inklusive der dazugehörigen Vertragsabwicklungen vor fünf Jahren widmet er sich jetzt der Generalsanierung des Gebäudes. Schritt für Schritt soll die originale Schönheit des Gebäudes wieder zum Vorschein kommen, damit das Schloss jener Ort der Geselligkeit werden kann, den sich Lanner vorstellt. Er weist auf die beiden Obelisken auf der Schlossmauer, auf denen jeweils eine Kanonenkugel ruht, die aus den Türkenkriegen stammen. Ganz oben auf dem Schlossturm kündet ein Morgenstern von der kriegerischen Vergangenheit.
Die Zukunft allerdings soll friedlich werden, das Schloss ein Treffpunkt, an dem sich Gourmets und Genießer genauso wohl fühlen, wie Menschen, die zu Konzerten oder Ausstellungen kommen.

Der Schlossherr betont: „Gerade in Zeiten wie diesen, ist es, wie ich meine, essenziell, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen einander näherkommen, wo Gräben geschlossen und nicht geöffnet werden. Es gibt sehr viele Ideen, die wir hier verwirklichen wollen, der Bezug zur Region muss allerdings genauso passen wie die Qualität.“

Denkmalamt begleitet die Sanierung

Letztere spielt auch bei der Sanierung des Gebäudes eine entscheidende Rolle. Die Fassade ist schon eingerüstet und an ihr wird eifrig gearbeitet. Im Gebäudeinneren ist man in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt damit beschäftigt, „die Räume zu befunden. Das heißt, es wird vorsichtig jene Schicht abgetragen, die etwa in den 1970er Jahren zwecks Schlossrenovierung aufgebracht wurde. Damals wurden Materialien verwendet, die der Gebäudesubstanz eher geschadet als genutzt haben“, erzählt Lanner. Dabei trat auch schon so manche Überraschung zutage. Bei den beiden Wächterhäuschen am Schlosseingang etwa Schießscharten, die später zugemauert wurden. Oder Fresken im Gebäudeinneren in Räumen, wo man sie nicht vermutet hätte.

„Wir arbeiten sehr gut mit dem Bundesdenkmalamt zusammen. Dieses ist sehr angetan von unseren Bemühungen, alles wieder in den Originalzustand zu versetzen und den Baumaterialien, die wir verwenden“
Bernhard Lanner

„Wir arbeiten sehr gut mit dem Bundesdenkmalamt zusammen. Dieses ist sehr angetan von unseren Bemühungen, alles wieder in den Originalzustand zu versetzen und den Baumaterialien, die wir verwenden“, sagt Lanner. Dafür hat er Spezialfirmen engagiert, die noch Gewerke beherrschen, die heute fast ausgestorben sind. Die Lage von Schloss Seibersdorf hält Lanner für ideal, um es von allen Himmelsrichtungen rasch zu erreichen. Auch eine Kooperation mit anderen Schlössern entlang der Leitha ist denkbar.

Schloss Seibersdorf bietet für eine Vielzahl an Veranstaltungen das richtige Ambiente. Auch der Platz hinter dem Schloss bietet im Grünen Raum für Veranstaltungen, etwa für Freiluft-Kinoaufführungen. „Bei Bud Spencer Filmen natürlich mit entsprechender kulinarischer Begleitung mit Bohnen und Speck“, schmunzelt der Schlossherr, der immer noch ein Fan des schlagkräftigen Duos Bud Spencer & Terence Hill ist.

Ganz besonders am Herzen liegen Lanner regionale Produzenten aus der Region, die den Geschmack so ins Glas oder in die Wursthaut bringen, wie es sich der Schlossherr vorstellt. Sie sollen hier einen besonderen Platz bekommen, denn „es ist mir wichtig, die Authentizität und die Ursprünglichkeit der Region zu vermitteln“.

Dazu gehört eben auch ein Streichelzoo. Der Anfang dazu ist mit den Zackelschafen und Ziegen im Wassergraben auf jeden Fall schon gemacht.

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