Weinbau-Ort als Tabak-Hochburg. Neben dem altbekannten Weinbau setzt man hier seit neuestem – ganz gegen den Trend – auch auf den rauchenden Genuss.

Von Thomas Lenger. Erstellt am 19. November 2019 (04:37)
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Reinhard Leitner freut sich über eine erfolgreiche Tabakernte in Tattendorf. „Das Rauchverbot macht mir keine Angst, denn es wurde immer schon geraucht.“
privat

Dass hier der Wein besonderes gut gedeiht, ist längst kein Geheimnis mehr. Dass in Tattendorf aber auch Tabak ausgezeichnete Erträge bringt, ist eher neu.

„Wir bauen auf zwei Feldern auf einem zehntel Hektar seit einigen Jahren Tabak an“, sagt Reinhard Leitner, Geschäftsführer der „Tschickmanufaktur Koch&Gsell“. „Die Pflanzen erreichen in der Regel eine Höhe von gut einem Meter mit verwertbaren Blättern. Heuer wuchsen die Pflanzen aber zwei Meter hoch und bringen doppelt so viele verwertbare Blätter.“ Verantwortlich dafür dürfte der durchlässige Schotterboden im Steinfeld sein.

„Tattendorf ist jetzt nicht nur das kleine Dorf der großen Weine, sondern auch der großen Tabakpflanzen. Und das alles Bio, ohne Chemie“, freut sich auch Tabakexpertin Manuela Matias, die Leitner von der Aussaat bis zur Ernte beratend zur Seite steht.

„Wir bauen auf zwei Feldern auf einem zehntel Hektar seit einigen Jahren Tabak an“

Matias ist nicht nur Gemeinderätin der unabhängigen Liste Tattendorf (UHL), sondern war die erste Frau, die in der Männerdomäne des Tabakankaufes weltweit erfolgreich war.

Vor mittlerweile vier Jahren rief der Oberösterreicher Reinhard Leitner den heimischen Tabakanbau wieder ins Leben: „Es steckt sehr viel Handarbeit dahinter, denn jedes Blatt muss einzeln per Hand gefädelt werden und muss sechs Monate lang trocknen, bis es zur Bio-Rauchware wird.“

Bisher wurde der Tattendorfer Tabak, gemeinsam mit anderem Bio-Tabak, aus dem Ausland zu „Tschick Rot“ und „Blau“ verarbeitet. Jetzt sollen dank der guten Ernte mit „Schwarz“ und „Weiß“ noch zwei weitere Sorten auf den Markt kommen.

„Wir setzen mit jährlich rund vier Millionen Zigaretten rund eine Million Euro um“, sagt der Geschäftsführer, der sich auch vor einem erweiterten generellen Rauchverbot nicht fürchtet. „Es wurde schon seit jeher geraucht und so wird es auch weiterhin sein“, sieht Leitner die Zukunft des Tabak-Anbaus in Tattendorf positiv.