Theaterwerkstätten: Hummer statt Reifen

Erstellt am 22. Juni 2015 | 07:23
Lesezeit: 3 Min
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Theater Werkstatt Baden
Foto: NOEN, Sandra Sagmeister
Die Theaterwerkstätten der Bühne Baden haben ihr neues Quartier in einer ehemaligen Semperit-Halle bezogen.
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Wenn man sich von 1.600 auf 25.000 Quadratmeter vergrößert, handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Wohnungsumzug.

Männer und Frauen, die zu- und anpacken

Übersiedelt ist nämlich mit Sack und Pack aus der ehemaligen Schwarzott-Tischlerei die Bühnenwerkstatt der Bühne Baden. Gesiedelt wurde schon im Vorjahr, aber erst jetzt ist alles fertig und herzeigbar. Quartier wurde in einer ehemaligen Produktionshalle der Semperit in Traiskirchen bezogen.

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Pierre Pfeffer nähte alle Hussen der Sitze für die Sommerarena neu. Das war ein bisschen stressig, weil vorigen Freitag war ja die erste Premiere der heurigen Sommersaison, und da mussten Hunderte Sesselbezüge fertig sein. Foto: Sandra Sagmeister
Foto: NOEN, Sandra Sagmeister



Die Halle war eine der letzten Produktionsstätten, wo bis zum Schluss produziert wurde. Ausgesehen habe es wie nach einem Krieg, Fenster eingeschlagen, das Wasser stand, alles war verdreckt, die Tauben haben ihr übriges an Verschmutzung getan.

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Endlich kann alles liegen bleiben: Bühnenbilder in der Malerei.
Foto: NOEN, Sandra Sagmeister

Aber den Männern und Frauen von der Theaterwerkstatt ist eines gemein: Sie können zu- und anpacken, und weil sie handwerklich ja mehr als geschickt sind, legten sie selbst Hand an, malten aus, legten Böden, schrubbten Wände sauber, bauten meterhohe Regale für die unzähligen Requisiten, die herangeschafft wurden.

Da stehen sie nun, in Reih und Glied, kopflose Steingötter aus Orpheus in der Unterwelt, Kinder-Betten aus dem Musical Annie, Säulen aus Paganini oder der Mann von la Mancha.

Gestapelt sind auch viele bunte Heurigensessel und Stilmöbel gibt es in Hülle und Fülle und warten, dass sie wieder einmal auf die Bühne dürfen. Aber meistens kommen die Regisseure und wollen völlig neue Kulissen und Requisiten.

„Einen Paravent kann man immer gebrauchen“

Einzig der Paravent hat ein gnädiges Schicksal und darf immer wieder als belangloses Dekostück auf die Bühne, „einen Paravent kann man immer brauchen“, weiß Werkstätten-Leiter Christoph Lerchmüller.
Momentan wird intensiv an der Produktion für „Hairspray“ gemalt, getischlert und geschlossert.

Da liegen in der Malerei die Zeichnungen von überdimensionalen Haarspray-Dosen, die sich auf der Bühne öffnen, dann ein bewegliches Eisengestellt, das einen Hummer darstellt – alles aufwendige Konstruktionen, höchstens für ein paar Produktionen, dann kommen die Hummer und Dosen zu den kopflosen Figurinen ins Magazin.

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High-Tech-Gerätschaft in der neuen Tischlerei.
Foto: NOEN, Sandra Sagmeister



In der Schlosserei schaut es aus, wie in einer echten Schlosserei. Mit hochmoderner Gerätschaft werden die Konstruktionen für die Bühnenbilder geschmiedet, Absaugschläuche und meterlange tonnenschwere Stahlträger prägen das Bild; auch in der Tischlerei schaut es nach High-Tech aus, Hobelspäne sucht man hier vergeblich.

Einzig in der Tapezierei geht es ein bisschen kuscheliger zu: Pierre Pfeffer sitzt an einer Nähmaschine und er näht eine von Tausend Hussen für die Sitzplätze in der Sommerarena. Am Dach der Theaterwerkstätten sorgt angeblich Österreichs größter Votovoltaik-Anlage für Strom.

Die neun Mitarbeiter der vier Abteilungen Tischlerei, Malerei, Schlosserei und Tapeziererei, können ihr Glück kaum fassen, „wir können endlich alles aufstellen, und müssen nicht ständig immer alles wegräumen“, freucht sich Lerchenmüller über ein völlig neues Arbeiten.

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Das ist Rene Rumpold's Maske für seine Rolle in Hairspray.
Foto: NOEN, Sandra Sagmeister

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