Todesurteil gefunden

Erstellt am 26. August 2013 | 00:00
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Foto: NOEN, DIETMAR HOLZINGER
Anton Sartory / Das Todesurteil des Triestingtaler Volkshelden aus dem Franzosenkrieg wurde nun vom Heimatforscher Johann Marschall entdeckt.
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Von Elfi Holzinger

BERNDORF/ST. VEIT / Spielten anderenorts die Kinder früher „Räuber und Gendarm“, war das Lieblingsspiel so mancher St. Veiter „Sartory gegen Napoleon“.

Hintergrund: der so genannte „Andreas Hofer von St. Veit“ - Anton Sartory, opferte sich für die Triestingtaler und wurde von den Franzosen am 22. November 1805 erschossen. Das Todesurteil von damals stöberte nun der Heimatforscher Josef Marschall nach jahrelangen Recherchen im Denkbuch der St.Veiter Pfarre auf.

Während des Franzosenkrieges kam es 1805 zu einem verhängnisvollen Eklat mit einem französischen Offizier und seinen Soldaten, die in Pottenstein stationiert waren und die durch exzessive Plünderungen auffielen. Beim Abzug aus Pottenstein konnten sie vom damaligen Pfarrer, Abt Michael Vogl, noch im letzten Augenblick daran gehindert werden, auf die Pottensteiner zu feuern. Durch vorausgesandte Boten wurde die Ortschaft St.Veit gewarnt und Sartorys Bruder Aloys entwaffnete die Franzosen mithilfe seiner Arbeiter im Hammerwerk. Der solcherart brüskierte Offizier war ein Verwandter Napoleons und er ließ sich diesen Affront nicht gefallen. Am nächsten Tag stand der Offizier mit 200 Mann im Triestingtal und forderte von Weissenbach bis Leobersdorf die zehn vornehmsten Bürger, um über sie Gericht zu halten.

Anton Sartory meldete sich freiwillig 

Es wurde ein Exempel statuiert und Freiwillige mussten sich zur Erschießung melden. Dies waren der Pottensteiner Pfarrer Michael Vogl und eben Anton Sartory. Der Pfarrer konnte sich allerdings besser verteidigen und nur Anton Sartory wurde zum Tode verurteilt. Genau 375 Meter vom Hirtenberger Friedhof entfernt wurde er letztendlich am 22. November 1805 erschossen.

Johann Marschall beschäftigt sich seit 2008 intensiv mit der Geschichte des St. Veiter „Sartory Clans“, um ein Buch darüber zu schreiben.

Kein einfaches Unterfangen, gibt es doch kaum Hinweise im Internet. Also ist mühevolles Stöbern im Staatsarchiv Wien und im Landesarchiv in St.Pölten gefragt. Akribisch genau archiviert stapeln sich die Unterlagen im Hause Marschall. Der ehemalige Heizungstechniker feierte heuer seinen 70. Geburtstag. Marschall widmet seine Freizeit nicht nur der Friedhofsforschung und den Führungen im Berndorfer Stadttheater sondern auch der Geschichte seines Heimatortes.

Das geplante Buch über „Die Sartorys in St.Veit“ wird voraussichtlich nächstes Jahr im Kral Verlag erscheinen.

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