Baden dient als Best Practice-Beispiel

Erstellt am 05. November 2019 | 04:06
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Das Buschaos vor dem Kurzentrum soll bald der Vergangenheit angehören.
Foto: Jandrinitsch
Wie sich Baden im Schatten von Wien als Tourismusziel etablieren kann und warum sich der Kurbegriff immer wandelt, erläutert Klaus Lorenz.
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Eine hochrangige Studiengruppe aus der Präfektur Kyoto in Japan besuchte Mitte Oktober die Kurstadt Baden. Unter der Leitung von Universitätsprofessor Kozo Aoyama studieren führende Tourismusverantwortliche und administrative Manager aus Kyoto Best Practice-Beispiele für Kleinstädte in den Bereichen Tourismus und Nachhaltigkeit in Deutschland und Österreich.

Im Falle von Baden ging es vor allem darum, wie sich eine Kleinstadt touristisch im Umfeld einer großen Metropole erfolgreich behaupten kann. Denn Wien ist nicht weit, und Tourismusdirektor Klaus Lorenz weiß: „Die großen Hotelketten haben in den letzten Jahren alle nur Häuser in der Bundeshauptstadt eröffnet. Das hatte natürlich auch Konsequenzen für den Tourismus in Baden.“

Problematisch ist es, wenn Gruppen in ein, zwei Stunden durch die Stadt gelotst werden und wieder verschwinden“, Klaus Lorenz, Tourismusdirektor in Baden

Doch für Lorenz war rasch klar, in welche Richtung es gehen müsse: „Wir müssen uns im oberen Segment positionieren und wir müssen unbedingt Qualität anbieten.“ Ein erklärtes Ziel sei es jedenfalls, weg vom Image einer verstaubten Kurstadt zu kommen.

„Kurorte waren im 19. Jahrhundert Orte, in denen das Leben pulsierte. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg etablierte sich die Kur als eine Institution, bei der ein dreiwöchiges Programm absolviert werden muss, getragen von der Prämisse, dass dies alles ruhig und unauffällig ablaufen müsse“, weiß Lorenz. Dass dieser Imagewandel bereits gegriffen habe, zeige, dass Baden mit Veranstaltungen überrasche, „die Baden noch vor einigen Jahren niemand zugetraut hätte, wie das Beach-Volleyballturnier oder Baden in weiß“.

Zu den Schlüsselprojekten der Tourismusstrategie Baden.2031 gehören auch die UNESCO Weltkulturerbe Nominierung Great Spas of Europe, das Festival La Gacilly-Baden Photo oder auch die geplanten Regelungen für Reisebusse zur Verhinderung eines touristischen Overkills. „Wenn man gewisse Entwicklungen verhindern will, dann muss man rechtzeitig handeln. Wir haben nichts gegen Tagestouristen, die drei, vier Stunden hier bei uns verbringen, dann ist die Umwegrentabilität sicher gegeben. Problematisch ist es, wenn Gruppen in ein, zwei Stunden durch die Stadt gelotst werden, dann wieder in ihre Busse steigen und wieder verschwinden“, macht Lorenz deutlich.

„Ich glaube nicht, dass das eine Lösung ist, die von den Menschen angenommen wird“

Die Stadt arbeite mit Hochtouren an einem neuen Busparkplatz-Konzept, nicht mehr Halten sollen die Reisebusse vor dem Kurzentrum in der Innenstadt. Von einem Shuttle-Dienst am Stadtrand ins Zentrum hält Lorenz aber nichts: „Ich glaube nicht, dass das eine Lösung ist, die von den Menschen angenommen wird.“ Nach einem entsprechenden Grundstück in Zentrumsnähe werde gesucht.

Auch die Kur selbst müsse neu definiert werden. „Es gibt ja schon Modellregionen, wo die Gesundheitsvorsorge neu praktiziert wird. Auch wir wollen unsere Angebote dahingehend attraktiver machen, das zu den Leistungen der Sozialversicherung noch hochwertige Angebote dazu gekauft werden können. Für Baden geht es ganz klar in Richtung individuelle Gesundheitsvorsorge abseits der Sozialversicherungsträger“.

Dazu brauche es entsprechende Übernachtungsangebote, die Stadt hofft daher, dass das Projekt Sauerhof, konzipiert als fünf Sterne plus Hotelprojekt, bald in die Realität umgesetzt wird. „Das liegt aber nicht in unserer Hand“, betont Lorenz. „Hier sind wir auf private Investoren angewiesen.“

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