Die Viren sind auf Trab. Aufgrund der Herpes-Pandemie steht das Ebreichsdorfer Racino unter Quarantäne. Erster AROC-Renntag findet am Sonntag in der Wiener Krieau statt. Baden-Start erst im Juli.

Von Clemens Kuzminski und Malcolm Zottl. Erstellt am 24. März 2021 (01:23)
Malcolm Zottl

Nicht nur die Probleme aller Sportveranstalter mit der Corona-Situation machen dem Pferdesport Sorgen, sondern auch der unter Pferden grassierende (und häufig tödliche) Herpes-Virus: So ist das Ebreichsdorfer Racino unter Quarantäne. Nach einem Olympia-Qualiturnier für Dressur- und Springreiter muss auch die Saisoneröffnung des Austrian Racehorse Owners Clubs (AROC) am angestammten Platz abgesagt werden.

AROC-Vizepräsidentin Andrea Pinner (und ihr Team) haben gekämpft um den Renntag doch noch durchführen zu können und haben im Trabrennpark Krieau Unterschlupf gefunden. Zum Unterschied von anderen Sport- und Freizeitpferden sind die meisten Traber gegen das Herpes-Virus geimpft. Es wurde auch eine Lösung für die Ebreichsdorfer Trainer getroffen, sie dürfen mit ihren Pferden in der Krieau starten, müssen aber dann mit den Startpferden zwei Woche in Quarantäne (ein Training ist möglich) und müssen diese zweimal testen.

Am Renntag selbst sind in der Krieau neun bis zehn Rennen geplant, davon vier höher dotierte Rennen in Zusammenarbeit mit dem französischen Wettanbieter PMU, das erste um 19.15 Uhr. Als sportliches Highlight sticht ein Rennen über 2.100 Meter „frei für alle“, somit für die besten und gewinnreichsten Traber hervor. Für alle Wetter wurde mit der 7er-Wette (Sieger in sieben aufeinanderfolgenden Rennen müssen erraten werden) ein besonderes „Zuckerl“ geschaffen, das sehr hohen Quoten verspricht. Wetten sind über Internet und die Wettpartner des AROC möglich.

Das Galopperderby als Höhepunkt der Saison

Trotz Verkaufs des Racinos an deutsche Investoren (eine Umbenennung steht im Raum) sind in Ebreichsdorf sechs Renntage (18. April, 9. Mai, 30. Mai, 29. August, 31. Oktober und 6. November) eingeplant. Saisonhöhepunkt wird der 29. August mit dem österreichischen Galopperderby und dem Derby für dreijährige Traber, wobei dies voraussichtlich der einzige Renntag mit Galopprennen sein wird. Vorausgesetzt die Pandemie-Situation entspannt sich bei Pferd und Mensch bis dahin.

In Baden ist das Herpes-Virus hingegen kein großes Thema, wie Gerhard Reichebner, Präsident des Badener Trabrennvereins erzählt: „Alle Pferde, die in Baden sind, müssen geimpft sein, ansonsten kommt das Pferd nicht herein. Da sind wir rigoros.“ Dass sich die Pandemie-Lage bei Mensch und Tier bis Sommer etwas entspannt, darauf hofft Reichebner trotzdem. Der Saisonstart in der Kurstadt ist etwas später als in den vergangenen Jahren. Der Renntermin im Mai entfällt, mit den Pandemien hat das aber nichts zu tun. Der französische Wettanbieter PMU hatte im Sommer genug Termine für die Veranstaltungen in Baden frei. „Wir haben lauter gute Termine im Sommer. Es war ja früher auch so, dass Baden den ersten Renntag erst Ende Juni, Anfang Juli hatte“, erinnert Reichebner. Der Saisonstart am 4. Juli fällt also quasi unter die Kategorie „zurück zur Tradition“.

Traditionell wäre Baden an den zwölf Renntagen auch ein Publikumsmagnet. Doch das war vor Corona. Ob überhaupt Zuschauer auf die Rennbahn dürfen, bleibt abzuwarten. Im Vorjahr wartete der Trabrennverein mit einem ausgeklügelten Präventionskonzept auf. Besucher bei Sportveranstaltungen waren noch verboten, die Gas-tronomie war aber geöffnet. So konnten die Rennen von den vier Gaststätten der Anlage aus verfolgt werden.

Ein ähnliches Konzept könnte auch heuer funktionieren. Geisterrennen hat Reichebner zwar im Hinterkopf, will daran aber noch nicht denken: „Wenn bis in den Sommer keine Veranstaltungen mit einer begrenzen Anzahl an Publikum möglich sind, dann weiß ich nicht, wohin das führen soll“, das heißt zwar nicht, dass Reichebner Geisterrennen kategorisch ausschließen möchte, aber: „Es muss eben auch wirtschaftlich sein. Es kann nicht sein, dass wir das, was wir uns in den letzten sechs Jahren erwirtschaftet haben mit ein paar Geisterrennen wieder verspielen.“ An eine Finanzierung über Internet-Wetten, wie in anderen Ländern, sei in Österreich (noch) nicht möglich. Die erste Verschiebung forderte Corona jedenfalls schon. Die Generalversammlung des Trabrennvereins musste vom Frühjahr in den Herbst verschoben werden.