Ratscher trotzen Corona im Bezirk Baden. Damit die Kinder lautstark den „englischen Gruß“ beten können, bedarf es heuer strenger Sicherheitsmaßnahmen.

Von Red. Baden. Erstellt am 24. März 2021 (04:45)
Die Weissenbacher Ratschen-Kinder mit Pfarrer Josef Failer und ÖVP-Bürgermeister Johann Miedl, anno 2019.
Holzinger.Presse, Holzinger.Presse

 Oftmals ist es während der Corona-Pandemie auffällig leise, wenn man vor die Tür tritt. Der Grund dafür sind unter anderem ausbleibende Feste und Veranstaltungen. Der vorösterliche Brauch des Ratschens, welcher 2015 zum Immateriellen Kulturerbe ernannt wurde, wird jedoch von einigen Pfarren hochgehalten.

Philipp Akimesko, der Organisator der Traiskirchner Ratschen-Aktion, erzählt: „Wir haben uns in der jetzigen Situation, in der wir alle stecken, natürlich ein Konzept überlegen müssen. Der Zwei-Meter-Sicherheitsabstand wird eingehalten, da haben wir das Glück, in Traiskirchen ein sehr großes Kirchenareal zu haben. Die Gruppen dürfen maximal aus 10 Kindern bestehen, alles darüber muss dann aufgeteilt werden.“

Das Lärmmachen steckt, glaube ich, vor allem in den Burschen irgendwie drinnen (...)“ Pater Josef Failer

Am Gründonnerstag sollen sich alle Ratschenkinder einem „Nasenbohrertest“ unterzeihen.

Philipp Akimesko ist mit den Traiskirchner Ratschenkindern unterwegs.
privat, privat

Dabei helfe ein ausgebildeter Sanitäter. Auch die Teststraße Traiskirchen stehe zur Verfügung. Akimesko bleibt als Verantwortlicher nicht nur im Hintergrund, er begleitet die Kinder auch an vorderster Front: „Ich persönlich habe im Alter von acht Jahren begonnen, Ratschen zu gehen. Als alleiniger Gruppenleiter fungiere ich seit vier Jahren, davor waren wir zu zweit, doch der Kollege hatte wegen seines Studiums keine Zeit mehr dafür.“

Auf die Frage, was ihn denn motiviere, die jungen Ratscherinnen und Ratscher zu begleiten und auch selbst zu Ratschen, meint Akimesko.

Emotionale Freude als großer Ansporn

„Es hat mir immer schon Spaß gemacht. Die Kinder ein bisschen aus dem Alltag rausholen und ihnen etwas Abwechslung bieten zu können, ist etwas Schönes und auf jeden Fall ein großer Anreiz für mich.“ Für gewöhnlich sind von der Traiskirchner Pfarre St. Margaretha aus vier bis sechs Ratscher-Gruppen unterwegs. Im heurigen Jahr hoffe man darauf, genügend Ratscher und Ratscherinnen für zumindest vier Gruppen mobilisieren zu können.

 Auch die Pfarre Weissenbach an der Triesting plant, die Ratschen-Aktion wie gewohnt vonstattengehen zu lassen.

Während die Ministrantinnen und Ministranten ihre Ratschen im Vorjahr ob des harten Lockdowns lediglich in ihren Gärten und vor den eigenen Haustüren schwingen konnten, setze man dieses Mal auf ein umfassendes Sicherheitskonzept: „Das Ratschen soll in der gewohnten Form stattfinden, aber natürlich nur unter den gängigen Sicherheitsmaßnahmen. Vor allem das Abstandhalten ist hier wichtig, aber zum Glück besteht ja auch der Vorteil, dass ohnehin nur im Freien geratscht wird“, erklärt der Weissenbacher Pfarrer Josef Failer.

Außerdem sollen sämtliche Kinder – genauso wie in Traiskirchen – auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet werden.

Pater Failer selbst begleite die Kinder nicht bei deren Ratschengängen, er begrüße und segne sie jedoch: „Das Ratschen ist für mich eher eine Sache der Ministrantinnen und Ministranten. Ich stamme ja außerdem aus Deutschland, und da wird auf eine andere Art und Weise geratscht, als es hier der Brauch ist.“

In seinem Heimatgebiet seien die Kinder nie auf den Straßen Ratschen gegangen, stattdessen wurde diese Tradition folgendermaßen gelebt: „Bei uns in der Pfarre hat es eine riesengroße Ratsche gegeben, die von den ältesten Ministrantinnen und Ministranten vor der Kirche bedient wurde.“

Was das Ratschen für viele Kinder interessant macht, erklärt Failer so: „Zum einen stehen die Kinder früh auf, schließlich beginnen sie ja schon um sechs Uhr mit ihrer ersten Runde. Das Lärmmachen steckt, glaube ich, vor allem in den Burschen auch irgendwie drinnen, aber ist allgemein Jahr für Jahr ein großer Spaß für alle!“ In der Stadt Baden spielt die Tradition des Ratschens hingegen keine Rolle mehr. Ratschenkinder wecken hier schon einige Jahre niemanden mehr frühmorgens auf, das bestätigen sowohl Stadtpfarrer und Dechant Clemens Abrahamowicz und Bogdan Pelc, Pfarrmoderator in der Pfarre St. Christoph.

Pfaffstättens Pfarrer Pater Walter Ludwig bestätigt, „dass das Ratschen eher ein ländliches Phänomen ist“. Er hofft, trotzdem Ratschenkinder zu gewinnen, die zumindest unter Berücksichtigung strenger Sicherheitsvorkehrungen „gemeinsam die Gassen entlang gehen können“.

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