Vom Flüchtling zur Gemeinderätin: „Den Krieg vergessen“

Erstellt am 20. Oktober 2014 | 08:36
Lesezeit: 3 Min
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Alma Pupo Gemeinderätin Traiskirchen früher Flüchtling
Foto: NOEN, Lorenz
Sie flüchtete vor dem Morden in Sarajevo, lebte ein Jahr lang im Lager Traiskirchen und ist heute Gemeinderätin. Alma Pupo kennt die Ängste der Flüchtlinge.
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Mit großen Kinderaugen beobachtet eine 13-Jährige das Geschehen um sie. Alles ist ihr fremd, die Menschen, die Sprache, die Unterkunft muss sie mit anderen Leuten teilen, sie schläft nun in einem Stockbett – nur ihre Familie, Mutter und der kleinere Bruder sind für sie vertraut.

Der Vater des Mädchens blieb in Sarajevo, wo seit einiger Zeit Krieg herrscht, wo Leute sterben, von Artilleriegenschoßen zerfetzt oder von Heckenschützen ermordet. Im Jahr 1992 herrschte Bürgerkrieg in Alma Pupos Heimatland. Ein Jahr lang musste die Jugendliche mit ihrer Familie in der Erstaufnahmestelle Traiskirchen bleiben.

„Ich kann die Gefühle der Menschen, die vor
dem Krieg flüchten sehr gut nachvollziehen.“
Alma Pupo, Gemeinderätin

Das Mädchen besuchte die Schule, maturierte und hat mittlerweile einen Doktortitel der Wirtschaftsuniversität. Sie wurde eine „waschechte“ Traiskirchnerin und SP-Gemeinderätin. Wenn Alma Pupo an die damalige Zeit im Lager zurückdenkt, wie war es?

„Ich glaube schon, dass ich insofern Glück hatte, als die Stimmung damals eine andere war. Die Menschen hatten noch keine so große Angst vor Fremden. Ich konnte schnell in Traiskirchen und später auf der Uni Freundschaften schließen“, erzählt die sympathische Mandatarin.

Zuständigkeiten haben sich inzwischen geändert

Auch das eine Jahr im Lager selbst kann mit der heutigen Situation schwer verglichen werden. „Damals war noch das Innenministerium für die Betreuung von Asylwerbern zuständig.“ Heute werden die Asylwerber von einer privaten Firma betreut.

„Menschenwürdige Unterbringung und eine adäquate Betreuung müssen jederzeit gewährleistet sein, damit man den Flüchtlingen ein möglichst normales Leben bieten und bei der Verarbeitung ihrer traumatischen Kriegserfahrungen helfen kann“, ist Pupo überzeugt. „Das ist jedoch in überfüllten Massenzentren und Massenlagern in ausreichender Qualität einfach nicht möglich.“

„Traumatisierten Menschen auch menschlich zu begegnen“

„Österreich hatte eine bewundernswerte Willkommenskultur“, lobt sie. Deshalb unterstützt sie auch die Bemühungen von Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ). Als Gemeinderätin ist Pupo im Jugend- und Integrationsausschuss tätig.

„Es darf ja nicht vergessen werden, dass jeder Flüchtling ein Leben außerhalb der Gesellschaft führen muss. Man hat wenig Rechte und keine Pflichten. Man ist nur mehr eine Nummer. Deshalb ist es mehr als notwendig, diesen traumatisierten Menschen auch menschlich zu begegnen“, sagt die erfolgreiche Gemeinderätin.

Zitiert: „Es sind oft nur Kleinigkeiten“

„Es sind oft nur Kleinigkeiten, die Flüchtlinge immer daran erinnern, dass sie eben außerhalb der Gesellschaft stehen.“
Alma Pupo, Gemeinderätin in Traiskirchen

„Dieses Beispiel zeigt, wie aus einem ehemaligen Flüchtling, eine Leistungsträgerin der österreichischen Wirtschaft wurde und eine wertvolle Gemeinderätin für die Bürger von Traiskirchen.“
Andreas Babler, SP-Bürgermeister von Traiskirchen

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