Babler: „Kandidatur wird sich formal noch entscheiden!“. Traiskirchens Stadtchef Andreas Babler (SPÖ) spricht, anlässlich seines fünften Jahres als Bürgermeister, über die bisherige Arbeit in der Stadt, sein Verhältnis zur FPÖ, seine Aktivitäten in sozialen Netzwerken und ob er 2020 wieder für die SPÖ antritt.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 19. August 2018 (12:14)
Philipp Grabner
Bürgermeister Andreas Babler und Redaktionsleiter-Stellvertreter Philipp Grabner.

NÖN: Herr Babler, Sie sind in Ihrem fünften Jahr als Bürgermeister. Was war denn bis hierher die größte Herausforderung?

Andreas Babler: Die größte Herausforderung war wohl, was die produzierte Flüchtlingskrise 2014 und 2015 in der Stadt betroffen hat und gleichzeitig trotz alledem das ambitionierte Programm, etwa was die dynamische Weiterentwicklung in allen Bereichen der Stadt betrifft, durchzuziehen. Die Flüchtlingslagersituation ist ja quasi zum täglichen Amtsgeschäft noch massiv dazugekommen.

Philipp Grabner
Andreas Babler im großen NÖN-Interview. Geführt wurde es im städtischen Freibad.

Sie haben die Flüchtlingssituation in der Stadt schon angesprochen. Medial hört man da ja nicht mehr wirklich etwas, wie sieht die Situation aktuell aus?

Medial wird es nur dann zum Thema, wenn wir das machen – wenn die vereinbarte Anzahl überschritten wird. Es war ein langer Kampf, bis wir die Zahl 480 durchgesetzt haben. Und jetzt pendeln wir um diesen Wert. 480 sind ein Maß, mit dem alle sehr gut umgehen können. Dementsprechend ist es zur Zeit sehr ruhig und auch in der Bevölkerung kein Thema.

Abgesehen davon: Was hat sich in der Stadt am Meisten verändert, seit Sie Bürgermeister sind?

Wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht, sieht man, wie viel sich – etwa baulich
– verändert hat. Wir haben viele Grundstücke und Gebäude gekauft, haben vieles neu errichtet, neue Architektur in die Stadt gebracht, etwa neue Kinderbetreuungseinrichtungen und betreutes Wohnen, sowie neue soziale Einrichtungen wie den guten Laden, geschaffen. Gleichzeitig haben wir auch versucht, ein besonderes Augenmerk auf Stadtplanung zu legen. Ebenso ist Ökologie ist ein großes Thema. Positiv verändert hat sich auch das Image der Stadt. Wenn man heute in Österreich auf Urlaub fährt, wird man auf die Stadt oft sehr positiv angesprochen.

Also spüren Sie eine Image-Veränderung?

Babler: Das Stadt-Image hat sich spürbar verändert,
ja. Wir zeigen, dass wir eine vorbildliche Sozial-,
Ökologie-, Kinder- und Familienstadt sind, andererseits
haben wir bewiesen, wie menschlich, human und
verantwortungsvoll wir die Flüchtlingssituation
gemeistert haben.
Wir haben auch neue, moderne Kultur- und
Eventveranstaltungsreihen ins Leben gerufen,
zusätzlich zu den traditionellen Veranstaltungen. Die
haben wir erhalten, denn Tradition gehört für mich
auch zur Stadtidentität dazu.

Traiskirchen hat bei der letzten Bevölkerungsstatistik
ein Plus aufgewiesen. Was braucht es im Hinblick auf
diesen Zuwachs für die Zukunft unbedingt?

Babler: Ich bin eher ein Bremser des Zuwachses. Wir
haben dabei drei Aufgabenstellungen: Die Infrastruktur
muss mitwachsen, etwa was Kinderbetreuung,
Wasserver- und -entsorgung oder Ärztedichte betrifft.
Aber auch die Bereiche Ökologie und Verkehr spielen
da mit hinein. Und die dritte Problematik: Die Stadt
muss auch mit unseren Neubürgerinnen und -bürgern behutsam,
aber vor allem gut als soziale Stadtgemeinschaft
zusammenzuwachsen können.

Die ÖVP hat gegenüber der NÖN einmal mehr Kontrollmöglichkeiten
in der Stadtpolitik gefordert. Die SPÖ
ist absolut dominant in der Stadt, es gibt nur kleine Oppositionsparteien. Braucht es mehr Kontrolle?

Babler: Kontrolle ist immer wichtig. Wir selbst
haben ja eine Menge neuer Kontrollmechanismen
geschaffen. Wichtig ist auch hier selbst initiativ zu
sein.  Ich habe natürlich großen Respekt, weil ich
als Bürgermeister auch Finanzreferent der Stadt bin
– und ich weiß, dass das nicht mein eigenes Geld
- sondern das Geld der Traiskirchner Steuerzahler
ist, dass ich gut zu verwalten habe. Wir als SPÖ
haben aber auch zusätzlich auf einen Platz im
Prüfungsausschuss zugunsten einer anderen Partei
verzichtet – und diese Oppositionsvertreterin ist auch
die Vorsitzende des Ausschusses. Die Kontrollrechte
sind in Traiskirchen absolut in Ordnung. Wir fassen ja
fast alle der Beschlüsse auch einstimmig.

FPÖ-Stadtrat Anton Lojowski hat die Stadtpolitik
einmal als „One Man-Show“ bezeichnet. Können Sie
dieser Zuschreibung etwas abgewinnen?

Babler: Nein, ich will das gar nicht näher
kommentieren. Die Freiheitlichen haben anscheinend
ihre eigenen internen Probleme und schon knapp
die Hälfte ihres gesamten Gemeinderatsklubs schon
zur Hälfte der Periode austauschen müssen – das sind aber
nicht meine Probleme, ich habe mich um die Stadt
zu kümmern. Natürlich bin ich als Bürgermeister sehr
viel unterwegs, aber wenn man so etwas behauptet,
zeigt das nur, dass man seitens der FPÖ nicht sehr
viel vom Stadleben mitbekommt. Natürlich fokussiert
sich vieles auf den Bürgermeister, aber ich habe
ein ganz tolles, breit aufgestelltes Team, das vieles
bewegt, und ohne diesen wäre all diese dynamische
Entwicklung gar nicht möglich.

Tun Sie sich aus ideologischen oder persönlichen
Gründen mit der FPÖ schwer? Wie ist das Verhältnis?

Babler: Ich habe mit der Traiskirchner FPÖ - was die
Stadt betrifft - quasi kein Verhältnis, weil sie in der
Stadt, ausserhalb von ein paar schriftlichen Ergüssen,
so gut wie gar nicht präsent ist. Auf Bundesebene
habe ich ideologisch, was ihr Menschenbild, den
Sozialabbau, die Frauenzurückdrängung und die
rückschrittliche Bildungspolitik betrifft, natürlich große
Schwierigkeiten mit der FPÖ.

Sie haben bei der Nationalratswahl kandidiert,
vorab aber schon gesagt, dass Sie nicht nach Wien
gehen wollen. Warum?

Babler: Ich habe, als ich 2014 in der Stadt angetreten
bin, unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern versprochen, Bürgermeister
zu bleiben und das gilt für mich. Das habe ich auch
gehalten, wie beispielsweise 2015 schon ein gewisser
moralischer Druck in der Partei gekommen
ist, für Bundesaufgaben zur Verfügung zu stehen.

Sie haben also kein Interesse an Funktionen in
Bundes- oder Landespolitik?

Babler: Nein. Trotzdem glaube ich, dass die Kandidatur
bei der Nationalratswahl - mit der zweitgrößten
Vorzugsstimmenanzahl auf der Bundesliste in ganz
NÖ - ein wichtiges Zeichen für unsere Traiskirchner
Themensetzung für die SPÖ und für das Land war.

Es gab früher stets einen Vertreter im Landtag aus
Traiskirchen – zuletzt war das Franz Gartner. Nun
gibt es das nicht mehr. Ist das schade? Möchten
Sie, dass es künftig wieder einen Vertreter oder eine
Vertreterin in St. Pölten gibt?

Babler: Das ist immer die Frage, wie man das sieht.
Oft ist es mit dem Land sogar einfacher, wenn man
dort politisch nicht aktiv ist – weil man dann natürlich
die sonst programmierten Reibungspunkte mit der
regierenden ÖVP verliert.

Ihre Bundespartei ist aktuell in Opposition. Viele
meinen, sie hätte nicht so wirklich in diese Rolle
gefunden. Teilen Sie diese Einschätzung?

Babler: Die Oppositionsrolle ist natürlich schwer zu
finden. Da sind wir auf dem Weg. Ich wünsche mir,
dass sie wir die wichtigen, sozialpolitischen und
ökologischen Themen weiterhin vorantreiben. Es gibt so viele Menschen in diesem Land, die eine
starke Sozialdemokratie brauchen würden.

Die neue Bundesregierung hat bisher zahlreiche
Maßnahmen gesetzt, die Sie nicht gut finden. Um
umgekehrt zu fragen: Gibt es etwas, dass Ihnen an
der Regierung gut gefällt?

Babler: Leider nein. "Positiv" finde ich, dass die
Leute schön langsam merken, was alles wirklich an
Sozialabbau jenseits des Versprochenen passiert.

Sie absolvieren jedes Jahr rund 700 Termine.
Bleibt da noch Freizeit?


Babler: Es ist schon wahr, dass ich viel unterwegs
bin. Aber da bekommt man so viel mit auf den
Weg gegeben, bekommt so viele Eindrücke. Man hat
die Möglichkeit, mit den Leuten zu sprechen und zu
diskutieren. Das geht aber auch nur, wenn du den
Job gerne machst. Dann würde ich es auch nicht
als Stress bezeichnen.

Sie sind in sozialen Netzwerken sehr aktiv, berichten
über Berufliches und Privates. Haben Sie auch schon
negative Erfahrungen gemacht?

Babler: Ja natürlich. Ich bin an sich sehr kritisch
eingestellt, was soziale Medien betrifft. Man nutzt
es natürlich – als Bürgermeister muss man das ja
fast. Das Facebook-Zeitalter hat aber auch schon
sehr viel mit sich gebracht – da wird auch sehr viel
Schwachsinn produziert. Ich bin auch sehr kritisch,
was Daten angeht – ich poste beispielsweise
ausschließlich Fotos, bei denen es mich auch nicht
stören würde, wenn es in der Zeitung wäre. Wenn
man stets kritisch reflektiert, dann funktioniert es. Das
können aber nicht alle Menschen.

Dass Sie 2020 wieder als Bürgermeister
kandidieren, das ist fix?

Babler: Ich habe so viel positives Feedback aus der
Bevölkerung für meine Amtsführung und viel Freude
an meiner Arbeit. Meine Kandidatur wird sich formal
noch entscheiden. Aber ich gehe davon aus.

Andreas Babler (45) ist seit 2014 Bürgermeister der
Stadt Traiskirchen. Dem Gemeinderat gehört er seit
1995 an. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Seine
Leidenschaft gilt der Natur und dem Sport.