Facharbeiter ist das Berufsziel von Abbas Peivandy

Von der Ankunft in Traiskirchen bis zur Lehre bei Firma List war es ein langer Weg.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 05:42
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Abbas Peivandy
Abbas Peivandy bei seiner Arbeit bei der Firma List.
 
Foto: Firma List

Vor sechs Jahren kam der damals unbegleitete Minderjährige Abbas Peivandy als Flüchtling aus dem Iran nach Österreich. Sein erster Aufenthalt war der im Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen. In unmittelbarer Nachbarschaft im Pfarrzentrum fand er aber Unterstützer und Förderer wie Silva Rotheimer-Manzinger und ihren Mann Albert Manzinger, die es ihm ermöglichten, seine Deutschkenntnisse so weit zu verbessern, dass er in Österreich seinen Pflichtschulabschluss nachholen konnte. Als nächsten Bildungsschritt besuchte er eineinhalb Jahre lang die HTL in Mödling.
Doch bald merkte er, dass das theoretische Lernen nicht seines war, er wollte ein Handwerk erlernen.

Jetzt sitzt er in der Tischlerei List in Bad Erlach, die sich auf die Ausstattung von exklusiven Jachten spezialisiert hat und erzählt im Teams-Meeting der NÖN, wie er es geschafft hat, eine Tischlerlehre zu beginnen. Für Abbas war immer klar: „Ich möchte etwas mit meinen Händen machen, ich möchte Tischler werden.“

Anfang in Österreich war herausfordernd

Abbas ist im Iran aufgewachsen, das Heimatland seiner Eltern, Afghanistan, hat er nie betreten. „Als ich nach Österreich kam, war alles anders, die Sprache, die Kultur, die Leute, die Gesellschaft, ich musste wirklich von Null an beginnen.“ Erst war er in einem Flüchtlingsheim in der Mödlinger Jägerhausgasse untergebracht, dann kam er nach Bad Vöslau in das Flüchtlingsheim „Waldwiese“. In Bad Vöslau wohnt er noch heute, aber gemeinsam mit einem Freund in einer Wohngemeinschaft. Nach der HTL Mödling fand er einen Ausbildungsplatz im bfi in Gloggnitz und begann dort die Lehre zum Tischler.

Das erste und zweite Lehrjahr hat er bereits hier mit ausgezeichnetem Erfolg absolviert. Doch er wollte nicht nur in der Lehrwerkstätte arbeiten, „sondern in der Privatwirtschaft“. Also begann Abbas Bewerbungen zu schreiben, „aber eine Antwort habe ich nur von der Firma List bekommen“, schildert der heute 24-Jährige. Die Firma List hat keine Berührungsängste mit Menschen, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben.

„Wir sind in der derzeitigen Lage froh, Fachkräfte zu finden, sowie über junge, motivierte Leute, die bei uns arbeiten wollen.“ List-Pressesprecher Rainer Sommer

Pressesprecher Rainer Sommer merkt an: „Wir haben viele Mitarbeiter, die eine andere Muttersprache als Deutsch haben. Wir sind in der derzeitigen Lage froh, Fachkräfte zu finden, sowie über junge, motivierte Leute, die bei uns arbeiten wollen.“ Daran mangelt es bei Abbas nicht, seine Zeugnisse vom bfi untermauern dies, in jedem Gegenstand steht hier eine Eins. Jetzt bereitet er sich im dritten Lehrjahr auf die Lehrabschlussprüfung im kommenden Frühjahr vor.

Den Unterschied zur Lehrwerkstatt beschreibt Abbas so: „Am bfi war mehr Theorie, hier wird wirklich gehackelt.“ Zwar endet der Lehrberuf Tischler nach drei Jahren, aber Abbas denkt bereits darüber nach, wie er sich in Richtung Tischler-Techniker weiterentwickeln könnte. Denn einmal möchte er so weit sein, dass er nicht nur ein Werkstück selbst fertigt, „ich möchte es auch zeichnen und mit den entsprechenden Computerprogrammen planen können“, verrät Abbas.