"Kein Mensch ist illegal" im Garten der Begegnung

Seit fünf Jahren bietet der Garten der Begegnung die Möglichkeit, neue Freunde und Aufgaben zu finden.

Judith Jandrinitsch
Judith Jandrinitsch Erstellt am 16. September 2021 | 05:28

Der Garten der Begegnung ist ein öko-soziales Integrationsprojekt, in dem Interessierte, Traiskirchner, Schüler, Asylsuchende gemeinsam Obst und Gemüse ökologisch anbauen und verarbeiten. Es wurde kürzlich mit dem Alexander-Friedmann-Preis ausgezeichnet.

Aramis Gehberger alias Dr. Bubbles verglich Seifenblasen mit dem Lebenszyklus von Menschen. Ganz klein kommen sie zur Welt, wachsen, werden größer und verschwinden. Sie sind zart und zerbrechlich und schafften es am Fünf-Jahres-Jubiläumsfest des Gartens der Begegnung doch, über die Köpfe der Erwachsenen und Kinder hinauszuwachsen und diese vor lauter Freude und Begeisterung zum Jubeln zu bringen.

Statt auf der Bühne versammelten sich die Redner innerhalb dieses Kreises, der rund um Dr. Bubbles entstanden war. Denn das Zusammengehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl das hier während der Seifenblasen-Show innerhalb kürzester Zeit entstanden war, das ist auch charakteristisch für das Projekt.

Nicht alle waren begeisterte Gärtner, die hier in Traiskirchen ankamen. Antje, eine der Projektverantwortlichen erzählt: „Aber hier bot und bietet sich die Chance, die Zeit sinnvoll zu nutzen, denn Asylwerber sind ja vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen und können eigentlich nur herumsitzen und warten. Hier begegnen sich auch Gruppen von Menschen, die in ihren Herkunftsländern vielleicht nicht die besten Freunde sind. Doch hier werden Vorurteile abgebaut, auf der anderen Seite Gemüse angebaut, auch wenn manche das erst lernen mussten.“

Nicht nur Karotten und Paradeiser wachsen hier, auch exotische Schoten wie Okra oder Chili. Jene Produkte, die beim orientalischen Frühstück jeden Samstagvormittag nicht verwertet werden, finden Eingang in den Biohofladen und werden verkauft.

Delshad Bazari war selbst vor einigen Jahren als Flüchtender in der Erstaufnahmestelle untergebracht und betreibt heute als Tischer sein eigenes Unternehmen. Er leitet die Holzwerkstatt des Gartens, seine Frau ist die Chefin des Küchenteams. Auch in ihrer Fluchtgeschichte spielt der Garten eine zentrale Rolle: „Der Garten der Begegnung ist mehr als ein Ort. Hier wird Wissen weitergegeben, wie das Leben in Österreich funktioniert. Sei es, wie die Leute ticken, das Schulsystem, Steuern oder Versicherungen. Das Vertrauen, das einem hier entgegengebracht wird, gibt Kraft und hat uns beide weiterbewegt.“

Auch Delshad und Rouken sollen offiziell geehrt werden – mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Traiskirchen. Denn wie Stadtchef Andreas Babler, SPÖ, in einer emotionalen Rede festhielt: „Kein Mensch ist illegal, niemand. Wir haben alle die selben Bedürfnisse, wollen Lebensbedingungen, die eine Perspektive bieten, sich zu entwickeln. Dieser Wunsch stößt auf Widerstände beim politischen Establishment. Menschen das Recht auf eine Perspektive abzusprechen, ist aber das Abartigste, das man machen kann.“