Kreuz als Zeichen der Freundschaft. Orthodoxer Pfarrer Sladjan Vasic und katholischer Pfarrer Jochen Häusler arbeiten eng zusammen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 05. Mai 2019 (03:37)
Jandrinitsch
Pfarrer Jochen Maria Häusler und Vater Sladjan Vasic in der Traiskirchner Pfarrkirche mit dem Altarkreuz, das Pfarrer Sladjan seinem katholischen Kollegen überreichte.

Vater Sladjan Vasic hatte dies vergangenen Tage viel zu tun. Denn das orthodoxe Osterfest findet zeitversetzt eine Woche später statt als das Katholische und als orthodoxer Priester pendelt Vasic zwischen Wien, Traiskirchen und Leoben hin- und her, wo er orthodoxe Gemeinden betreut.

Dabei hat sich der in Bosnien-Herzegowina geborene Serbe aber keiner Nationalkirche verschrieben, sondern predigt als Anhänger der Panorthodoxen Bewegung in der Nikolaus-Kirche mitten am Traiskirchner Hauptplatz für alle Nationalitäten.

Vater Sladjan sagt überzeugt: „Für mich ist es unwichtig, ob jemand Russe, Ukrainer, Bulgare, Grieche, Rumäne oder Serbe ist. Gläubige aus allen Ländern sind in der St. Nikolaus-Kirche herzlich willkommen. Ich bemühe mich, so viele Sprachen wie möglich im Gottesdienst zu verwenden, das Sprachangebot richtet sich nach den Sprachen der Gläubigen. Auf jeden Fall predige ich auf deutsch.“

Kirche gehört eigentlich der Stadtgemeinde

Die Kirche ist im Besitz der Stadtgemeinde Traiskirchen. Diese öffnete die St. Nikolaus-Kirche im Herbst vergangenen Jahres für die orthodoxe Kirchengemeinde. Bei der Stadt für dieses Ansinnen Fürzusprechen hat auch der katholische Seelsorger Traiskirchens, Pfarrer Thomas Häusler, unterstützt. Er erklärt: „Vater Sladjan und ich sind im geschwisterlichen Geist verbunden.“

Kurz vor dem katholischen Osterfest hat Vater Sladjan Pfarrer Häusler ein goldenes Altarkreuz überreicht. Darauf sind Gott Vater, Heiliger Geist, die Gottesmutter Maria und der Jünger Johannes in orthodoxer ikonografischer Darstellungsweise abgebildet.

Vater Sladjan sagt: „Pfarrer Jochen hat mir auch dabei geholfen, für unseren Karfreitag die Kapelle in Möllersdorf als Ausweichmöglichkeit zur St. Nikolaus-Kirche zu organisieren. So schnell ohne seinen Beistand hätte ich keine alternative Stätte für die Zeremonie gefunden.“ Der „Chef“ von Pfarrer Sladjan, Metropolit Arsenios von Austria, Exarch von Ungarn und Mitteleuropa, habe in der Synode auf Kreta 2017 die Orthodoxen Kirchen zu einer verstärkten Zusammenarbeit aufgerufen. Diesem Aufruf folgt Vater Sladjan, auch wenn diese Idee noch nicht bei allen orthodoxen Gläubigen angekommen ist und diese lieber ihre jeweilige Nationalkirchen aufsuchen.

Vater Sladjan glaubt jedoch an die Zukunft der Panorthodoxen Kirchengemeinschaften und ist gedanklich schon einen Schritt weiter. „Die Attentäter von Sri Lanka haben auch nicht nach der Konfession gefragt. Für sie waren es Christen. Ich hoffe auf eine Wiedervereinigung aller christlichen Kirchen.“