Mikroben statt Kunstdünger: Ohne Chemie geht es auch

Erstellt am 10. Dezember 2021 | 04:55
Lesezeit: 3 Min
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Wolfgang und Eva Harreither gewähreneinen Blick im Labor in einen der Kühlschränke, wo die Mikroben herangezüchtet werden.
Foto: JJ
Zwei ehemalige BOKU-Studenten haben aus Forschungsprojekt Unternehmen gemacht.
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Eva und Wolfgang Harreither haben sich bei ihrem Studium der Makrobiologie auf der Universität für Bodenkultur (BOKU) kennengelernt. Dort haben sie sich nicht nur ineinander verliebt, sondern auch in jene Mikroorganismen, die imstande sind, das Bodenleben wieder zu beleben und Humus zu bilden und daher ideal sind, in der Landwirtschaft den Kunstdünger zu ersetzen und auf chemische Spritzmittel zu verzichten.

Eva Harreither erzählt: „Nourivit Technologies wurde 2018 als Spin-off-Unternehmen eines erfolgreichen Forschungsprogramms der Universität für Bodenkultur gegründet, das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen der ‚Research Studios Austria’ finanziert wurde.“

Produziert wurden die Bodenlebewesen zuerst am Produktionsstandort in Weigelsdorf, als der Platz zu klein wurde, fand Nourivit eine neue Produktionsstätte im Gewerbepark Traiskirchen. Die Halle auf dem Areal der ehemaligen Semperit kommt der aus Traiskirchen stammenden Eva Harreither sehr entgegen, „denn warum soll man auf der grünen Wiese Boden versiegeln, wenn man in alten Gemäuern genauso gut produzieren kann?“, fragt sie. Ihr Mann Wolfgang erzählt: „Wir entwickeln hier in Traiskirchen das Ausgangsprodukt, unsere Geschäftspartner bekommen, wenn sie entsprechende Mengen beziehen, von uns das Know-how geliefert, die Bodenmischung in ihren Ländern, immerhin exportieren wir in die EU genauso wie nach Kanada, Turkmenistan oder nach South Dakota, fertigzustellen.“

Landwirte sind die besten Mulitplikatoren

Das Entscheidende ist aber für beide, die Landwirte von ihrem Produkt zu überzeugen. „Unsere Produkte sind zwar biozertifiziert, können aber auch in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden. Nicht alle Bauern können oder wollen auf eine biologische Wirtschaftsweise umstellen, aber unsere Produkte tragen zu einer Ökologisierung der Landwirtschaft bei.“

Deshalb verfügt Nourivit über „Bauern des Vertrauens“, die die Produkte auch ausprobieren und sich von ihrer Wirkungsweise überzeugen. Auch mit den Milchbauern der Milchgenossenschaft NÖ hat Nourivit eine Kooperation. Über die Crowdinvestment-Plattform „Green Rocket“ sammelte das „BOKU Start up des Jahres 2021“ innerhalb kürzester Zeit von Kleinanlegern jenen Betrag, der erforderlich ist, um in neue Produktionsanlagen investieren zu können. Die Harreithers gewähren einen Blick in ihr Labor, wo Milchsäurebakterien, Hefen und Bakterien angesetzt werden, um sich in Produkte von Nourivit Technologies zu verwandeln. „Auf die Mischung kommt es an“, verrät Wolfgang Harreither schmunzelnd. Und die richtige Mischung kann für die Blattbehandlung von Weinreben verwendet werden um diese vor Pilzbefall zu schützen wie in Tierställen, um den Geruch zu minimieren und durch die Beigabe in das Futter das Tierwohl zu erhöhen. Die Harreithers waren im Juni im Auftrag der UNIDO in Kamerun. Hier sind es die Kleinstbauern, die von den Mikroben profitieren sollen und so nicht mehr auf teuren Kunstdünger angewiesen sind.

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