Traiskirchner Betrieb bangt um Werk in Ukraine

Erstellt am 02. März 2022 | 14:18
Lesezeit: 3 Min
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Das Werk Marzek Dnipropack in der Ukraine. Hier werden seit 2009 hochwertige Bogen-, Rollen-Etiketten, Sleeves und Flexible Verpackung auf höchstem internationalen Qualitätsstandard erzeugt.
Foto: Marzek Etiketten+Packaging GmbH
Zu Unternehmen mit Standort in der Ukraine zählt der Familienbetrieb Marzek Etiketten+Packaging GmbH aus Traiskirchen (Bezirk Baden), der seit 2009 in einem Werk in Dnipro in der Südostukraine Etiketten für Lebensmittel, Getränke, Supermarktketten und die Pharmaindustrie herstellt. Michael Wareka, der in vierter Generation das Unternehmen führt, bangt um seine rund 130 Mitarbeiter.
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Dnipro ist mit etwa einer Million Einwohnern nach Kiew, Charkiw und Odessa die viertgrößte Stadt der Ukraine. Marcek Etiketten+Packaging aus Traiskirchen produziert seit 2009 in Dnipro Etiketten in Bogen und Rolle und flexible Verpackungen für primär ukrainische Kunden.

Derzeit stehe die Produktion praktisch still, aber die Mitarbeiter warten darauf, dass sie wieder arbeiten können. Man prüfe offene Bestellungen, versuche mit Kunden Kontakt aufzunehmen und wolle unbedingt weiterproduzieren.  „In der Nacht soll geschossen worden sein, derzeit ist es gottseidank ruhig bei uns“, sagt CEO Michael Wareka am Montag.

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Marzek CEO Johannes Michael Wareka.
Foto: Marzek Etiketten+Packaging GmbH

"Am Dienstag wurden lediglich drei Aufträge für eine Molkerei, einen Getränkebetrieb und eine Dosenfabrik produziert", berichtet er am Mittwoch der APA. „Die meisten Kundenbetriebe stehen still. Oder sie sind in Gegenden, die wir nicht erreichen können“. Erst kürzlich musste ein Lkw mit Waren auf dem Weg nach Kiew wieder umdrehen.

Warek ist mehrmals täglich mit seinen Geschäftsführern in Dnipro per Videokonferenzen in Kontakt. „Ich hoffe für die Mitarbeiter und deren Familien, dass sie alles gut überstehen.“ Die seien russisch-sprach, sehr ukrainisch-patriotisch und verärgert gegenüber Putin. „Die Kampfmotivation ist sehr hoch.“ Ein einziger Mitarbeiter sei bisher ins Militär einberufen worden.

Das Familienunternehmen hat mit den Gewinnen der letzten 12 Jahren das ukrainische Werk aufgebaut. „Alles, was wir bisher von Österreich aus investierten, ist bereits zurückgeflossen – und noch etwas mehr“, so Wareka. Wenn der Worst-Case passiert, also Gebäude, Inventar und Maschinen zerstört werden, würde das die Unternehmensgruppe wirtschaftlich nur wenig treffen, sagt Wareka. Aber es würde ihn persönlich im Herzen treffen.

Aber auch mit einem Wechsel der Flagge im Land, sieht Wareka eine Zukunft für das Werk: "Etiketten und Verpackungen sind systemrelevant: ohne Verpackung gibt es keine Pharmaprodukte und kaum Produkte in den Supermärkten…Daher wird jede Regierung und Verwaltung aus Gründen der Systemerhaltung auf die Fortführung der Produktion achten", ist der Marzek Chef überzeugt.

Obwohl es in der Region um den Standort seit 2014 Kriege gebe ("jede Woche starben Soldaten, auf kleiner Flamme") seien bislang der Auftragsstand und die Nachfrage saisonal sogar etwas besser, als im Vorjahr. "Herausfordernd ist  - so wie überall in Europa  -  eher die internationale Materialbeschaffung: die Lieferzeiten haben sich verlängert und die Rohstoffpreise sind teilweise extrem gestiegen."

Wareka spricht von plus 10 bis plus 100 Prozent. Manche Materialien seien zudem am gesamten europäischen Markt (auch Österreich) aktuell nur eingeschränkt-kontingentiert bzw. überhaupt nicht verfügbar.

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