Baden: Große Trauer um Rudolf Maurer

Mit einer sehr traurigen Nachricht leitete ÖVP-Bürgermeister Stefan Szirucsek die gestrige Gemeinderatssitzung in Baden ein, die wegen der Coronakrise erstmals in der Halle B stattgefunden hat. Der langjährige Leiter des Stadtarchivs und des Rollettmuseums Baden, Dr. Rudolf Maurer ist in der Nacht auf Dienstag völlig überraschend verstorben. Erst am 3. Mai hatte er noch bei bester Gesundheit den 66. Geburtstag gefeiert.

Erstellt am 13. Mai 2020 | 12:18
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Badens Parade-Historiker Rudolf Maurer ist wenige Tage nach seinem 66. Geburtstag überraschend verstorben.
Foto: 2019psb/sap

Als Sohn von Professor Hans und Dr. Gertrud Maurer, beide AHS-Lehrer, wurde er am 3.5.1954 in Vöcklabruck, OÖ, geboren und lebte seit seinem ersten Lebensjahr in Baden. Dort besuchte er auch die Volksschule und das BG Biondekgasse (humanistisches Gymnasium), wo er am 17.5.1972 mit Auszeichnung maturierte. Nach dem Präsenzdienst begann Rudolf Maurer seine Studien an der Universität Wien in den Fächern Klassische Philologie, Anglistik und Romanistik (Lehramtsprüfungen Französisch, Englisch, Latein und Griechisch). Die Sponsion zum Magister der Philosophie erfolgte 1978. 

Bereits 1977 nahm er die Unterrichtstätigkeit am BG Berndorf auf. Seit 1978 war Maurer gewähltes Mitglied des Pfarrgemeinderates seiner Heimatpfarre Baden St. Stephan. Im Sommersemester 1984 sowie in den Studienjahren 1984/85 und 1985/86 war er auch an der Ordenshochschule Heiligenkreuz als Lehrbeauftragter für Latein und Griechisch tätig. In den Jahren 1981 - 1989 absolvierte er an der Theologischen Fakultät der Universität Wien vereinzelte Lehrveranstaltungen, entschied sich jedoch letztlich, zunächst einmal das Doktorat der Philosophie anzustreben. Nach einem Studienjahr an der Lateranuniversität in Rom (Augustinianum) 1987/88 und den entsprechenden Studien an der Universität Wien promovierte er 1991 zum Doktor der Philosophie.

Seit 1980 war Rudolf Maurer als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Städtischen Rollettmuseums tätig. Ab 1992 besuchte er den Kurs des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, der 1995 mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen wurde und er damit den akademischen Grad eines MAS, Master of Advanced Studies erwarb.

Engagierter Museumsleiter

1994 beendete Rudolf Maurer seine Unterrichtstätigkeit und betreute seitdem als Leiter die „Städtischen Sammlungen“ (Stadtarchiv und Rollettmuseum) bei der Stadtgemeinde Baden. Mit 1. September 2015 übernahm er die Leitung der städtischen „Abteilung Museen“ und war somit auch für Beethoven-, Kaiserhaus und Puppenmuseum letztverantwortlich. Maurer konnte seit seinem Amtsantritt das ganze Museum neu gestalten und hat dabei als Leitlinie jene Kriterien herangezogen. Sein Motto lautete stets: Am Anfang anfangen, am Ende aufhören und dazwischen eine logische Anordnung erreichen! Kinderführungen, Führungen bei Nacht, sogar Sagenführungen und Geburtstagsfeiern waren unter seiner Leitung möglich geworden.

Im Mai 2016 wurde Rudolf Maurer vom damaligen Landeshauptmann Erwin Pröll mit dem „Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich“ ausgezeichnet.

Bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand kurz darauf widmete ihm die Stadtgemeinde den „ Dr. Rudolf Maurer – Saal“ im Rollettmuseum Baden. Der damalige VP-Bürgermeister Kurt Staska dankte ihm bei der Verabschiedung für die außerordentlich rege Publikationstätigkeit der Städtischen Sammlungen: „Dr. Rudolf Maurer hat uns mit fast 100 Broschüren zu verschiedensten Badener Themen einen wahren Schatz beschert. Dazu kommt die Flugblattserie ,Badener Zuckerln‘, wovon mittlerweile ca. 40 Ausgaben existieren. Diese Druckwerke begeistern die Menschen – denn im Gegensatz zu den meisten anderen wissenschaftlichen Verlagen bilanziert dieser ausgeglichen“, meinte Staska.

Seitdem genoss Rudolf Maurer die Zeit als Pensionist an und freute sich auf seine weiteren Tätigkeiten auf historischen Wegen. Oft war er als Vortragender gefragt und begeisterte Jung und Alt mit seinem historischen Wissen, das er stets humorvoll und verständlich den Menschen näher brachte.