Kuriose Karten aus China ersteigert. Ein Sammler aus Deutschland entdeckte bei einer Internet-Auktion ein Telefonkarten-Puzzle mit Motiv einer österreichischen Museumslokomotive aus Trumau.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 15. Februar 2021 (04:55)
5 Yuan ist der Nennwert jeder der vier Telefonkarten, die zusammengelegt eine Ansicht des „Eberhard“ ergibt.
Klebes

Eine österreichische Lokomotive in China? Eisenbahnfreund Günther Klebes aus Erlangen ist auf ein kurioses Fundstück gestoßen. Dabei handelt es sich um mehrere Telefonkarten mit einem Nennwert von je 5 Yuan (rund 0,60 Euro), die zusammengesetzt die Museumslokomotive 52.4984 namens „Eberhard“ vom Lokteam in Trumau ergeben.

Bei der Suche nach neuen Briefmarken und Telefonkarten für seine Sammlung entdeckte der 72-Jährige dieses Unikat kürzlich bei einer luxemburgischen Internet-Auktion.

Günther Klebes ist ein Sammler aus Leidenschaft.
Peter Kick

Der Verkäufer selbst war auch aus Asien. Die Karten stammen aus dem Jahr 2011, als es in Deutschland und auch Österreich längst keine Motivkarten mehr zum Telefonieren gab. Klebes bot als einziger und ersteigerte die vier Karten für 2,50 Euro. Da war der eingeschriebene Luftpostbrief aus der Volksrepublik China teurer als der Inhalt. Dann hieß es lange warten, bis die Post endlich beim Zollamt abgeholt werden konnte.

Doch dann begann für den Sammler erst der Spaß, der mit einigem Spürsinn verbunden war: „Ich versuche bei jedem Motiv auch herauszubekommen, wo es aufgenommen wurde“, erklärt er.

Vergleichsbilder in seiner umfangreichen Bibliothek gibt es genügend. So fand er heraus, wo die Lokomotive derzeit beheimatet ist und nahm Kontakt nach Trumau zum dortigen Museumsbahnverein auf. Dort nannte man ihm als Aufnahmeort Korneuburg im Jahre 2009.

Abgebildete Lok stammt aus dem Jahr 1944

Die Lok selbst wurde 1944 in Potsdam-Babelsberg gebaut und an die Deutsche Reichsbahn abgeliefert. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug es sie nach Jugoslawien, von hier kam sie 1991 nach Österreich. Es komme häufig vor, dass auf Briefmarken und Telefonkarten aus dem Ausland Bahnen sowie Lokomotiven europäischer oder amerikanischer Herkunft abgebildet seien, weiß Klebes. „Die schauen sich im Internet um und verwenden Bilder, die ihnen gefallen. Lizenzen oder Urheberrechte spielen dabei keine Rolle.“

Auch für Sammlerbriefmarken des afrikanischen Inselstaates Sao Tomé und Principe oder des weniger exotischen Litauens würden sich die Herausgeber gerne im Internet bedienen.

Der Fotograf habe kaum Chancen, für die Verwendung seines Bildes ein Honorar einzufordern. Im Zweifelsfall bleibe der Fotograf auf den Verfahrenskosten sitzen.

Günther Klebes sammelt „alles, was mit der Bahn zu tun hat – außer echte Lokomotiven“. Bei ihm zu Hause stehen Modelle und historische Uniformmützen – die sogenannten „Rotkäppchen“ – neben zahllosen selbst geschossenen Fotos und Alben voll mit Telefonkarten und Briefmarken. Daneben arbeitete der Schulbusfahrer und dreifache Vater ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission. Sein Hobby sei „Bahn fahren“, und selbst auf Hochzeitsreise ist er vor 35 Jahren mit dem Glacier-Express in der Schweiz gefahren.