Bis über die Grenze: Geflüchteter in Traiskirchen hilft Flüchtenden

Erstellt am 16. März 2022 | 06:01
Lesezeit: 3 Min
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Ein Geflohener, der sich für flüchtende Menschen einsetzt: Delshad Bazari.
Foto: privat
Delshad Bazari, der 2014 von Syrien nach Österreich flüchtete, brachte mit Stadtrat Norbert Ciperle Hilfsgüter in die Ukraine.
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„Delshad ist der Mann, der die Energie hat, ich habe den Transport nur begleitet“, erzählt Stadtrat Norbert Ciperle, SPÖ, nach seiner Rückkehr aus der Ukraine nach Österreich.

Ciperle machte sich mit dem gebürtigen Syrer daran, die im SPÖ-Lokal „La Rossa“ gesammelten Sachgüter in die Ukraine zu bringen. Auch der „Garten der Begegnung“, wo Delshad seine erste Andockstelle nach dem Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen fand, hatte Hilfsgüter zusammengetragen. Informationsquelle, was konkret gebraucht wird, ist die ukrainische Kirche St. Barbara in Wien. 1,5 Tonnen an Hilfsgütern gingen schließlich in einem Kleinbus von Traiskirchen an die ukrainische Grenze.

„Ein Syrer und ein halber Slowene, die in die Ukraine fahren und Hilfsgüter liefern, das hat schon irgendwie was“, schmunzelt Ciperle. Überrascht war der Stadtrat „über die top-ausgebauten Autobahnen in Polen. Polen hat die erhaltene EU-Anschubfinanzierung von 60 Millionen Euro vor allem in den Ausbau des hochrangigen Straßennetzes gesteckt, das kam uns fahrttechnisch jetzt zugute“, berichtet Ciperle.

Nach achtstündiger Fahrt und 760 Kilometer erreichte das Duo die polnisch/ukrainische Grenze.

Strenge Kontrollen an der Grenze von beiden Seiten

Hier war alles relativ ruhig, der Großteil der Flüchtenden wartete hinter dem Zaun. „Es ist gut, wenn du sagst, du bis Volounteer, an der polnischen Grenze kontrollieren die Zöllner die Pässe ganz genau, das dauert. Es wird auch jedes Auto kontrolliert, das Kennzeichen aufgeschrieben. Vor uns warteten schon Autos in einer langen Schlange, das war eher der zähe Teil der Fahrt“, berichtet Ciperle. Auf der ukrainischen Seite kontrolliert das Militär, „wir wurden von einer Soldatin inspiziert“. Mit einem Zettel in der Hand ging es schließlich zu einem Sammelplatz unweit der Grenze, „wo wir unseren Kontaktmann finden mussten“, fährt Ciperle weiter fort.

Den Kontaktmann hat die ukrainische Kirchengemeinschaft vermittelt. Endlich wurde der gesuchte Mann gefunden, „es war ein sehr emotionaler Moment, auch, wie wir die Hilfsgüter in ein anderes Auto umgeladen haben“. Wichtig sei, „den Zettel nicht zu verlieren, denn den muss man beim Zurückfahren den Soldaten wieder zurückgeben“.

Dann noch eine Überraschung: „Der polnische Zöllner hat uns gefragt, ob wir noch Zeit haben. Wir haben die Hilfsladung von einem Polen übernommen und diese ebenfalls über die Grenze gebracht. „Das hat jetzt aber nur mehr 90 Minuten gedauert.“

Empfehlenswert sei, „so früh wie möglich loszufahren um in den frühen Morgenstunden an der Grenze anzukommen. Dann sind die Autoschlangen am kürzesten.“ Warum sie keine flüchtenden Frauen mit Kindern mit nach Österreich genommen haben? „Welche Frau steigt schon in einen Kleinbus, wo zwei südländisch aussehende Männer sitzen?“, gibt Ciperle zur Antwort.

„In der Ukraine bringen Linienbusse Menschen zu einem stillgelegten Einkaufszentrum in der Nähe der Grenze. Das dient als Sammelpunkt für alle, die die Ukraine verlassen wollen. Wenn, dann hätten wir dorthin fahren müssen und erklären, wer wir sind. Dann hätten wir Chancen gehabt, Frauen und Kinder mit nach Österreich zu nehmen.“

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