Gastwirte aus dem Bezirk Baden hoffen auf Öffnung. Viele Wirte haben nichts gegen „Eingangstests“ – wenn damit ein baldiges Aufsperren wieder möglich wird.

Von Red. Baden. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:45)
Mit Liefer- und Abhol-Angeboten versuchen einige Lokale, wie das Gasthof Martinek, die Stammgäste zu erfreuen. Sehr gut ist das den Martineks zuletzt beim Valentins-Menü gelungen, von dem auch Badens Energiereferatsleiter Gerfried Koch und Jasmine Bachmann zu Hause angetan waren.
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Shoppen sowie Friseurbesuche sind wieder möglich. Gastronomie und Hotellerie hingegen müssen ihre Pforten seit knapp vier Monaten durchgehend geschlossen halten.

Die Stimmen der Betroffenen werden zunehmend lauter, doch etwaige Öffnungsschritte sind noch nicht gewiss und sollen am 1. März erneut beraten werden. Im Raum steht die Einführung von Eintrittstests, welche bereits beim Besuch körpernaher Dienstleister, also beispielsweise beim Friseur, erforderlich sind.

Zurzeit steht man allerdings noch großen finanziellen Hürden gegenüber, schließlich ist der Umsatz der Lokale massiv eingebrochen: „Wir bekommen nur 60 Prozent unserer Kosten für Kurzarbeit ausbezahlt, auch Umsatzersatzzahlungen des vergangenen Jahres sind noch nicht vollständig bei uns eingelangt, es ist wirklich existenziell“, erzählt Markus Trocki, der Inhaber des Badener Fischrestaurants „Marktamt“.

Marktamt-Chef Markus Trocki: „Es ist wirklich existenziell.“ psb, privat
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Die Alternative eines Lieferservice könne nicht genutzt werden, schließlich arbeite man ausschließlich mit frischem Fisch, welcher zurzeit rar sei. Eine Öffnung unter der Voraussetzung, dass jeder Gast einen negativen Covid-Test vorzeigen muss, würde Trocki sehr begrüßen: „Wir können eine Reservierung überprüfen, also können wir auch Corona-Tests überprüfen, das wäre gar kein Problem.“ Michael Grossauer, der das im Herzen Badens ansässige Steakhouse „el Gaucho“ betreibt, steht finanziell gesehen zumindest ein wenig besser dar: „Mit der Unterstützung des Staates können wir die Kosten decken, wir werden einigermaßen über die Runden kommen. Die Lage ist aber natürlich zermürbend“, sagt Grossauer. Ein zusätzliches Problem sei, dass einige Angestellte aufgrund der unsicheren Lage den Job wechseln würden.

Genau wie das „Marktamt“ kann auch das „el Gaucho“ Optionen wie die eines Takeaway-Betriebs nur bedingt anbieten. Grossauer erklärt: „Bei unserem Premiumprodukt, dem Steak, ist es schwer ein Takeaway zu gestalten. Am Valentinstag hatten wir eine Aktion, bei der wir ein Menü anboten, das zu Hause selbst fertiggemacht werden musste. Das wurde sehr gut angenommen.“ Und nach dem positiven Feedback beim Rochusmarkt in Wien werde das „el Gaucho“ ab sofort jeden Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr ein Steak-Sandwich zum Mitnehmen anbieten.

Gerhard Maschler, Betreiber des Traiskirchner „Gasthaus Maschler“ und Sprecher der Wirte im Bezirk, konnte zumindest ein Drittel seines Umsatzes durch Takeway und Lieferservice kompensieren: „Allgemein geht es uns nicht so schlecht, da wir die Möglichkeit anbieten, Speisen abzuholen und auch selbst ausliefern. Mit den Unterstützungen der Regierung geht es sich aus“, meint Maschler. Öffnungsschritte würden ihn  freuen, jedoch ist er sich unsicher, ob diese auch von der Kundschaft angenommen würden: „Die Leute sind, glaube ich, so verunsichert, man kann gespannt sein, ob sie überhaupt wieder fortgehen wollen. Wir hoffen es natürlich sehr.“

Themen-Menüs helfen besser in der Krise

Gustav Martinek, der Besitzer des Badener „Gasthof-Pension Martinek“, hat seinen Betrieb ebenfalls der Lage angepasst: „Es geht uns eingeschränkt gut. Wir bieten Lieferservice und Abholung an, welche sich jedoch in Grenzen hält. Zusätzlich hatten wir die Idee bestimmte Themenwochen einzuführen, wie die Gulasch-Woche, oder auch ein Valentinstag-Menü. Dadurch sind wir ein bisschen besser über die Runden gekommen.“ Auf die Frage, ob er diverse finanzielle Hilfsleistungen erhalten habe, meint Martinek: „Wir haben alle Unterstützungen erhalten, die Lage ist bewältigbar.“ Insgesamt sei der Umsatz trotz Lieferservice & Co. allerdings um drei Viertel eingebrochen.

Café Central Boss Mario Kreiker ist über die aktuelle Lage frustriert.
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Einen weiteren Ort des regen Austauschs stellen für gewöhnlich Kaffeehäuser dar. Das  „Café Central“ in der Badener Innenstadt steht jedoch seit 3. November still. Eigentümer Mario Kreiker zeigt sich sichtlich frustriert: „Es ist für mich völlig unverständlich, dass ich drei Monate warten musste, um die Kosten für die Kurzarbeit ersetzt zu bekommen. Ich habe das Geld für November und Dezember des vergangenen Jahres, sowie das Weihnachtsgeld, vorfinanzieren müssen, wozu ich 50.000 von der Bank ausborgen musste. Erst Mitte Jänner haben wir die Zahlungen schlussendlich erhalten.“

Zudem komme, dass Kreiker als Unternehmer keinen Anspruch auf Kurzarbeit habe und rein vom Umsatz seines Kaffeehauses lebe, welcher Lockdown-bedingt logischerweise gleich null sei. Weiters meint er: „Ein ganzes Epidemiegesetz kann gekippt werden, aber es gibt keine eindeutigen Regelungen zwischen Vermieter eines Lokals und dessen Mieter. Die Miete muss schließlich weiterhin bezahlt werden, aber wie soll das ohne Unterstützung möglich sein?“ 

Auch wenn die Lage nach wie vor prekär ist, können durchaus positive Aspekte verzeichnet werden. Vor allem die vermehrte Unterstützung der Stammgäste und Freunde gebe Hoffnung und Zuversicht.

Gustav Martinek meint: „Unsere Gäste halten voll und ganz zu uns. Am liebsten würden sie bereits seit gestern wieder zu uns kommen.“

„el Gaucho“ Geschäftsführer Michael Grossauer bietet nun Steak-Sandwiches an.
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Diesbezüglich zeigt sich auch Michael Grossauer bestärkt: „Ich habe viel Kontakt zu unseren Stammgästen und das stärkt natürlich das Verhältnis, sie können es kaum erwarten wieder kommen zu dürfen. Ich freue mich auch darauf, alle persönlich sehen zu können.“

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