Spannende Diskussion im Don Bosco-Gymnasium. Die Schüler des Don Bosco-Gymnasiums stellten Fragen nach hochkarätiger Diskussionsrunde. Mit dabei auch Karin Kneissl.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 06. Februar 2020 (03:29)
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Pater Simplice Tchoungang, Bürgermeister Wolfgang Kocevar, DirektorinBeatrix Dillmann, Ex-Außenministerin Karin Kneissl und Pater Hans Randa.
Jandrinitsch

Der Don Bosco-Tag am 31. Jänner wird im gleichnamigen Gymnasium in Unterwaltersdorf ganz besonders gefeiert. Und heuer stellte sich auch ein ganz besonderer Ehrengast ein: Finanzminister Gernot Blümel kam zur Hl. Messe und plauderte anschließend mit seinen ehemaligen Lehrern (siehe Treffpunkt). Den inhaltlichen Schwerpunkt des Tages setzte aber eine Diskussionsrunde zum Thema „Ankommen in der neuen Heimat“. Was bedeutet es für Menschen, in der Fremde anzukommen, in der Fremde eine neue Heimat finden zu müssen?

Kann man überhaupt zu einem „Eingeborenen“ werden, oder gibt es kulturelle Differenzen, die einfach nicht überbrückt werden können?

Diesen Fragen gingen Pater Simplice Tchoungang, Ex-Außenministerin Karin Kneissl, Ebreichsdorfs Bürgermeister Wolfgang Kocevar, SPÖ, und die gebürtige Belgierin Saskia Etienne nach.

Von Afrika nach Europa ist es ein langer Weg

Pater Simplice ist selbst in Kamerun geboren. Als er nach Österreich kam, erlebte er sehr wohl einen Kulturschock: Ich dachte mir, na servas, wie packe ich das“, denn die mitteleuropäische Identität Fremden gegenüber sei einmal davon geprägt, „diese eher einmal sich selbst zu überlassen“, als wirklich zu begleiten. Das schaut in orientalischen und afrikanischen Kulturen völlig anders aus, wo Fremde umsorgt und umhegt werden und wo Gastfreundschaft quasi eine Rundum-Betreuung bedeutet.

Karin Kneissl erzählte: „Ich habe selbst eine Zeit lang in Jordanien gelebt, es ist wahrscheinlich einfacher, als Europäerin in eine städtische orientalische Kultur integriert zu werden, als wenn jemand von einem ländlichen Bereich Syriens oder Afghanistans nach Europa kommt.“ Pater Simplice habe vor allem durch seine Schüler rasch Deutsch gelernt, doch auch er ortet die Bereitschaft, die neue, fremde Muttersprache auch tatsächlich lernen zu wollen als ausschlaggebend für den Lernerfolg: „Ich habe meinen Schülern auf Facebook geschrieben, sie haben mir zurückgeschrieben, wie die Sätze grammatikalisch richtig zu sein haben“, berichtet Simplice.

Auch Bürgermeister Wolfgang Kocevar machte schon interessante Erfahrungen mit dem Ankommen und Sich-Integrieren: „Wir haben als Gemeinde einmal einen Integrationsausflug unternommen, und zwar so, dass sich keiner separieren konnte, nämlich, bei einem Bootsausflug auf der Donau.“ Das Schiff erlaubte keine Flucht, Menschen mit Migrationshintergrund mussten sich mit sogenannten Einheimischen unterhalten. Er selbst kam vor 23 Jahren von St. Pölten nach Ebreichsdorf. Das Fazit dieser Diskussionsrunde: Es braucht Zwei, jene, die eine hilfreiche Hand reichen und die Bereitschaft des Fremden, sich auf die neue Kultur einzulassen. Das zweite Thema war dem 900 Jahr-Jubiläum Ebreichsdorfs gewidmet. Hier wollten viele Schüler vor allem wissen, wie es bautechnisch in der Gemeinde weitergehe, sei doch stark zu beobachten, wie neue Siedlungen wie Pilze aus dem Boden schießen.

Auch der öffentliche Verkehr beschäftigte die Schüler, besonders die Querverbindung nach Baden sei mehr als mangelhaft. Kocevar antwortete: „Ich will die Verantwortung nicht von mir schieben, aber hier muss ich an den Verkehrsverbund Ostregion verweisen, nur als Gemeinde werden wir dieses Problem nicht lösen.“