Konzept mit Zukunft aus Kottingbrunn. „Gabi‘s Naturkostladen“ bietet eine lokale Alternative zum Konsum auf Kosten von Umwelt & Klima – eine Zweijahresbilanz.

Von David Steiner. Erstellt am 09. Mai 2021 (03:23)
Seit einigen Monaten hilft auch Mitarbeiterin Lilli im Laden von Gabriele Luksch mit. Sie steht voll hinter dem Konzept, das vor allem den Zeitgeist ihrer Generation trifft.
Steiner, Steiner

Es ist eine Lebensaufgabe, der sich Gabriele Luksch am Ende ihres Arbeitslebens zuwandte. Im Mai vor zwei Jahren eröffnete die ehemalige Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin „Gabi’s Naturkostladen“ in der Wiener Neustädter Straße 18.

Seither bietet sie qualitätsvolle, regionale, nachhaltige Lebensmittel und Verbrauchsgüter „unverpackt“ an – von der Bio-Karotte bis zum kompostierbaren Klobesen. Kundinnen und Kunden können bei ihr Waren in selbst mitgebrachte Gefäße füllen. Wo es nicht anders möglich ist, werden biologisch abbaubare oder Mehrweg-Verpackungen verwendet.

„Nach drei Monaten kannst du wieder schließen, sagten Schwarzmaler zu mir.“ Gabriele Luksch, Geschäftsinhaberin

Im März 2020 zog Luksch für die Grünen in den Gemeinderat ein. „Gabi’s Naturkostladen“ betreibt sie jedoch als unparteiliche Advokatin einer nachhaltigeren Lebensweise. In Kottingbrunn Aufmerksamkeit für die Themen Klima-, Umwelt- und Tierschutz und Abfallvermeidung zu schaffen, war ein Urgedanke ihres Ladens. „Wir müssen uns bewusst machen: Alles, was konventionell gekauft wird, fördert weder Klima- noch Umweltschutz“, erklärt Luksch.

Während im Bund aktuell über Plastik-Mehrwegquoten und Pfandsysteme verhandelt wird, zeigt sie auf kommunaler Ebene vor, wie der Lebensmittelhandel weitestgehend ohne Plastik auskommen kann.

Für die Kottingbrunnerin fängt Umweltschutz generell im Kleinen an, etwa mit dem Umstieg aufs Rad beim Einkaufen. Wichtig sei es, überhaupt anzufangen, etwas zu tun und sich dann Schritt für Schritt umzugewöhnen. „Unverpackt einzukaufen, braucht Organisation, Zeit und auch Muße“, erklärt Luksch.

Wer der Unternehmerin zuhört, merkt, dass das nicht nur für Konsumenten, sondern auch für Händler und Produzenten gilt. Luksch steckt viel Recherchearbeit und Sorgfalt in die Auswahl ihrer Waren. „Biologisch, unverpackt und regional“ zu vereinen, gelinge ihr nicht immer. Bio-Produzenten hätten oft Exklusivverträge mit Großkonzernen. Zudem sei der Umstieg auf Bio noch immer mit viel Bürokratie verbunden. Auch auf Konsumentenebene bestehe noch viel Aufklärungsbedarf. Diese Faktoren haben Auswirkungen auf kleine Anbieter.

Nach zwei Jahren zieht Luksch eine gemischte Bilanz. Mit dem ersten Geschäftsjahr sei sie sehr zufrieden gewesen, im ersten Lockdown habe sie trotz weniger Kunden mehr Umsatz gemacht.

Ab der ersten Wiederöffnung im Mai 2020 sei der Umsatz zurückgegangen. Aufgeben war von Anfang an aber keine Option für die Kottingbrunnerin: „Vor der Eröffnung sagten Schwarzmaler zu mir: ‚Nach drei Monaten kannst du wieder schließen.‘ Einer meiner Leitsätze ist: Wer es nicht versucht, hat schon verloren.“ Etwa fünfzig Prozent ihrer Kundinnen und Kunden kommen von außerhalb. In Kottingbrunn werde ihr Angebot noch nicht in dem erhofften Ausmaß angenommen.