Traiskirchen als Musical. „Traiskirchen. Das Musical“, neue Produktion der Schweigenden Mehrheit, im Volkstheater uraufgeführt. Musikalisches Stückwerk traf auf humoristische wie düstere Szenen.

Von NÖN-Redaktion, APA. Erstellt am 13. Juni 2017 (04:59)
Igor Ripak
Im Sommer 2015 treffen sich im völlig überfüllten Lager Traiskirchen dem Krieg Entronnene und vom Frieden Verwöhnte.

Das Theaterprojekt „Die Schweigende Mehrheit“ hat sich den Ereignissen des Sommers 2015 angenommen und sie in ein Musical gepackt, das am Freitag bei den Wiener Festwochen uraufgeführt wurde.

Ensemble aus 19 Herkunftsländern

Die eigentlich für rund 1.800 Personen gedachte „Bundesbetreuungsstelle Ost“ in Traiskirchen platzte vor gut zwei Jahren aus allen Nähten. Immer lauter wurde die Kritik, bis schließlich NGOs in das Lager gelassen wurden und vernichtende Urteile fällten. Kann man diese Tragödie, die sich eigentlich aus vielen Einzelschicksalen zusammensetzt, in ein Singspiel packen?

Tina Leisch und Bernhard Dechant, die Kreativköpfe hinter „Die Schweigende Mehrheit“ haben dafür ein mehr als 30-köpfiges Ensemble zusammengestellt, das aus 19 verschiedenen Herkunftsländern stammt. Die Hälfte kennt das Lager aus eigener Erfahrung, vom Rest sei ein Großteil als Helfer vor Ort gewesen. Herausgekommen ist so ein Sammelsurium einzelner Sequenzen, die mal humoristisch, dann mit ernstem Unterton in die Thematik einführen.

Leisch und Dechant, die mit ihrem Kollektiv für „Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene“ prämiert wurden, haben mit „Traiskirchen. Das Musical“ aus Erfahrungen, Interviews vor Ort und Medienberichten ein Stück montiert, das uns den Spiegel vorhält. Und die Spielfreude und der Einsatz der großteils professionellen Darsteller sind ansteckend. Trotzdem bleiben viele Ansätze nur an der Oberfläche. Am Ende gab es dennoch Jubel für ein Werk, das gut gemeint war, aber leider auf halber Strecke hängen blieb.