Engagement ist keine Frage der Herkunft. Gleich drei Fraktionen in Baden weisen Mandatare auf, deren Wurzeln nicht nur in Österreich liegen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 11. Februar 2020 (04:00)
Nisret Bujari schaffte aufgrund der vielen Vorzugsstimmen für die ÖVP Einzug in Gemeinderat.
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Sanin Hanusic wird für wir badener in den lokalpolitischen Ring steigen. Er ist Österreicher, seine Eltern stammen aus Bosnien-Herzegowina. Doch seine Herkunft sei für ihn nicht der Beweggrund gewesen, sich politisch zu engagieren.

Er erklärt: „Listenchef Jowi Trenner hat mich überzeugt, für die parteifreie Bürgerliste zu kandidieren. Durch ihn habe ich begonnen, mich für die Badener Gemeindepolitik zu interessieren und politisch aktiv zu werden.“

„Ich bin in Österreich geboren und aufgewachsen und fühle mich dementsprechend mit diesem Land verbunden"

Hanusic betont: „Ich bin in Österreich geboren und aufgewachsen und fühle mich dementsprechend mit diesem Land verbunden. Meine Vorzugsstimmen habe ich nicht wegen des Herkunftslandes meiner Eltern bekommen. Genauso wenig hat mich eine gewisse Gruppe oder Community unterstützt. Zum Großteil verdanke ich meine Vorzugsstimmen der Badener Jugend, denn viele wollen in unserer Stadt einen frischen Wind spüren und vor allem mehr Sportmöglichkeiten haben.“

Auch SPÖ-Gemeinderätin Serafina Demaku, Studentin der Rechtswissenschaften, ist in Österreich geboren. Ihre Eltern stammen aus dem Kosovo, und bei Verwandtenbesuchen im Kosovo fragte sich Serafina stets: „Warum kann ich in den Kosovo fahren und umgekehrt ist das wegen der Visapflicht kaum möglich? Das habe ich immer als sehr ungerecht empfunden.“

Ihr Gerechtigkeitssinn war es auch, der sie in die Politik führte. Mitverantwortlich dafür waren eben auch die Erfahrungen, die sie in ihrer Kindheit gemacht hat.

Aus dem Kosovo kam vor 20 Jahren Nisret Bujari nach Baden. Er arbeitete viele Jahre in der Gastronomie, bis er sich 2015 mit einem eigenen Garten- und Hausbetreuungsunternehmen in der Stadt selbstständig machte. Bei der Gemeinderatswahl kandidierte er erstmals für die ÖVP und schaffte auf Anhieb aufgrund vieler Vorzugsstimmen den Sprung in das Stadtparlament. Er betont: „Mir ist als Gemeinderat das Thema Integration verschiedener Kulturen wichtig. Ich möchte diesbezüglich Projekte erarbeiten, die der Förderung der friedvollen Integration aller Kulturen dienen. Es muss immer einen Zugang in unserer politischen Ausrichtung für dieses herausfordernde Thema geben.“

Er selbst sieht sich als Beispiel dafür, dass hier in Österreich vieles möglich ist, „wenn man sich anstrengt“. Sein großes Ziel ist es, vor allem für die Jugend verschiedener Kulturen und Nationen einen Raum zu finden, in dem sie sich treffen können. Dann wäre auch die Versuchung nicht so groß, dies an öffentlichen Plätzen oder am Bahnhof zu tun.

Warum ihm das ein so großes Anliegen ist, erklärt er folgendermaßen: „Verschiedene Kulturen haben mich unterstützt und mir ihr Vertrauen geschenkt. Für diese Unterstützung bin ich sehr dankbar und sehr erfreut, weil es zeigt, dass ein friedvolles und respektables Miteinander unser gemeinsames Anliegen ist.“