Kürzer arbeiten ist im Bezirk Baden mit Hürden verbunden

Erstellt am 19. Juli 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
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Johannes Michael Wareka (Chef von Marzek Etiketten+Packaging) lehnt eine generelle Arbeitszeitverkürzung in Österreich bei vollem Lohnausgleich ab.
Foto: Marzek
Je nach Branche könnte eine Vier-Tage-Woche mehr oder weniger sinnvoll sein. Flexible Arbeitszeiten sind gefragt.
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Ob Gleitzeit, das sich während der Corona-Pandemie etablierte Homeoffice oder doch die viel diskutierte Vier-Tage-Woche – flexible Arbeitszeitmodelle gibt es einige, der Ruf nach solchen steigt vor allem unter jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Die NÖN hat mit verschiedenen Unternehmen im Bezirk Baden gesprochen und sich erkundigt, ob vier Arbeitstage pro Woche in ihren Betrieben infrage kämen, und welche Alternativen dazu angeboten werden.

Für die NÖM AG, die Niederösterreichische Molkerei mit 700 Beschäftigten und Sitz in der Stadt Baden, ließe sich eine Vier-Tage-Woche laut Human Resources-Leiterin Petra Herzog nur schwer umsetzen. Man sei derzeit daran den Standort auszubauen, und suche daher neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

„Eine Umstellung auf eine 4-Tage-Woche würde bedeuten, dass wir noch mehr Mitarbeiter benötigen, beim derzeitigen Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel ist dies leider sehr schwer umsetzbar“, so Herzog. Für den kompletten Verwaltungs- und Vertriebsbereich habe man jedoch eine Homeoffice-Regelung eingeführt, die es den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ermögliche, flexibel bis zu 50 Prozent von zu Hause aus zu arbeiten.

Wir wollen die Vier-Tage-Woche prüfen. Birgit Aichinger, Vöslauer Mineralwasser GmbH 

Im größten Mineralwasserabfüller Österreichs, der Vöslauer Mineralwasser GmbH aus Bad Vöslau, mache man sich stetig Gedanken darüber, wie man sich als attraktiver Arbeitgeber weiterentwickeln könne, meint Geschäftsführerin Birgit Aichinger.

„Mit Themen wie Mobile Working ( arbeiten ohne an einen physischen Arbeitsplatz gebunden zu sein, Anm.) oder dem Homeoffice haben wir uns schon Jahre vor der Corona-Pandemie beschäftigt und diese auch eingeführt. Neben vielen weiteren Modellen haben wir uns vorgenommen, auch jenes der Vier-Tage-Woche einmal zu prüfen und herauszufinden, wie praktikabel und sinnvoll es ist“, sagt Aichinger. Grundsätzlich variiere die Entwicklung zukünftiger Arbeitszeitmodelle je nach Branche, wichtig blieben jedoch Flexibilität und Vertrauen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vier anstatt fünf Tage pro Woche arbeiten zu lassen, sei aus der Sicht des Inhabers des Bad Vöslauer Fahrradgeschäfts Bikeshop-Kreuzer, Joe Kreuzer, im Handel aufgrund der Öffnungszeiten schwieriger realisierbar als etwa in einer Fabrik. „Einer unserer Mitarbeiter arbeitet von Montag bis Donnerstag. Aber wir müssen ja Freitag und Samstag auch noch offen haben“, konstatiert Kreuzer.

Die Möglichkeit zur Vier-Tage-Woche gäbe es bei Marzek Etiketten+Packaging in Traiskirchen grundsätzlich teilweise bereits, da die meisten Beschäftigten 38 Stunden arbeiten würden, erklärt CEO Johannes Michael Wareka. Zu einer generellen Arbeitszeitverkürzung sagt dieser: „Eine solche bei vollem Lohnausgleich ist in Österreich abzulehnen. Produktionskosten würden steigen, unsere Wettbewerbsfähigkeit beim Export geschwächt, der Tourismus in Österreich verteuert und mehr.“

Für die meisten nicht im Schichtbetrieb Arbeitenden gäbe es eine flexible Gleitzeit. Zudem könne man teilweise vom Homeoffice aus arbeiten, zumeist an Freitagen. „Bei Arbeitszeitmodellen ist es generell wichtig, dass die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt werden“, so Wareka.

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