Ärztemangel im Bezirk Baden: Die Balance stimmt nicht

Erstellt am 06. Dezember 2022 | 20:01
Lesezeit: 3 Min
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Praktischer Arzt ein erfüllender Beruf? Nur Rahmenbedingungen passen nicht.
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Als Anneliese Kritz in den frühen 1980er Jahren begann, als Frau als praktische Ärztin in Traiskirchen zu ordinieren, war sie noch ein Novum. „Damals waren praktische Ärzte fast ausschließlich Männer, heute hat sich das Verhältnis umgedreht“, sagt Kritz, die zwar schon in Pension ist, aber immer noch bei ihrer Nachfolgerin, der Allgemeinmedizinerin Bettina Soucek-Wand aushilft. „Meine Ordination ist mit mir und meinen Kindern gewachsen. Ich habe wirklich immer gerne als Ärztin gearbeitet.

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Anneliese Kritz hat sehr gerne praktiziert.
 
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Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Rahmenbedingungen haben sich verändert und die Menschen haben sich verändert. Die Jungen schauen mehr auf die sogenannte Work-Life-Balance, wollen sich eine Ordination alleine nicht mehr antun. Ich glaube, dass Gruppenpraxen eine Antwort auf den Ärztemangel sein könnten“, sagt Kritz. Denn eines weiß sie aus eigener Erfahrung: „Wichtig ist, dass jemand da ist, auch zu Zeiten, wo eine Einzelpraxis vielleicht nicht mehr besetzt ist. Die Patienten kennen dann alle Ärzte, aber können auswählen, zu wem sie gerne gehen möchten. Auch das ist ein Vorteil.“ Gemeinsam mit seiner Frau Natalie praktiziert Allgemeinmediziner Robert Hofstädter in seiner neuen Praxis am Pfaffstättner Hauptplatz.

Parallel dazu betreuen die beiden Ärzte auch noch ihre Praxis in Blumau-Neurißhof. Platz genug haben die beiden, um in Pfaffstätten noch Fachärzte in ihrer Praxis willkommen zu heißen. Schon Robert Hofstädters Vater war praktischer Arzt, er sagt: „Für mich war schon in der Volksschule klar, dass ich praktischer Arzt werden will. Aber dass viele junge Ärzte keine eigene Praxis führen möchten, liegt daran, dass die Bürokratie ständig steigt, ebenso wie der Arbeitsdruck. Die Entlohnung steigt im Gegensatz dazu aber nicht.“ Das gegenwärtige System bringe es mit sich, „dass man möglichst viele Patienten durchschleusen muss, um die Praxis profitabel zu führen.“ Dabei sei schon das Gespräch mit den Patienten ein immens wichtiger Teil der Behandlung.

Badener Krankenhaus personell gut aufgestellt

Im Badener Landesklinikum gebe es keinen Mangel an Ärzten, keine Stellen im ärztlichen Bereich seien unbesetzt. Trotz des guten Personalstands im LK Baden könne es punktuell in einzelnen Fachrichtungen zu fluktuationsbedingten oder Fehlzeiten bedingten Engpässen kommen. Darauf werde beispielsweise mit kurzfristigen Anpassungen der Dienstpläne reagiert. „Mitunter kann es aufgrund von einer Häufung von Notfällen oder rasch notwendigen operativen Eingriffen zu kurzfristigen Verschiebungen von geplanten Eingriffen um wenige Tage kommen“, heißt es seitens des Krankenhauses. Zu gröberen Komplikationen sei es deshalb bisher allerdings nicht gekommen.

Man begrüße das neue Spitalsärztegesetz, welches die finanziellen Rahmenbedingungen für Mediziner in Kliniken verbessere. Ziel dieses ist auch, dass junge Mediziner aufgrund gehaltlicher Differenzen nicht mehr in andere Bundesländer abwandern. Und auch seitens des Roten Kreuzes gibt es Bemühungen mit diversen Projekten, um einem Mangel an Notärzten entgegenzuwirken.

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