Blumau-Neurisshof: Neues Zuhause für Streuner. Auf der „Lucky Dogs Ranch“ finden Hunde aus Rumänien Zuflucht und ein neues Frauchen oder Herrchen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 28. November 2020 (03:44)
Eli stammt selbst aus Rumänien und ist die gute Seele der Lucky Dogs Ranch. Sie ist Tag und Nacht für die Hunde da.
Jandrinitsch

Wenn Eli, Hundepflegerin und „Mary Poppins“ der Lucky Dogs Ranch zu ihren Schützlingen geht, dann ist die Freude der Vierbeiner riesengroß. Schwanzgewedel, Hundegebell, und Hunde, die versuchen, an Eli hochzuhüpfen, um gestreichelt zu werden.

Genauso freudig werden Sabine, auf der Ranch zuständig für die Tiervergabe, und Obfrau Andrea, die die Ranch ins Leben gerufen hat, begrüßt. Lisa und Dani betreuen die Tier-Anzeigen auf willhaben.at und die Facebook-Seite des Vereins.

Andrea erklärt: „Die Hunde werden von unseren Tierpflegern in Rumänien direkt von der Straße geholt. Dann folgt sofort eine tierärztliche Begutachtung, denn wir wollen keine kranken Hunde nach Österreich holen.“ Hierzulande kommen Tierarztkosten viel zu hoch, und die Ranch bekommt keinerlei öffentliche Subventionen, sondern finanziert sich auf rein privater Basis.

Die Situation in Rumänien kennt die Obfrau sehr genau, bis zum Sturz von Diktator Nicolae Ceaucescu lebte sie mit ihrer Familie in Temeswar, 1990 verließ sie mit ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrer Großmutter sowie ihrem Hund das Land.

Persönliche Kontakte nach Rumänien

„Meine Mutter gehört zur Volksgruppe der Donauschwaben. Fast alle Donauschwaben im Banat verließen 1990 Rumänien. Aber der Neubeginn in Deutschland, das war für uns alle eine harte Zeit“, erinnert sich Andrea, die in Deutschland maturierte und ein Studium abschloss.

Das Leben verschlug sie nach Wien, „einen Schritt näher hin in Richtung Rumänien“, schmunzelt Andrea, die heute im Bezirk Mödling lebt. Sie spricht rumänisch und steht in ständigem Kontakt mit ihrem Team in Rumänien.

Das Tierleid in Rumänien ist ihr schon lange ein Anliegen, seit dem sie auf einer Facebook-Seite ihren Hund „Lucky“ entdeckte.

Andrea erzählt: „Es war ein Abenteuer, bis es mir gelungen ist, den Hund mithilfe von Kontaktpersonen in Rumänien zu entdecken und nach Österreich zu bringen. Wenn du dich einmal engagierst, dann kommst du nur schwer wieder los. Ich habe dann beschlossen, die „Lucky Dog Ranch“ zu gründen, um die Straßenhunde direkt von Rumänien nach Österreich zu holen.“ Die Ranch ist aber nur als Übergangsstation gedacht, Ziel ist es, die Hunde so rasch als möglich in die passenden Hände zu vergeben.

Sabine und Andrea mit ihren vierbeinigen Schutzbefohlenen, die viel Liebe und Zuneigung brauchen. Oberste Maxime des Vereins ist aber, dass die Hunde rasch einen neuen Besitzer finden.
Jandrinitsch

„Wir versuchen, alle Fragen rund um die Hunde schon im Vorfeld abzuklären“, erläutert Sabine, „also wie verträgt sich ein bestimmter Hund mit Katzen, Kindern und wir hatten schon die Anfrage, wie ein Hund mit einer Schildkröte auskommt“. Die Kriterien, nach denen die Tiere vergeben werden, sind streng. „Ich bitte Interessenten immer, mir per Whats-App ein Video von der zukünftigen Wohnsituation des Hundes zu schicken.“

Während junge Hunde oder Welpen sehr rasch eine neue Familie finden, so gibt es auch Hunde auf der Ranch, die Personen brauchen, die Erfahrung im Umgang mit Hunden haben.

Aber das Wissen, wie man mit Hunden umgeht, gehe zunehmend verloren. Sabine sagt: „Ich habe privat selbst einen Hund, darum verstehe ich nicht, wie man Kinder einfach zu einem fremden Hund hinlaufen lassen kann, selbst wenn der klein und süß ist. Es bräuchte mehr Aufklärung im Umgang mit Hunden, es wäre gut, wenn das Thema Hund in Kindergärten und Schulen mehr besprochen werden würde.“