Fünf Fragen für sechs Spitzenkandidaten im Wahlkreis. Die Spitzenkandidaten des Wahlkreises Thermenregion stellten der NÖN "Rede und Antwort"

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. September 2019 (03:03)
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Peter Korrak / Marek Knopp / SPÖ / P. Plutsch / NEOS / zVg

Was muss getan werden, um die Pendler zum Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr zu bewegen?

Carmen Jeitler-Cincelli, ÖVP: Verschiedene Faktoren sind notwendig: Eine höhere Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel, Parkmöglichkeiten für Fahrräder und Autos, Sicherheit v.a. abends an Haltestellen und in Verkehrsmitteln und die preisliche Attraktivierung. 
Andreas Kollross, SPÖ: Öffis müssen zugänglicher und leistbarer werden. Darunter fällt unser 1-2-3 Klimaticket, aber auch der Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln. Genau das ist der Grund, warum ich für den Ausbau der Aspangbahn und der Leobersdorferbahn bin.
Christian Höbart, FPÖ: Der weitere Ausbau dringend benötigter Park & Ride-Anlagen vor den Toren Wiens ist umzusetzen. Diese sollten kostenfrei bis kostengünstig sein. Weiters sind eine verbesserte Verfügbarkeit samt günstigerer Tickets von Zug & Bus sicherzustellen.
Nikolaus Scherak, NEOS: Zuerst müssen die Öffis massiv ausgebaut werden. Wir müssen nicht nur neue Strecken erschließen, sondern in erster Linie die Taktverdichtung vorantreiben.
Harald Geyer, JETZT: Die Erfahrung zeigt: Finanzielle Maßnahmen wirken kaum, aber Verbesserungen im Angebot schon. Bei uns ist das Angebot zu den Stoßzeiten großteils gut, aber flexible Arbeitszeiten erfordern ein besseres Angebot später am Abend.
Gabriele Gerbasits, Grüne: Ein sehr gut ausgebautes Netz an öffentlichen Verkehrsmittel zu wirklich günstigen Preisen, kann zum Umsteigen bewegen. Für Menschen mit Schichtdiensten oder komplexen Verkehrswegen müssen spezielle Angebote geschaffen werden.

Wie stehen Sie zum Projekt „Spange Guntramsdorf“ – der direkten Anbindung des Knotens A2/A3 zur B17?

Carmen Jeitler-Cincelli, ÖVP: Durch diese Verbindung könnte es zu einer Entlastung kommen, die aber negative Auswirkungen in anderen Gemeinden hat. Man kann dies nicht als Einzelmaßnahme umsetzen - die Verkehrsströme muss man auch andernorts neu leiten.
Andreas Kollross, SPÖ: Wichtig ist die Schaffung eines geordneten Verkehrsflusses. Wir werden aber die Belastung nicht durch mehr Straßen schaffen. Wir sind hier am Limit, was wir auf der A2 sehen. Deshalb braucht es den massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs.
Christian Höbart, FPÖ: Die „Spange Guntramsdorf“ ist eine langjährige Forderung der FPÖ, um zwischen den Autobahnzufahrten Wr. Neudorf und Traiskirchen eine weitere „Ader“ zur A2 und zur A3 zu bekommen, um das Verkehrsaufkommen abzusenken.
Nikolaus Scherak, NEOS: Die Spange ist eine Möglichkeit, um den Verkehr durch Guntramsdorf in den Griff zu bekommen. In Wirklichkeit braucht es aber ein bundesländerübergreifendes Gesamtkonzept für den Verkehr südlich von Wien.
Harald Geyer, JETZT: Im Klimaschutzgesetz 2011 steht sinngemäß (wenn auch verklausuliert), dass in Zukunft weniger Autos fahren sollen als derzeit. Aus dieser Sicht ist das Projekt, neben allen ökologischen Bedenken, wirtschaftlich nicht vertretbar.
Gabriele Gerbasits, Grüne: Es geht darum, den Individualverkehr zum öffentlichen Verkehr umzuleiten und den Warenverkehr auf die Schiene zu bringen. Dafür ist die Spange ein völlig gegenläufiges Modell. Eine Fehlinvestition und zusätzliche Bodenversiegelung.

Welche Maßnahmen braucht es, um das Zubetonieren des Wiener Umlands zu verhindern?

Carmen Jeitler-Cincelli, ÖVP: Das Land NÖ setzt bereits ein umfangreiches Maßnahmenpaket um, in dem Flächenbilanzen für jede Gemeinde geführt und Neuwidmungen geprüft werden. Wichtig ist, die Orte von innen heraus zu revitalisieren statt Siedlungen am Rand.
Andreas Kollross, SPÖ: Eine umsichtige Raumordnungspolitik muss die nicht nachhaltige Versiegelung der österreichischen Böden verhindern. Möglicherweise braucht es hier zusätzliche Fördermöglichkeiten, da Wiederverwendung oft teurer ist, als neu zu bauen.
Christian Höbart, FPÖ: Die FPÖ Guntramsdorf agiert mit „GuntramsDORF darf nicht GuntramsSTADT werden“. Das Zubetonieren der letzten Grünflächen bedarf kluger Maßnahmen. Großvolumigerer Wohnbau an der Peripherie, sonst in Dorfcharakterweise bauen.
Nikolaus Scherak, NEOS: Es braucht eine klare Flächenwidmung mit klar definierten Siedlungs- und Grünräumen, eine Verdichtung statt einer Verödung der Ortskerne und eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Gewerbegebieten.
Harald Geyer, JETZT: Beim Flächenverbrauch für Verkehr muss in Zukunft besonders gespart werden. Und wir brauchen Effizienzanforderungen in den Bebauungsplänen: Z. B. Nettowohnfläche und/oder Wohneinheiten, die auf einem Baugrund zu erreichen sind.
Gabriele Gerbasits, Grüne: Konzertierte Steuerung von Bund, Land, Gemeinden. Entwicklungsplanung in Gemeinden mit Einbeziehung aller Betroffenen – Bürgerbeteiligung. Stärkung der Regionen zur Reduktion von Verkehrs- und Handelsflächen am Stadtrand.

Es ist fix, dass es ein neues Gymnasium südlich von Wien geben wird. Welcher wäre der ideale Standort dafür?

Carmen Jeitler-Cincelli, ÖVP: Wichtig ist genau zu evaluieren, wo in den kommenden 20 Jahren die Bevölkerungsdichte am meisten zunehmen wird. Aus manchen Gegenden haben die Kinder belastend lange Anfahrtswege, auch das gehört berücksichtigt.
Andreas Kollross, SPÖ: Um einen geeigneten Standort zu finden, müssen im ersten Schritt die Schülerströme und Geburtenzahlen im Bezirk gemessen und analysiert werden. Erst dann kann man sich überlegen, wo ein neuer Schulstandort Sinn macht.
Christian Höbart, FPÖ: Ein idealer Standort muss gewisse Kriterien erfüllen, wie eine gute Verkehrsanbindung. Auch dürfen für die jeweilige Gemeinde keine Kosten anfallen. Daher sind alle relevanten Kriterien mit dem Bildungsministerium zu koordinieren.
Nikolaus Scherak, NEOS: Mit einem einzigen neuen Schulstandort wird es nicht getan sein, weil der Speckgürtel massiv wächst. Schon jetzt werden Kinder in Containern unterrichtet, was vor allem im Winter eine Zumutung ist.
Harald Geyer, JETZT: Für ein gutes Angebot (Kurse, Wahlpflichtfächer etc.) muss das mit Öffis erreichbare Einzugsgebiet groß genug sein, um die kritische Größe von 36 Klassen zu erzielen. Das Einzugsgebiet muss mindestens halbstündlich bedient werden.
Gabriele Gerbasits, Grüne: Abgesehen von der nicht zeitgemäßen Trennung Gymnasium und Hauptschule, auf einer bereits versiegelten Fläche bzw. in einem revitalisiertem Objekt, öffentlich per Bahn erreichbar. Z.B. die ehemalige Zementfabrik in Kaltenleutgeben.

Was muss getan werden, um junge Leute in den Bezirken Baden und Mödling zu halten. Stichwort: Leistbares Wohnen?

Carmen Jeitler-Cincelli, ÖVP: Im Rahmen der NÖ Wohnbaustrategie sind zahlreiche Maßnahmen mit Förderungen und Wohnbauprojekten vorgesehen. Wir wollen zudem Steuern und Gebühren beim Kauf des ersten Eigenheims streichen.
Andreas Kollross, SPÖ: Wir wollen ein soziales Infrastrukturpaket, um Wohnen – durch Mietpreisobergrenzen oder zinslose Darlehen – leistbar machen. Und es braucht Maßnahmen, um die Grundstückspreise zu dämmen.
Christian Höbart, FPÖ: Die Gemeinden können auf gemeindeeigenen Grundstücken mit zweckmäßigen Bauwerken leistbaren und sozialen Wohnbau sicherstellen. Daher darf das letzte „Tafelsilber“ der Gemeinden nicht verkauft werden.
Nikolaus Scherak, NEOS: Wir müssen mehr Wohnungen bauen, Mietrecht und Bauvorschriften vereinfachen und die Wohnbauförderung zweckwidmen. Man sollte keine Maklergebühr zahlen, wenn man im Internet eine Wohnung findet.
Harald Geyer, JETZT: Ich sehe die Ursachen dafür mehr bei der Infrastruktur als bei den Wohnkosten. Die Antwort: Mehrgeschoßiger Wohnbau auch in kleineren Orten für Leute, die sich noch nicht dauerhaft niederlassen.
Gabriele Gerbasits, Grüne: Unterstützung bei alternativen Wohnprojekten wie „WoGen“ oder „habiTAT“, Förderung von Zwischennutzungen für Start-ups, Bereitstellen von günstigen Co-Working-Spaces und selbstverwalteten Kulturräumen.