Alles fließt im Bezirk Baden. Die Trinkwasserversorgung im Bezirk trotzt aktuellen Trends. Dennoch ist der Klima-Wandel bereits ein Thema.

Von David Steiner. Erstellt am 17. Juni 2020 (05:45)
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Der Wasserleitungsverband versorgt 150.000 Menschen in über dreißig Gemeinden.
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Wie in vielen Teilen des Landes machte sich der Lockdown auch bei den Wasserversorgern im Bezirk Baden bemerkbar. Viele Menschen nutzten die Zeit zu Hause, um Gärten zu gießen und Pools einzulassen. Damit stieg der Wasserverbrauch früher als üblich, bereits ab Anfang April.

Die Frühjahrsspitze fiel in eine Periode, in der es im Industrieviertel bis zu 40 Prozent weniger Niederschlag im Vergleich zum Vorjahr gab. Bedingt durch die Trockenheit riefen die Gemeinden Alland und Klausen-Leopoldsdorf ihre Bürger vorübergehend zum Wassersparen auf. Nach den Regenfällen in den letzten Tagen beruhigte sich die Lage. „Wir bekommen derzeit zusätzlich von der Quelle der Sonderkrankenanstalt Alland Trinkwasser und arbeiten an einem Wasserkonzept, das wir bis zum Herbst umsetzen werden. Mit diesen Maßnahmen werden wir die Wasserprobleme in den Griff bekommen“, berichtet Allands Bürgermeister Ludwig Köck (ÖVP). Engpässe wie diese sind im Bezirk Baden selbst in Trockenperioden eher die Ausnahme.

„Der Grundwasserspiegel ist um 30 Zentimeter gefallen. Dieser Wert liegt im Bereich normaler Schwankungen“, erklärt Josef Pleyer, Betriebsleiter des Wasserwerks der Stadtgemeinde Baden, das etwa 26.000 Einwohner im städtischen Bereich mit Trinkwasser versorgt. Die Brunnen befinden sich in Ebenfurth. Von dort aus werden durchschnittlich 12.000 Kubikmeter Wasser pro Tag in die Badener Haushalte gepumpt. Mit dieser Menge könnten 3.000 Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehr befüllt werden. In Hochbehältern wird außerdem ausreichend Wasser gespeichert, um Baden auch im Fall eines Rohrbruchs versorgen zu können.

Aktuell plant die Stadtgemeinde den Umstieg von Kreiselpumpen auf modernere Tauchmotorpumpen-Technik. „Der Austausch der Hauptpumpen ist mit einer höheren Energieeffizienz und Energieeinsparungen verbunden und zahlt somit voll auf den klimarelevanten Kurs der Stadt Baden ein“, erklärt Vizebürgermeisterin Helga Krismer (Grünen). Im Bezirk Baden ist noch einer der größten Wasserversorger Niederösterreichs beheimatet.

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Wasserwerk-Betriebsleiter Josef Pleyer ist stolz auf die Qualität des Trinkwassers in Baden.
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Der Wasserleitungsverband (WLV) der Triestingtal- und Südbahngemeinden versorgt 150.000 Einwohner in 29 Verbands- und acht Vertragsgemeinden in den Bezirken Baden und Mödling. Das Verbandsgebiet erstreckt sich von Furth-Harras im Triestingtal bis nach Blumau-Neurißhof und in nördlicher Richtung bis in den Wienerwald. Pro Tag werden hier durchschnittlich 35.000 Kubikmeter Wasser aus den Brunnen gepumpt.

„Die Frühjahrssaison begann heuer zeitig, das hatten wir gut im Griff“, berichtet Obmann Franz Gartner, Traiskirchens Vizebürgermeister (SPÖ). In seiner zwanzigjährigen Obmannschaft sei es noch nie zu Engpässen gekommen. Eine Voraussetzung dafür seien rechtzeitige Vorsorge und langfristige Planung.

Klima-Wandel fordert Wasserversorger

Momentan werde etwa eine zweite Leitung in den Wienerwald gebaut, um die Versorgung der dortigen Gemeinden zu sichern. Im quellenreichen Furth-Harras werde zudem ein neues Quellengebiet erschlossen, das in zwei bis drei Jahren das Versorgungsnetz speisen könne, erklärt Gartner.

Die Qualität des Wassers im Bezirk ist ausgezeichnet. „Das Trinkwasser kommt in den Badener Haushalten so an, wie es aus den Brunnen in Ebenfurth gepumpt wird“, erklärt Badens Wasserwerk-Betriebsleiter Pleyer stolz, zumindest bis zur Haushaltsgrenze. Veraltete Hausleitungen oder Ablagerungen in Warmwasser-Boilern würden zum Teil für Verunreinigungen sorgen. Die Qualitätskontrolle des Grundwassers führt die AGES durch. Behördliche Vorgaben regeln, welche Parameter wie oft kontrolliert werden müssen. Auch im Verbandsgebiet des WLV sei eine Aufbereitung nur teilweise und in minimalem Ausmaß nötig, erklärt Obmann Gartner.

In Zukunft sei der Klimawandel eine entscheidende Herausforderung, der sich Wasserversorger weltweit stellen müssten, betont Gartner. Auch im Bezirk Baden sind die Auswirkungen schon spürbar. „Die hoch liegenden Quellen in zehn Metern Tiefe werden schwächer und sind bei starken Regenfällen anfälliger für Verschmutzungen“, erklärt Gartner. Eine Alternative seien sogenannte Tiefbrunnen. Hier werde das Wasser aus Grundwasserseen in 134 Meter Tiefe an die Oberfläche gepumpt. Das Wasserwerk Baden spürt die Folgen des Klima-Wandels indirekt. „Seit Jahren produzieren wir den Strom, den unsere Anlagen verbrauchen, in einem Flusskraftwerk an der Fischa selbst. Doch der Wasserstand des Flusses geht zunehmend zurück. Wir müssen daher mehr Strom von Fremdanbietern zukaufen, erklärt Betriebsleiter Josef Pleyer.

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