Möllersdorf: Kindergarten statt „Schlössl“

Erstellt am 25. April 2022 | 05:10
Lesezeit: 3 Min
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So sah das Schlössl um 1938 aus.
Foto: Museum Traiskirchen
1927 erwarb die Gemeinde Traiskirchen das Schlössl in Möllersdorf. Aus Herrschaftssitz wurde Feldspital, Militärgefängnis, schließlich Kindergarten.
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Der Erbauer des Schlössls war der aus einem böhmischen Adelsgeschlecht stammende Thomas Zachäus Czernin. Laut dem Stiftsarchiv in Melk hat Czernin 1688 „auf 3 Joch Acker einen Palast erbaut und einen neuen Garten angelegt“ – das sogenannte „Schlössl“. Die Bauzeit soll sich bis 1699 erstreckt haben.

Danach gab es verschiedene adelige Besitzer, ehe Carl Alexander, Herzog von Lothringen und Bar, Schwager von Kaiserin Maria Theresia, das Schlössl am 2. Juni 1740 um 10.000 Gulden aus dem Nachlass des Grafen Philippi erwarb. Carl Alexander stirbt 1780 und hinterlässt sämtliche Besitztümer seinem Neffen, Kaiser Joseph II, der noch im selben Jahr das Schlössl dem Militär widmet. Der Kaiser ordnete einige Adaptierung an und 1782 war der barocke Bau als Feldspital bereit. Das Schlössl blieb für die folgenden 90 Jahre ein Krankenhaus.

Am 6. Juni 1872 gab Kaiser Franz Joseph seine Zustimmung, dass das Feldspital in eine Militär-Strafanstalt umgewandelt wird. Es gab Sträflinge 1. und 2. Kategorie, alle hatten in Gemeinschaftszellen Anspruch auf 20 Kubikmeter Luftraum pro Mann. Um dies zu gewährleisten, war auf jeder Zellentüre das Ausmaß der Bodenfläche und des Luftraums vermerkt. Im August 1918 waren hier 622 Sträflinge untergebracht. Der stellvertretende Leiter des Stadtmuseums Traiskirchen, Christian Horvath, weist auf eine Tatsache hin, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist: „Die erfolgreichen Schauspieler-Brüder Attila und Paul Hörbiger versahen hier in der Militär-Strafanstalt in jungen Jahren ihren Dienst. Das zeigt ein Foto, das bei uns im Museum hängt“.

Am 27. September 1924 beschloss das Justizministerium, dass Möllersdorf zugesperrt wird. Der 30. Juni 1925 war der letzte Tag des Schlössls als Strafanstalt.

Am 15. Juli 1927 genehmigt der Ministerrat in Wien den Verkauf: Traiskirchens Bürgermeister Johann Schuster erwarb das Schlössl zu einem Preis von 128.500 Schilling für die Gemeinde Traiskirchen. Die ehemalige Strafanstalt wurde adaptiert, kleine Gemeindewohnungen untergebracht. 1928 zogen die ersten Mieter ein. 1986 sollte das Schlössl nach einer umfassenden Renovierung als „Möllersdorfer Kulturheim“ wieder eröffnet werden. Ein Brand in anderen Gebäuden auf dem Areal machte diese Pläne aber zunichte.

Das Schlössl wurde wieder für Mieter geöffnet. Allerdings war die Bausubstanz mittlerweile sehr schlecht.

Am 17. April 2001 begann die Generalsanierung und Umwandlung des Schlössls in den Kindergarten Möllersdorf. Dieser war bis dato in der Volksschule einquartiert. Nach drei Jahren intensiver Renovierungsbemühungen wurde der neue Kindergarten am 12. Juni 2004 von Landesrätin Christa Kranzl und Bürgermeister Fritz Knotzer eröffnet. Bis heute ist im ehemaligen Schlössl der Kindergarten von Möllersdorf untergebracht.

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