Bezirk Baden: Wie Greißler bestehen bleiben

Erstellt am 24. Mai 2023 | 10:00
Lesezeit: 4 Min
Automaten Greisslerei in Baden
Gegenüber vom Badener Strandbad eröffnete vor kurzem Badens erste Automaten Greißlerei, mit kalten Getränken, Süßigkeiten und Lebensmitteln sowie Sachen für den Badebesuch. Geöffnet ist rund um die Uhr.
Foto: Andreas Fussi
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Vor allem das soziale Miteinander stehe im Vordergrund, meint eine Badener Händlerin.

Die Inflation trifft nach wie vor nahezu jeden wirtschaftlichen Bereich. Und dabei vor allem einen der existenziellsten – die Lebensmittelindustrie, die etwa steigende Energiekosten zwangsweise durch Preisanpassungen ihrer Produkte an die Kundschaft weitergeben muss. Während große Supermarktketten in der Regel aber über einen entsprechenden finanziellen Polster und alleine aufgrund ihrer zahlreichen Standorte einen gewissen Kundenstamm verfügen, macht die Teuerung kleinen Nahversorgern und Greißlern schon mehr zu schaffen.

Für Alrun Lackinger etwa, die zusammen mit Ehemann Roland Lackinger den Bio-Nahversorger „Unser Laden“ in der Mühlgasse 38 in Baden betreibt, sei die Lage schwierig. Man versuche zwar die Preise für Obst, Gewürze, Schaf- und Ziegenmilchprodukte und das umfangreiche restliche regionale Sortiment möglichst zu halten und nur geringfügig anzupassen. „Die Kaufbereitschaft und Kundenfrequenz ist insgesamt gesunken – während gerne Reisen gebucht werden und die Menschen, nach langer Zeit der Isolation, ausgehen zum Essen und dergleichen. Die Menschen gehen oft automatisch von der Annahme aus, Bio ist teuer und kleine Läden sind noch teuer“, meint Alrun Lackinger jedoch.

Unser Laden in Baden
„Unser Laden“ in der Badener Mühlgasse.
Foto: Luisa Operschall

„Strukturen in der Region stärken“

Dass viele Konsumenten eher im Supermarkt als beim Nahversorger einkaufen, sei oftmals keine Entscheidung des Wollens, sondern viel mehr des Müssens. „Wenn ich als Händler die oft noch unreif geerntete Tomate, die von weit her angeliefert werden muss, wesentlich billiger einkaufe, als die, die mir der Gemüsebauer aus der Gegend liefert, ja dann? Und das, wo wir doch einen Klimanotstand haben“, so Lackinger. Daher sollten die regionalen Strukturen gestärkt und erst dann ausgewichen werden, wenn gewisse Produkte in der Region schlicht nicht verfügbar sind, konstatiert die Greißlerin. Inwiefern kostengünstige Lebensmittel langfristig tatsächlich günstig sind, stellt Lackinger mit Blick auf gesundheitliche Aspekte infrage. „Wenn die Lebensmittel nicht ausreichend geben, was der Körper und die Seele zum Gesundbleiben brauchen, leidet die Gesundheit, und das nenne ich nicht günstig, denn Mangelerkrankungen und chronische Erkrankungen sind volkswirtschaftlich betrachtet alles andere als günstig.“

Nahversorger als sozialer Treffpunkt

Wie es dennoch gelingen kann neben Lebensmittelgroßkonzernen zu bestehen? Man sei 2013 in das Abenteuer gestartet, um den Menschen etwas anzubieten, das sie sonst nicht so leicht bekämen – einen Ort der Langsamkeit, Fröhlichkeit, den guten Rat über den Ladentisch. Und freilich regionale, hochwertige Produkte, die große Ketten oft nicht führen, oder jedenfalls nicht in derselben Qualität. Vor allem betont Lackinger aber eben die soziale, gesellschaftliche Wertigkeit kleiner Läden: „Nach bereichernden Begegnungen mit den Mitmenschen, einem Nehmen und Geben guter Lebensenergie und mit guten mit Herz und Liebe hergestellten Lebensmitteln im Korb gut gelaunt nach Hause zu kommen – all das erlebe ich in kleinen Läden. Das bekomm ich nicht vom Großkonzern, nicht einmal zu kaufen!“

„Bei mir zählt der Mensch, nicht der Umsatz!“

Selbiges betont auch die Heiligenkreuzerin Doris Wallisch. Seit 2016 betreibt sie in der Hauptstraße 7 ihre Greißlerei, in der sie frisches Gebäck, belegte Partybrezel aber auch diverse Einrichtungsgegenstände anbietet. „Kleine Läden erhalten die Infrastruktur und das soziale Miteinander im Ort am Leben“, ist sie überzeugt. Die Auswirkungen der Teuerungen im Energie- und Lebensmittelbereich hielten sich in Wallischs Geschäft „Gott sei Dank“ in Grenzen, die Kundschafte nehme diese zur Kenntnis. Am Kaufverhalten ihrer Kundinnen und Kunden habe sich im Vergleich zu den letzten Jahren im Wesentlichen nichts geändert.

Mit nahem und persönlichem Kundenkontakt könne sie sich von großen Supermärkten abheben. „Bei mir zählt der Mensch und nicht der Umsatz beziehungsweise Umsatzdruck!“, sagt Wallisch. Ihrer Meinung nach wäre es gut, wenn Konsumenten Produkte des täglichen Bedarfs wie Milch, Brot und Wurst beim Greißler und den Rest bei den Supermärkten kauften. „Dann könnten alle gut leben“, meint die Greißlerin.

Wie Greißler  bestehen bleiben
Doris Wallisch hat nur am Vormittag geöffnet - sie ist auch Postpartner und hat die Bank 99, da Heiligenkreuz keine Bank und auch keinen Bankomaten sonst mehr hat. Im Bild sind Bürgermeister Franz Winter, Doris Wallisch und Alexandra Goster.
Foto: Stephanie Pirkfellner

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