Lehrplätze für junge Menschen gesucht

SOS-Kinderdorf-Betreuerin Nicole Cerny beschreibt die schwierige Situation ihrer neun Jugendlichen.

Erstellt am 02. April 2021 | 05:07
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SOS-Kinderdorf Wohngruppenleiterin Nicole Cerny.
Foto: SOS Kinderdorf, SOS Kinderdorf

Die Coronazeit ist gerade für Jugendliche eine Herausforderung, weiß Nicole Cerny, die sich um Jungs in einer betreuten Wohngemeinschaft des SOS Kinderdorfes in Möllersdorf kümmert.

„Die Coronazeit nimmt den Jugendlichen total viel. Sie können sich nicht mit Freunden treffen oder sich mit Mädchen etwas ausmachen. Die Chance, sich zu verlieben, die gibt es im Augenblick auch nicht“, weiß Cerny um die Sorgen und Nöte ihrer Schützlinge Bescheid.

Dabei waren die Jugendlichen äußerst diszipliniert, „es gab keine geheimen Coronapartys oder Ähnliches, alle haben sich sehr diszipliniert verhalten“, weiß Cerny. Was ihr auch Sorgen macht„Uns brechen die kleinen und mittleren Betriebe weg, die sonst Lehrlinge aufnehmen. Bei uns läuft bei der Lehrstellensuche vieles über persönliche Kontakte. Doch auch Firmenbesuche unsererseits sind jetzt nicht möglich“, weiß Cerny.

Die Jugendlichen hängen in einer Art Warteschleife, und das sei nicht gut. „Die Perspektivlosigkeit ist das Schlimmste. Die gegenwärtige Situation ist besonders für junge Menschen schwierig, die aufgrund ihrer Herkunftsgeschichte in manchen Bereichen eine besondere Unterstützung brauchen“, sagt Cerny.

Guter Rat ist zur Zeit sehr stark gefragt

Auch Birgit Satke, die Leiterin des SOS-Kinderdorf-Hilfetelefons „Rat auf Draht“ bestätigt, dass die Anfragen der Jugendlichen massiv zunehmen. „Das beginnt schon in der Altersklasse der elf bis 14-Jährigen“, erläutert Satke. Sie meint: „Zu Beginn der Pandemie hat man sich in der öffentlichen Wahrnehmung sehr stark auf die ältere Bevölkerung konzentriert. Die Anliegen und Bedürfnisse der Jugendlichen wurden vernachlässigt. Dabei kämpfen besonders junge Menschen jetzt mit Zukunftssorgen und leiden darunter, dass sie ihre Freunde so wenig wie möglich sehen sollen. Dazu kommt die Sorge, Eltern oder Großeltern zuhause vielleicht doch mit dem Corona-Virus anzustecken.“

Besondere Sorgen bereiten Cerny jene Jugendlichen, die den Schulabschluss nicht schaffen oder eine Lehrstelle verlieren. „Dann denken wir auch über ein freiwilliges 10. Schuljahr nach, wer seine Lehrstelle verliert, der verliert meistens ein ganzes Jahr, bis sich wieder etwas Neues finden“, weiß die Wohngruppenleiterin. Vielen fehlte die strukturierte Form des Schulunterrichts, auch wenn das Distance Learning etwa beim bfi sehr gut funktioniert habe. Apropos Berufsförderungsinstitut: Hier habe man noch Kapazitäten, was die Aufnahme von Jugendlichen in die Lehrwerkstätten betrifft.

Laut Auskunft des Josef-Hesoun-Ausbildungszentrums in Wiener Neustadt kooperiere man eng mit dem AMS, das die Vermittlung der Jugendlichen koordiniert.