AK Baden verhilft Frau zu 30.000 Euro. Verlängerte Frist bei Kündigung wird eingeklagt – und Chancen für Filialleiterin stehen gut.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 20. August 2021 (05:41)
Arbeiterkammer AK
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In ihrer Halbzeitbilanz des Jahres 2021 wartet Badens AK-Bezirksstellenleiterin Danja Wanner mit einem beträchtlichen Fall auf. Nach mehr als zwei Jahren kündigte ein Dienstgeber seine Angestellte, die zuletzt Vollzeit als Filialleiterin tätig war.

Die schriftliche Kündigung wurde der Frau am 12. Februar mitgeteilt. Laut dem Schreiben sollte ihre Anstellung am 28. Februar enden. Hat das Dienstverhältnis aber über zwei Jahre gedauert, beträgt die Kündigungsfrist für den Dienstgeber zwei Monate. Da es in diesem Fall auch keinen Dienstvertrag gab, verlängerte sich hier die Frist auch noch bis zum nächsten Quartalsende, also bis zum 30. Juni.

Die von der Gekündigten eingeschaltete AK Baden intervenierte deshalb beim Dienstgeber, um die höhere Kündigungsentschädigung, die nicht ausbezahlten Überstunden und die Urlaubsersatzleistung nachzufordern. Die Antwort darauf beinhaltete zahlreiche Vorwürfe an die ehemalige Filialleiterin. So behauptete der Dienstgeber, dass die Frau zwar tagelang anwesend gewesen sei, aber nicht gearbeitet habe. Sie sei diesbezüglich auch verwarnt worden. Ebenso behauptete er, dass Überstunden bereits ausbezahlt worden seien. Keine seiner Behauptungen konnte er jedoch beweisen. Im Gegensatz dazu konnte die Dienstnehmerin ordentlich geführte Arbeitszeitaufzeichnungen vorlegen. Daher war es möglich, die Überstunden der letzten sechs Monate einzufordern. Diese wurden mit den restlichen fehlenden Ansprüchen vor Gericht geltend gemacht. „Vor allem die von der Angestellten geführten Aufzeichnungen können für das noch anhängige Verfahren bei Gericht entscheidend sein, dass die Forderung – es geht um insgesamt rund 30.000 Euro – zugesprochen wird“, sagt Wanner.

Arbeiterkammer im Zeichen von Corona

Für die Mitarbeiter der AK-Bezirksstelle Baden stand auch das Jahr 2021 bislang im Zeichen der Corona-Krise. „Mehr als 10.450 Menschen haben im ersten Halbjahr 2021 mit uns Kontakt aufgenommen“, erzählt Wanner. Dabei ging es oft lediglich um rasche Auskünfte und Informationen zu Kurzarbeit, Kündigung, Quarantäne, Homeoffice und Freistellung wegen Kinderbetreuung“, sagt Wanner. In fast 3.800 Fällen benötigten die Menschen hingegen weiterführende Beratung und die Unterstützung in konkreten Problemfällen. „Gerade die aktuelle Krise macht einmal mehr deutlich, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle sind.“

Das gelte auch für weitere Serviceangebote. So ließen sich zum Beispiel 272 Mitglieder die Handysignatur kostenlos freischalten. Auch der Anteil an telefonischer Beratung, über die rund drei Viertel aller Anfragen abgewickelt wurden, blieb deutlich über dem Vor-Krisenniveau“, zieht sie Bilanz.

Insgesamt hat die Bezirksstelle Baden im Vorjahr mehr als 1,1 Millionen Euro für Arbeitnehmer der Region gesichert.