Café-Gastraum in Baden als Präsentationsforum. Inhaber der Badener Caféhaus-„Institution“ Lehner schenken (über-)regionalen Unternehmern sowie Künstlern Platz.

Von Nadja Tröstl. Erstellt am 04. April 2021 (11:04)

Mehr als 30 niederösterreichische Wirtschaftstreibende sowie drei Künstlerinnen zeigen aktuell im Eingangsbereich der Café Konditorei Lehner einen facettenreichen Querschnitt mit Einblicken in ihre Arbeiten. Tendenz steigend. Die Idee zu diesem außergewöhnlichen und immer beliebter werdenden Projekt hatte das Inhaber-Ehepaar Gunnar und Andrea Haberl, nachdem der zweite Lockdown kam und der einst mit zahlreichen Gästen belebte Innenbereich gespenstisch leer stand.

„Der Grundgedanke ist und war, unseren Gastraum ohne Gegenleistung uneigennützig zu verschenken, ihn somit sinnvoll zu nutzen und Interessierten kostenlos zur Verfügung zu stellen“, erklärt Haberl. Vonseiten der Teilnehmer, als auch von jener der Kunden, wird das Interesse immer größer.

Betrieb vor zwei Jahren übernommen

Auf der überdimensional langen Tischreihe liegen diverse Broschüren, Flyer, Gutscheine, Visitenkarten, Rabatt-Bons sowie ein Buch auf. Es gibt besondere Gesundheitsdrinks, sogar einen ausgestellten Teddybären, alles umrahmt von Bildern. Der Sinn und Zweck: Zur freien Entnahme, zum Schmökern und auch zum Erwerb gibt es ein ganzes Sortiment, das mindestens bis Mai zu sehen ist. Und wer ist bereits mit an Bord? Die bunte Vielfalt – von dem Buch zweier junger Badener, die auf ihrer Reise mit dem Rad von Baden nach Marokko jede Menge außergewöhnliche Geschichten sammelten (Elisabeth Plöchl/Christoph Breinschmid) über die Künstlerin Manuela Kammerhofer (lupus.ARTig) und Blumenbild-Malerin Eva Reutt, Traditionelle Chinesische Astrologie (Andreas Tauscher), die Leesdorfer Bären (Christine Vrchotka) bis zu dem ferien.spiel 2021 Programm (BiondekBühne Baden) – sie wird zu einem greifbaren Erlebnis.

Genau vor zwei Jahren übernahm das Ehepaar Haberl das heute 92-jährige Familienunternehmen. Nach nur einem Jahr blieb mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie jedoch kein Stein auf dem anderen und die Caféhaus Gäste blieben aus. Mit vereinten Kräften, Treue und enger Kundenbindung manövrierte man sich mit den 15 Mitarbeitern durch die schweren Zeiten.

Krisenmanagement ist für Haberl, der großen Wert auf Loyalität, Humanität und Empathie legt, ein bekannter Weg. Der Quereinsteiger kommt ursprünglich aus der Banken- und Wirtschaftsbranche, war 30 Jahre in leitenden Funktionen mit den Schwerpunkten Immobilienprojekte und Finanzierung bei der BAWAG P.S.K sowie BKS Bank (Bank für Kärnten und Steiermark) und zuletzt als Vorstand/Geschäftsführer der NOE Immobilien Development AG/GmbH tätig.

Komplette Mannschaft weiter in Kurzarbeit

Gunnar Haberl spricht nicht nur die Sprache der Banken, sondern auch jene des Mitgefühls, die, so sagt er, das Firmencredo erfüllt. „Unsere Stammkunden haben uns durch die Krise getragen.“ Viele Kunden seien gekommen und haben Waren eingekauft, um ein Zeichen der Solidarität und Treue zu setzen, manchmal sogar, um Einkäufe weiter zu verschenken.

Auf Geld wurde nicht geschaut. Selbst mit nur ein paar Semmeln und halben Brotlaiben wurde zu Stammkunden gefahren, die selbst nicht ins Geschäft kommen konnten. „Wir sind stolz, dass es uns noch gibt und dass wir unsere komplette Mannschaft weiter in Kurzarbeit beschäftigen können. Wir werden überleben! Die Hauptgründe dafür sind unsere Passion für die Arbeit und unsere drei wundervollen Töchter“, sagt Haberl in einer ganz anderen Sprache als jene eines Bankers.