Baden

Erstellt am 10. Januar 2017, 03:13

von Stefan Jedlicka

Weltkulturerbe Baden: Segen oder Fluch?. ÖVP will UNESCO-Siegel für Kurstadt. Grüne nicht vorbehaltlos dafür. Bevölkerung wird eingebunden.

Grüne zu Besuch in Hallstatt. Rosa Wimmer, Gemeinderat Christian Ecker, Hallstatts Bürgermeister Axel Scheutz, die Badener Vizebürgermeisterin und Grünen-Chefin Helga Krismer, Herbert Först und Klubobfrau Martina Weißenböck.  |  privat

„UNESCO-Weltkultur-erbe“ will die Kurstadt werden. Gemeinsam mit anderen europäischen Bädern, den „Great Spas of Europe“, bewirbt sich Baden um dieses Gütesiegel. Treibende Kraft in der Stadtpolitik ist ÖVP-Kulturstadtrat Hans Hornyik. Altbürgermeister Kurt Staska unterstützte das Vorhaben.

Und auch sein Nachfolger Stefan Szirucsek hat sich zum Bewerbungsprozess bekannt. Badens Grüne als Koalitionspartner der ÖVP sehen allerdings „Licht und Schatten“.

Man habe „zur Frage ,Weltkulturerbe – ja oder nein?‘ noch keine endgültige Position gefunden“, sagt Herbert Först, ehemaliger Stadt- und Gemeinderat der Grünen. Und kritisiert: „Sich auf so einen Prozess einzulassen, bedeutet, alle Für und Wider abzuwägen, und das habe ich bisher vermisst.“

Weltkulturerbegemeinde verliert an Gestaltungsfreiraum

Bei einem Besuch in Hallstatt sprachen Vertreter der Grünen nun mit Bürgermeister Axel Scheutz über Vor- und Nachteile. Hallstatt ist mit drei anderen Gemeinden der Dachsteinregion seit fast 20 Jahren Weltkulturerbe.

Auch die Geschäftsführerin der Regionalentwicklung, Rosa Wimmer, sei befragt worden. „Für Hallstatt steht außer Zweifel, dass die UNESCO-Auszeichnung einen enormen Impuls für den Tourismus auslöste. Speziell für asiatische Gäste ist Hallstatt zu einer attraktiven Destination geworden“, so Först. Als besonders wertvoll strich Scheutz hervor, dass beachtliche Investitionen durch das Land Oberösterreich in die Region flossen.

„Voraussetzungen in Hallstatt sind andere“

„Das Gespräch ergab aber auch, dass eine Weltkulturerbegemeinde spürbar an Gestaltungsfreiraum verliert“, betont Först. „Wir würden neben Bundesdenkmalamt und Schutzzonen-Bestimmungen noch eine zusätzliche Instanz bekommen, die prüft. Das stößt bei einigen in unserer Gruppe auf Skepsis.“

Er sehe in der Vernetzung mit anderen Kurorten und der „wahrscheinlichen touristischen und kulturellen Fokussierung eine verlockende Chance“. Först fügt aber hinzu: „Wir erwarten nun den längst fälligen, breiten Meinungsbildungsprozess und einen Beschluss im Gemeinderat. Es kann nicht sein, dass ein enger Zirkel eine derart weitreichende Entscheidung im Alleingang trifft.“ Und er stellt klar: „Was wir auf keinen Fall wollen: Unsere Stadt als museale Attraktion bewahren zu müssen, denn Baden braucht Weltoffenheit und Erneuerung.“

Kulturstadtrat Hornyik steht vorbehaltlos hinter dem Bewerbungsprozess (siehe dazu Seite 4). „Die Voraussetzungen in Hallstatt sind andere als in Baden“, betont er. „Ich kann nachvollziehen, dass jemand Bedenken hat, der die Hintergründe dort nicht kennt. Eine Einbindung der Bevölkerung sei im derzeitigen Prozesstadium noch wenig sinnvoll, sagt Hornyik: „Es geht noch um reine Fachthemen.“ In weiterer Folge sei dies jedoch fix vorgesehen. „Die UNESCO verlangt sogar explizit eine Information, in welcher Form die Bevölkerung eingebunden wird“, so Hornyik.

Und auch Bürgermeister Stefan Szirucsek (VP) stellt klar: „Das ist eine große Chance für Baden. Ich unterstütze die Bewerbung natürlich.“

Umfrage beendet

  • Weltkulturerbe: Last oder Chance?