Salvagnini Maschinenbau: „Warten nicht auf Lösungen“. Viele Jahre war Carina Rambauske als Redakteurin für die NÖN in Niederösterreich unterwegs. Aktuell fährt sie im Auftrag von ecoplus durch das Bundesland, um mit den Unternehmerinnen und Unternehmern über klima- und ressourcenschonende Innovationen zu sprechen.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 27. Februar 2020 (04:30)

Teil 6 unserer Blog-Serie mit Besuch bei Salvagnini Maschinenbau, Ennsdorf

Das rechnet sich nicht!“ Diesen Satz kann Wolfgang Kunze schon nicht mehr hören. Und er hört ihn oft, denn Wolfgang Kunze ist technischer Leiter von Salvagnini Maschinenbau im ecoplus-Wirtschaftspark in Ennsdorf (Bezirk Amstetten). Der internationale Konzern stellt Maschinen für die Blechverarbeitung her. Stanzen, schneiden, biegen – 14 unterschiedliche Modelle werden in Ennsdorf aus 4.000 Tonnen Blech hergestellt und in 70 Länder der Welt exportiert.

Nachhaltigkeit kann sich da gar nicht ausgehen, so der allgemeine Tenor. Tut es doch. Noch dazu: mit wirtschaftlichem Mehrwert. „Der ökologische Vorteil kann mit einem ökonomischen einhergehen – das ist kein Ausschlusskriterium“, betont Kunze. Aber dafür müsse man selbst dahinter sein: „Wir warten nicht darauf, bis irgendwelche Lösungen präsentiert werden, sondern man muss aktiv einen Beitrag leisten, um nachhaltig unterwegs zu sein.“

Strenge Diät für die großen Maschinen

Einer dieser Beiträge ging auf Kosten der Maschinen – der Standort in Ennsdorf ist übrigens weltweit die größte Produktionsstätte von Biegezentren. Weil aber die Maschinen zu schwer für den Transport in einem Container waren und stattdessen als Sondertransport in einer Holzkiste ausgeliefert wurden, bekamen sie ein Weight-Watcher-Programm verpasst.

Am Ende hatten die Maschinen 10 Prozent weniger Gewicht auf die Waage. Zusätzlich konnten durch den intelligenten Leichtbau die Kosten beim Überseetransport um 50 Prozent reduziert werden. Indem dünnere Bleche – und damit weniger Rohstoff – benötigt werden, verringert sich auch der Energieverbrauch beim Herstellen der Teile um 30 Prozent. Und: Die Maschinen brauchen weniger Energie, wenn sie später in Betrieb sind.

„Obwohl wir unsere Stückzahl im Laufe der Jahre quasi verdoppelt haben, konnten wir unseren Energieverbrauch gleichzeitig trotzdem um 17 Prozent senken“, fasst der Salvagnini-Technikchef stolz zusammen.

Mit Schiff, Bahn und LNG-Trucks

Transport ist generell so ein Thema bei Salvagnini in Ennsdorf. Dank dessen Lage an der Donau im ecoplus Wirtschaftspark, hat das Unternehmen nicht nur einen direkten Anschluss an Westbahn und Westautobahn, sondern auch an einen eigenen Hafen. Dorthin wird das Frachtgut mit der Bahn transportiert. Und von dort, wenn es nach Kunze geht, weiter um die ganze Welt auf Schiffen, die mit liquefied natural gas (LNG) angetrieben werden. Auf der Straße ist das bereits Alltag: Die Lieferungen, die innerhalb eines Umkreises von 500 Kilometern erfolgen, werden bereits mit LNG-Lkws durchgeführt.

Auch innerhalb der Produktionshallen wird der Energieverbrauch streng im Blick gehalten. Seit 2006 ist das Salvagnini-Werk an das benachbarte Bioheizkraftwerk angeschlossen. Aktuell werden außerdem Lösungen gesucht, wie die Maschinen zukünftig keine Stromspitzen mehr benötigen.

CO₂-Ausweis für Produkte

„Wir haben uns das hart erarbeitet“, resümiert Kunze das Bestreben nach Nachhaltigkeit. Ein Ende der Bemühungen ist aber dennoch nicht in Sicht. „Egal mit welchem Thema man sich beschäftig, es gibt immer etwas, das man optimieren kann“, zeigt sich der Technikchef unerlässlich.

Sein Wunsch: Die Etablierung eines CO₂-Ausweises für Produkte – ähnlich wie der eines Hauses. Auf einem Blick wäre damit ersichtlich, welchen CO₂-Abdruck die Herstellung einer Maschine hat und wie viel Energie sie später im Betrieb benötigt. Die größten Anlagen von Salvagnini haben vor zwanzig Jahren 50 kWh verbraucht. Jetzt sind es 10 kWh. „Darauf sind wir sehr stolz! Global betrachtet werden diese Anstrengungen aber nicht belohnt“, so Kunze.

Überlegungen, die in Richtung Zölle auf Importe gehen, bei deren Herstellung mehr CO₂ anfällt als in heimischer Produktion, begrüßt er deshalb. Aber bis dahin, erzählt er jedem gerne weiter, dass sich ressourcenschonender Umgang und effizientes Wirtschaften durchaus ausgehen.