Es brennt, es brennt die Brennnessel

Erstellt am 16. August 2022 | 06:25
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Brennesseln Symbolbild
Symbolbild
Foto: Lukeneder
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum eigentlich Brennnesseln derart brennendes Jucken hervorrufen? Warum lieben die einen diese unscheinbare Pflanze und andere verbannen dieses nützliche Gewächs aus ihren Gärten? Wissenschaftler Alexander Lukeneder liefert eine Erklärung…

Wer hat sich nicht schon einmal an Brennnesseln „verbrannt“? Das merkt man sich dann eine gewisse Zeit, bis man irgendwann wieder daran anstreift. Ich bin ja von Berufs wegen viel im Gebirge und in Wäldern unterwegs, wo gerade an Lichtungen einiges an Brennnesseln wächst. Mich stört das eher wenig bis gar nicht, weil ich auf Grabungen immer lange Kleidung trage – sei es zum Schutz vor Zecken, vor Schlangen oder eben auch vor Brennnesseln. Oft müssen wir uns bis zu den Fundstellen den Weg in dichtem Unterholz durch Brennnesselwälder bahnen, die einem bis weit unter die Arme reichen können – das ist dann schon eher unangenehm, um es diplomatisch zu formulieren!

Brennnesseln gehören zur Familie der Brennnesselgewächse, den Urticaceae. Meist sind in unseren Breiten die Große Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel (Urtica urens) anzutreffen. In meinem Garten treten an manchen Stellen kleinere Kolonien der Großen Brennessel auf, und – ja, auch diese fängt klein an! Sie wirkt zunächst unscheinbar, brennt aber auch in diesem Stadium schon und wächst dann bis zu einem Meter Höhe, wenn man nicht eingreift. Das brennt dann schon ordentlich beim Entfernen! Wie schon öfters an dieser Stelle erwähnt, habe ich zwei kleine Kinder und muss deshalb zur Tat schreiten. Kind Nummer 1 hat mit jetzt fast sieben Jahren Phase 1 – brennen-weinen-schreien – schon hinter sich und ist somit vorsichtiger. Kind Nummer 2 ist mit seinen 2 Jahren gerade bei Phase 1 angelangt: Das gibt’s ja nicht! Warum brennt das und das daneben nicht?

Warum also brennt das so und wodurch wird das Brennen ausgelöst? Vorsicht vor den Brennhaaren am Stiel der Pflanzen! Wie ich meinen Kindern öfter zeige, kann man gefahrlos die Blattoberseite berühren. Wenn man, wie ich, die Brennnesseln ohne Handschule entfernt, bekommt man eben die schmerzhaften und typischen kleinen roten Schwellungen (Quaddeln). Übrigens schmerzen Berührungen mit der Kleinen Brennnessel weitaus mehr als mit der großen Schwester – klar, die Pflanze will sich ja vor Fressfeinden schützen! Sie wehrt sich also dagegen, gefressen zu werden, im übertragenen Sinne also auch dagegen, ausgerissen zu werden. Die Brennhaare entladen Ihren Inhalt bei Berührung und injizieren Ameisensäure in die zurückschreckenden Opfer. Die Brennflüssigkeit enthält zudem noch geringe Mengen von Acetylcholin, Histamin, Natriumformiat und Serotonin.

Nutzen und Wirkung

Ich persönlich lasse absichtlich an manchen Stellen im Garten die Brennnesseln wachsen, wie auch entlang der Grundgrenze zum Wald. Ich mache das, weil ich damit den Lebensraum für viele Insekten schützen möchte – viel zu viele dieser wertvollen Pflanzen werden ja ohnehin durch Bodenversiegelung vernichtet! Immerhin sind Brennnesseln für über 50 Schmetterlingsarten die einzige Nahrungsquelle und gelten als Futterpflanze. Manche Schmetterlinge zeichnen sich durch Monophagie aus, sie fressen also nur eine bestimmte Pflanzenart und sind damit auf deren Bestand angewiesen. Bei Brennnesseln sind das zum Beispiel Tagpfauenauge, Admiral, Landkärtchen oder der als Nesselfalter bekannte Kleine Fuchs. Diese Arten – im Wesentlichen ihre Raupen – sind sozusagen immun gegen das Nesselgift der Brennnesseln und meiden auf verschiedene Weise die Brennhaare.

Brennnessel-Sud als Dünger oder zur Abwehr von Blattläusen hilft ebenso wie Brennnessel-Tee als Getränk. Man kann Brennnesseln, so sie nicht neben der Straße gepflückt wurden, auch als Brennnessel-Salat oder als Brennnessel-Spinat zubereiten. Dabei sollten aber lediglich junge Pflanzen verwendet werden. Die Brennnessel lässt sich – wie Bärlauch – als Wildgemüse nutzen. Der hohe Gehalt an Vitamin C, Magnesium, Kalzium wie auch Eisen und Eiweiß machen diese Pflanze zu einer wertvollen Nahrungsergänzung. Die Nesselwirkung wird dabei durch Kochen, Blanchieren oder Trocknen aufgehoben, rohe Pflanzenteile müssen in einem Tuch ordentlich gerieben werden, sonst brennt es dann doch im Mund!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß in der Natur, mit Brennnesseln, aber ohne Brennen. Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie neugierig.

WebTipps

https://www.umweltgemeinde.at/foerderung-brennnessel

https://www.diebrennnessel.at/

https://noe.orf.at/magazin/stories/3147706/