Nacktschnecken: die unerwünschten Besucher im Garten

Erstellt am 09. August 2022 | 06:25
Lesezeit: 5 Min
Nacktschnecke Symbolbild
Symbolbild
Foto: Lukeneder
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum sich gerade in Ihrem Garten so viele Nacktschnecken herumtreiben? Warum sind sie bei Ihnen und nicht beim Nachbarn? Was lieben diese schleimigen Bewohner des Gartens und was meiden sie? Wissenschaftler Alexander Lukeneder liefert eine Erklärung…

Wer kennt sie nicht, die kleinen, schleimigen Besucher in unseren Gärten? Meine Freude darüber hält sich ja in Grenzen, was gerade bei mir natürlich ein gewisser Widerspruch in sich ist: im Wienerwald zu wohnen, also im Schneckenland, und sich dann über die Schnecken-Bewohner aufzuregen. Man könnte auch sagen: Ist halt einfach so!

Das stimmt natürlich in gewissem Maße. Fressen mir diese Schnecken ohne Gehäuse aber unsere für die Kinder mühevoll gezüchteten Erdbeeren, Erbsen, Paradeiser, ja sogar Marillen und Feigen auf, dann hört sich bei mir der Spaß auf. Und ich sage es gleich dazu: Wegen der Kinder kommt uns zu Hause kein Gift in den Garten! Die harte Tour fällt für uns also aus – ebenso wie Ertränken, Bestreuen mit Kalk oder das grausame Zerschneiden, wie es vielerorts auch praktiziert wird.

Das bringe ich alles nicht übers Herz, es sind doch Lebewesen! Ja, sie fressen, und zwar das wertvolle Obst und Gemüse – es ist also immer ein Kampf zwischen dem Gartenbesitzer und den Schnecken, oder sollte ich lieber sagen: der Schecken-Invasion. Komischerweise sehe ich die ganze Sache bei Schnecken mit Gehäuse – wie bei Weinbergschnecken oder anderen haustragenden Arten – nicht so eng.

Das mag freilich an meiner Leidenschaft für fossile Vertreter der Weichtiere, wie Ammoniten und Tintenfische, liegen. Mir persönlich haben jedenfalls auch Schneckenkanten an Hochbeeten nicht geholfen. Was bleibt einem also in einem Naturgarten übrig: Ich sammle fast jeden Tag die Schnecken ein und übersiedle die Tierchen in den Wald. Das ist zwar mühsam, beruhigt aber mein Gewissen – und ich habe dabei niemanden umgebracht!

Die Nacktschnecke an sich hat ja ihr ursprüngliches Gehäuse stark reduziert beziehungsweise zur Gänze verloren. Hierzu zählen vorwiegend Vertreter der Landlungenschnecken (Stylommatophora). Manchmal kann man auch aufmerksam beobachten, wie eine sogenannte Schneckenhochzeit vonstattengeht. Hier werden in einer milchigen Gallertmasse die Nachkommen gezeugt, Hunderte, ja Tausende der Schnecken warten dann darauf, die Natur, den Wald, aber auch die Gärten zu bevölkern. Mit ihrer Raspelzunge – der Radula –

wird alles Pflanzliche zerkleinert, was auf dem Speiseplan steht. Darunter fallen nahezu alle Gemüse- und Obstsorten. Viele Exemplare der Roten Wegschnecke (Arion rufus), auch Große Rote Wegschnecke genannt, treiben in meinem Garten gerade ihr Unwesen. Sie können bis zu 15 Zentimeter lang werden und gehören der Familie der Wegschnecken (Arionidae) an. Ob braun, ob orange, bis hin zu schwarz: Alle Farben sind vertreten. Fast am häufigsten anzutreffen ist mittlerweile die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris), auch Kapuzinerschnecke genannt. Diese Art ist etwas dunkler gefärbt, kann aber ebenfalls viele Farbvarianten aufweisen.

Kannibalismus

Die Nacktschnecken schrecken auch vor dem Verzehr toter Artgenossen nicht zurück. Eine fleischliche Zwischenmahlzeit wird von ihnen also nicht verschmäht. Man kann das oft nach Regenfällen beobachten, wenn man unabsichtlich auf eine Schnecke getreten ist und sich Stunden später Artgenossen gütlich daran tun. Diese eigentlichen Pflanzenfresser sind nur schwer zu bekämpfen, man muss wahrscheinlich einfach mit ihnen leben lernen. Bekämpfung bezeichnet also eher die Entfernung der Schnecken aus den Gärten zur Verhinderung von Fressschäden. Dabei kann es sich – wie schon erwähnt – um mechanische, biologische oder auch chemische Methoden handeln.

Die Lösung des Problems findet sich in den eigenen Reihen: der Tigerschnegel (Limax maximus), eine getigerte, schöne Art der Nacktschnecken. Diese steht gleichsam einer Übermacht an Roten und Spanischen Wegschnecken gegenüber. Vertreter der Schnegel (Limacidae) würden die Gelege der verwandten Arten fressen wollen und es auch können. Selten frisst der Tigerschnegel auf räuberische Weise andere lebende Nacktschnecken.

Falls Sie coole Nachbarn haben, bestellen Sie sich doch eine Herde von Laufenten – innerhalb einer Woche wäre Ihr Garten schneckenfrei, ob des Schnatterns hätten Sie zudem in der Nachbarschaft sicher auch neue Freunde gewonnen. Igel wären als Fressfeinde der Nacktschnecken willkommen, leider gibt es mittlerweile viel zu wenige davon.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß in Ihrem Garten, ohne Gift und mit so wenigen Nacktschnecken wie möglich. Halten Sie die Augen offen und bleiben Sie neugierig.

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